Niemand will mehr "dienen": Händeringend suchen Münchner Gastronomen nach Kellnern. Gewerkschaftler geben den Wirten selbst die Schuld an der Misere - und glauben, die Situation werde sich noch verschärfen.
Münchens Gastronomen müssen derzeit mit einem Mangel leben, der auch ihren Gästen zu schaffen macht: Es gibt zu wenige Kellner, viele Wirte suchen händeringend nach Personal für den Service. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Wirt ausgebildete und erfahrene Restaurantfachleute sucht oder Aushilfen, die den Job erledigen sollen. Schuld an der Misere ist nach Ansicht vieler Gastronomen das schlechte Ansehen des Berufs und eine fehlende Servicementalität. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) prophezeit indes, dass die aktuellen Probleme noch verhältnismäßig klein sind: "Richtig schlimm wird es erst noch", heißt es bei der NGG.
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Kellnerin auf der gut besuchten Terrasse des Cafe Tambosi am Odeonsplatz: Der Beruf des Kellners hat stark an Attraktivität verloren - nicht zuletzt, weil keiner mehr "dienen" will. (© Robert Haas)
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"Es ist sehr schwer, gutes Personal zu finden", sagt Zafer Basaran, Personalchef im Gastronomie-Unternehmen von Alfons Schuhbeck: "Es gibt Mängel bei fachlichen Kenntnissen wie etwa Wissen über die Produkte bis hin zu Schwierigkeiten mit der Sprache." Ein großer Teil der Bewerber komme aus dem Ausland, "wir hätten aber gern eine Mischung", sagt Basaran. Deutsche Bewerber seien besonders schwer zu finden, auch weil es ein Mentalitätsproblem gebe: "Viele Deutsche meinen, Service in der Gastronomie heißt, man muss dienen", sagt Basaran. "Wir wollen aber, dass ein Gast betreut wird. Das ist etwas ganz anderes, ein Privileg."
Österreich und die Schweiz seien da weiter - weswegen Basaran es sogar begrüßt, dass viele in Deutschland Ausgebildete zum Arbeiten in die Nachbarländer gehen, "um sich weiterzuentwickeln". Das Phänomen kennt die ganze Branche, "wir fördern es sogar, wenn junge Menschen international Erfahrung sammeln", sagt Frank-Ulrich John, Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG). Freilich fehlen der Gastronomie diese Leute auf dem Münchner Arbeitsmarkt - und das, wo laut BHG ohnehin schon gut und gerne 20 Prozent aller frisch ausgebildeten Restaurantfachleute ihr Glück in anderen Branchen suchen.
Auch im "Alten Simpl" in der Türkenstraße suchen die Chefs derzeit Mitarbeiter. "Wir beschränken uns seit Jahren auf Aushilfen", sagt Schichtleiter Jan-Carlo Urban. "Die Anforderung ist, dass jemand drei oder vier Teller tragen kann - aber auch da ist es schwer." Es gebe wesentlich weniger Bewerbungen als vor einem oder zwei Jahren, "es sind aber genug dabei, die kein Wort Deutsch können und trotzdem Kundenkontakt wollen", sagt Urban. Es fehle auch der in den vergangenen Jahren so verlässliche Zuzug aus den neuen Bundesländern. "Auch dort ist der Geburtenrückgang inzwischen bemerkbar", sagt Frank-Ulrich John vom BHG.
"Wenig Aufstiegschancen"
Aus Sicht der Gewerkschaft NGG haben die Wirte die Misere indes selbst verschuldet: "Lange genug haben sie nur auf unqualifizierte Leute gesetzt, und jetzt merken sie plötzlich, dass es an Qualifizierten fehlt", sagt Münchens NGG-Chef Freddy Adjan. Zudem müsse die Branche damit leben, dass viele Fachkräfte nach einigen Jahren komplett aus dem Job ausstiegen. "Man hat in dem Beruf einfach wenig Aufstiegschancen."
Das indes wollen manche Wirte nun ändern. "Das Gejammere über fehlendes Personal bringt keinen weiter", sagt Rudi Kull, der unter anderem die Bar "Centrale" betreibt. "Man muss die Leute kontinuierlich schulen und dafür auch Geld in die Hand nehmen." Ähnlich hält es Martin Kolonko, der Lokale wie das "Café Forum" und das "Wirtshaus zur Brezn" unterhält. Über ein professionelles Personalmanagement ermöglicht er seinen Mitarbeitern auch Fortbildungen beispielsweise für Restaurantmanagement oder Spezialwissen zum Weinbau. "Wenn Sie Mitarbeitern Perspektiven bieten, ist es relativ einfach, sie zu halten", sagt Kolonko.
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(SZ vom 30.08.2010/tob)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Wiesn-Nachrichten
Deutschland, die Servicewüste?!?
