Großhadern: Polizist erschießt Frau Schuss aus Notwehr

Bei einem Einsatz in einem Münchner Mietshaus hat ein Polizist eine Frau erschossen. Die psychisch Kranke hatte den jungen Beamten mit einem Messer bedroht.

Tödlicher Zwischenfall in München: Der Polizist, der bei einem Einsatz eine 49 Jahre alte Frau erschossen hat, hat ersten Einschätzungen zufolge in Notwehr gehandelt. Die psychisch kranke Frau habe den 26 Jahre alten Polizeiobermeister mit einem Messer bedroht und in eine Ecke gedrängt. Obwohl er sie mit Pfefferspray besprühte und Schüsse androhte, wich sie nicht zurück, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilten. Der Mann bangte um sein Leben - und schoss. Die Frau starb wenig später im Krankenhaus.

Offenbar aus Notwehr hat ein Polizist auf eine Frau geschossen und sie dabei getötet.

(Foto: ddp)

Ein Mitarbeiter einer psychiatrischen Einrichtung hatte die Polizei verständigt, weil die Frau - eine ehemalige Patientin - ihm am Telefon gesagt hatte, sie wolle ihre Tochter umbringen. Der Mann nahm die Drohung ernst. Daraufhin seien zwei Polizisten zu der Wohnung im Stadtteil Großhadern gefahren und hätten versucht, mit der Frau Kontakt aufzunehmen. Nachdem sie weder auf Anrufe noch auf Klingeln an ihrer Wohnungstür reagierte, haben die Beamten die Feuerwehr gerufen, um die Tür öffnen zu lassen.

Der 26-jährige Polizist ließ sich mit der Drehleiter auf die Höhe der Wohnung im zweiten Stock bringen - und konnte den Angaben zufolge durch das Balkonfenster die Frau auf Sofa sitzen sehen. Polizeivizepräsident Robert Kopp sagte, der Kollege sei davon ausgegangen, dass sich entweder schon ein Tötungsdelikt ereignet hat oder noch ereignen wird.

Der Polizist habe die 49-Jährige angesprochen. Als sie nicht reagierte, habe er mit einer Feuerwehraxt die Scheibe eingeschlagen. In der Wohnung erwartete ihn die psychisch kranke Frau allerdings schon mit einem Küchenmesser in der Hand. Der Beamte versuchte erfolglos, die Frau mit Pfefferspray außer Gefecht zu setzen. Als sie mit dem Messer in der Hand auf den 26-Jährigen losging, gab der Mann einen Schuss ab. Er traf seine Angreiferin in der Nähe des Schlüsselbeins, offenbar durchschoss er eine Arterie. Die Frau starb wenig später im Klinikum.

Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger zufolge musste der Beamte nach dem bisherigen Ermittlungsstand aus Notwehr reagieren. In der Regel läuft gegen Polizisten, die im Dienst schießen müssen, ein obligatorisches Strafverfahren. Die Beamten müssen ihre Waffe abgeben und werden auf Schmauchspuren untersucht. Sie gelten dann als Beschuldigter in einem Strafverfahren, bis ihre Unschuld - oder Schuld - bewiesen ist. Der Beamte, der schoss, arbeitet in der Polizeiinspektion 41 in München-Laim.

In Deutschland schießen Polizisten im Einsatz im Schnitt beinahe jede Woche auf Menschen. Nach Angaben der einzelnen Bundesländer haben Beamte in den Jahren von 1998 bis einschließlich 2009 deutschlandweit 547 Mal gezielt auf Menschen geschossen. Dabei gab es 87 Tote und 309 Verletzte. In den allermeisten Fällen schießen Polizisten aus Notwehr.