Beim Spiel FC Bayern gegen Real Madrid mischt sich das Kreisverwaltungsreferat ein: Die Spanier dürfen nur auf den Platz, wenn sie Trikots ohne Werbung tragen - sonst könnte es teuer werden.
Es war ein Spiel, an das sich kein Fan des FC Bayern gerne erinnert. Außer Ernst Wolowicz, der Münchner Stadtkämmerer. Der ist Anhänger des Münchner Nobelklubs, hatte aber dennoch Grund zur Freude, als die Bayern gegen den AC Mailand im Champions-League-Viertelfinale am 11. April 2007 mit 0:2 verloren: Denn der AC Mailand war trotz Verbots mit einem Schriftzug des Wettanbieters "bwin" auf den Trikots aufgelaufen. Kämmerer Wolowicz trieb 100.000 Euro Zwangsgeld von den Italienern ein - plus 239,69 Euro Bearbeitungsgebühr.
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Real Madrid darf am Freitag in München zwar gegen den FC Bayern spielen - das "bwin"-Logo dürfen die Spanier jedoch nicht auf ihren Trikots zeigen. (© AFP)
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Jetzt ist das Münchner Kreisverwaltungsreferat wieder bei einem internationalen Spitzenklub vorstellig geworden. Diesmal ist es Real Madrid, der am Freitag zum Abschiedsspiel für Franz Beckenbauer in München antritt. Madrid darf ebenfalls nicht mit dem Schriftzug seines Sponsors "bwin" auflaufen. Bei einem Verstoß droht das KVR den Spaniern mit 50.000 Euro Zwangsgeld.
"Bwin", ein österreichisches Unternehmen, betreibt Sportwetten im Internet. Glücksspiel privater Anbieter - und die Werbung dafür - ist in Bayern jedoch seit 2008 verboten. Das stürzte auch den TSV 1860 München schon einmal in Nöte, weil er seine Vereinbarung mit "bwin" lösen musste. Grund ist ein Staatsvertrag, mit dem der Staat seit 2008 sein Glücksspiel-Monopol schützt. Werben dürfen demnach nur die staatlichen Glücksspiel-Anbieter Oddset und Toto. "Bwin" beruft sich aber auf eine europäische Lizenz und betreibt sein Geschäft in Deutschland normal weiter - vor Gericht sind deshalb zahlreiche Verfahren anhängig.
Pikanterweise ist "bwin" auch noch Premium-Partner des FC Bayern. Ein Unternehmenssprecher nennt die Vereinbarung "eine reduzierte Sponsorschaft". "Bwin" wirbt aber wegen der Gesetzeslage nur eingeschränkt: bei Auftritten der Bayern im Ausland und mit einem Pokertisch im Business-Bereich der Allianz-Arena zum Beispiel.
Die Bayern, früher noch Fürstreiter für den staatlichen Anbieter Oddset, schimpfen deshalb nun über das Verbot für Real Madrid. Sie wollen so wohl auch ein bisschen Druck aufbauen: Eine Arbeitsgruppe der Bundesländer diskutiert gerade, das staatliche Monopol aufzuheben. "Bwin" erwartet eine Entscheidung gegen Ende des Jahres - und hat deshalb gemeinsam mit Real Madrid entschieden, das Verbot am Freitag zu beachten. "Wir wollen keine unnötige Auseinandersetzung mit den Behörden provozieren", sagt Jörg Wacker, Geschäftsführer von "bwin" für Deutschland.
Ganz so harmonisch ist der Streit mit dem AC Mailand damals nicht gelaufen. Der Verein hat die 100.000 Euro zwar überwiesen - ein Verfahren gegen das Zwangsgeld vor dem Münchner Verwaltungsgericht ist aber immer noch anhängig. Vielleicht wird sich Kämmerer Wolowicz doch noch richtig ärgern müssen.
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(SZ vom 12.08.2010/bica)
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