Wo das hauchdünn geschnittene Rindfleisch in Bergen serviert wird und die Shitake-Pilze in den Mund wachsen - das Haidhausener Restaurant Mitani ist ein japanisches Paradies für Genießer.
Ja, natürlich gibt es auch Sushi im Restaurant Mitani an der Haidhausener Rablstraße 45. Es ist schließlich ein japanisches Restaurant. Doch fährt der rohe Fisch hier weder auf bunten Tellerchen im Kreis, noch wird er auf kitschigen Schiffchen drapiert. Sushi ist im Mitani, was es in Japan ist: Ein wichtiger Teil des Speisenangebotes, aber eben nur ein Teil, und nicht etwa ein Synonym für japanisches Essen überhaupt, wie manche pseudoglobalisierten Geschmacksjünger vermuten.
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Im Restaurant Mitani in Haidhausen gibt es erstklassige japanische Küche - so viel Japan auf einem Fleck findet man in München sonst selten. (© Robert Haas)
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Dass das Mitani, so wie Japans Küche überhaupt, mehr zu bieten hat als Sushi, wird ein Grund dafür sein, dass die Mehrzahl der rund 30 Plätze des Lokals mit japanischen Gästen besetzt sind, ein sicherer Indikator für Authentizität.
Eine besondere Spezialität des Mitani ist "Shabu shabu", die japanische Version eines Fondues mit Brühe, bei dem der Gast auf dem eigenen Tisch mit Topf und Gasflamme hantiert. Was zunächst wie ein allzu bekanntes Silvester- oder Partyvergnügen klingt, entpuppt sich im Mitani als reichhaltiges kulinarisches Erlebnis und dürfte auch feuertopfverwöhnte Japaner entzücken.
Ein kurzes Zucken im Gesicht der Bedienung hätte uns allerdings auffallen sollen, als wir vorweg noch Vorspeisen bestellten. Später wurde klar: die junge Dame wollte uns dezent auf die physische Beschränktheit des menschlichen Magen-Darm-Trakts hinweisen, aber die fernöstliche Etiquette verbot es wohl, dem Gast einfach zu sagen "das schaffen Sie nicht". Wahrscheinlich gehört es sich nicht, die Fähigkeiten eines Anderen, und sei es nur den Appetit eines Gaijin (Nicht-Japaners) anzuzweifeln.
Uns wäre ein offensives bayerisches "Jessas, seid's wahnsinnig? Des schafft's nia!" ganz recht gewesen. Das hätte den Schrecken erspart, als das Shabu shabu auf unserem Tisch - man muss sagen: errichtet wurde. Auf diverser Keramik türmten sich elegant geschnittene Gemüsestücke, Shitake-Pilze, Tofuwürfel, Udon-Nudeln Saucenzusätze und die Hauptsache: haufenweise hauchdünn geschnittenes Rindfleisch, appetitlich marmoriert, in Menge und Form jedoch dem zentraljapanischen Akaishi-Gebirge nicht unähnlich.
Die Bedienungsanleitung fiel kurz aus, im Prinzip geht es so: In einen brodelnden Sud, zu dessen Geheimnissen Seetang und Flocken getrockneten Thunfisches gehören, gart man zunächst Gemüse und Pilze. Nach und nach kommt das Rindfleisch ins Spiel, das nur kurz durch den Sud geschwenkt werden soll, angeblich entsteht dabei das namengebende Geräusch "Shabu shabu" - unhörbar natürlich für Gaijin-Ohren.
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