Jeder erwartet, optimal „betreut“ zu werden, aber es darf nichts kosten. Das Glas Leitungswasser zum Wein, der zusätzliche Brotkorb zum Salat, die Nüsse zum Cocktail, das Hauptgericht auf zwei Tellern, die nette „ausgebildete“ Servicekraft und so weiter. Das Ganze bitte aber zum Dumpingpreis oder am besten umsonst. Das lässt sich ohne Weiteres auf jeden Dienstleistungsberuf übertragen.
Ich selbst bin gelernter Restaurantfachmann und seit über 30 Jahren im Geschäft, und wenn ich meinen Zeugnissen trauen kann, ein sehr guter Kellner. Erfahrung in jeder Art der Gastronomie und seit vielen Jahren in Führungspositionen beschäftigt. Der überwiegende Teil meiner Kollegen in meiner Laufbahn waren ungelernte Kräfte. Sie sind einfach günstiger als gelerntes Personal, aber der Preisdruck zwingt viele Wirte zu sparen, und am besten spart es sich bei den Personalkosten. In der Regel haben wir immer eine 5-Tage-Woche, egal, ob ein Feiertag ist oder nicht, ohne Lohnausgleich. Wir arbeiten nachts, an Sonn- und Feiertagen, Weihnachten und Silvester. Bezahlte Überstunden gibt es meistens nicht.
Unser Lohn wird vom Arbeitgeber aus niedriger angesetzt, da wir ja noch Trinkgeld bekommen. Das ist bekanntlich ja auf freiwilliger Basis, also bin ich bemüht, meinen Job so gut wie möglich zu erledigen. Das Trinkgeld ist ein erheblicher Teil meines Lohns; fällt es weg oder ist stark reduziert, kann ich mir diesen Beruf nicht mehr leisten.
Viele meiner „gelernten“ Kollegen haben längst umgesattelt und üben jetzt „normale“ Berufe aus. Mir macht mein Beruf noch Spaß, nicht immer, aber meistens. Ich sehe mich selbst aber auch auf Augenhöhe mit dem Gast und nicht als sein Diener. „Der Gast ist König“-Spruch funktioniert auch nur solange als man sich als Gast auch wie ein „GAST“ benimmt.
Natürlich gibt es diese unverschämten und unfähigen Servicekräfte zuhauf. Vielleicht sollte man bereit sein, wieder etwas mehr Geld in ein gutes Essen oder einen gepflegten Cocktail zu stecken, damit sich der Wirt auch „Fachpersonal“ leisten kann.
Und wenn Sie zufrieden waren mit Ihrer Servicekraft, dann speisen Sie sie nicht mit den Kupfermünzen aus den Tiefen Ihres Geldbeutels ab, sondern geben ein angemessenes Trinkgeld (5-10%), damit Sie auch das nächste Mal wieder gerne gesehen werden.
@eddie-Ed
Zitat eddie-Ed : Zu viel (Trinkgeld) macht die Branche kaputt?????
Wie soll man das ver
"...trinkt sein bier daheim für 60 cent, statt auswärts für 2,50..."
Der war gut! Wo kriegt man eine halbe Bier für 2,50€? Vielleicht tief im Bayrischen Wald. Bitte nennen Sie mir die Lokale in München wo das Bier so wenig kostet.
gleich vorweg, schöne grüsse von den beinen! die sklaventreiber hier in münchen,
wollen einfach nicht gerecht bezahlen! in der schweiz gibt es mindestlohn! in der
gastro z.b. in graubünden bekommt ein spüler 3400 sfr. im monat brutto, abzüglich 300-400 sfr. für krankenversicherung ,dann noch 10-15 % steuer, bleiben ca. 1900.-
euro netto. sicher das leben im der schweiz ist teuerer! aber hier in münchen musst
froh sein wenn du 1000,- netto bekommst.
grüsse
"Es könnte die Meinung entstehen, dass die Leistung durch das Trinkgeld abzugelten ist und aus diesem Grunde das Festgehalt einem Hungerlohn gleich kommt."
na, 10 Euro pro Stunde würde ich nicht als Hungerlohn bezeichnen. in anderen Ländern arbeiten die Kellner fast umsonst und hoffen NUR auf Trinkgeld - da ist dann auch üblich 10% Trinkgeld direkt in die Rechnung zu schreiben, egal wie gut die Bedienung war. Ich gebe perönlich fast immer 10% der Rechnung als Trinkgeld. Die Bedienung soll wirklich schlecht sein, damit ich nichts gebe und dann gehe ich einfach dorthin nie wieder. Zum Glück habe ich meistens Glück mit der Bedienung.
ich habe als Student in München gekellnert - 10 Euro pro Stunde. Dazu noch Trinkgeld. Eigentlich nicht schlecht und ich kann das nicht als schlechte Bezahlung für die Arbeit bezeichnen, wie mancher hier schreibt.. Auf einer Baustelle als Aushilfe bekommt man genau so viel, oder sogar weniger - die Arbeit ist jedoch schmutziger und schwer. Bei vielen konnte man auch essen, was dort zubereitet wurde - da spart man auch einiges.
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