Cocktailbar Maxvorstadt "Eat the Rich" Exhibitionistische Gartenzwerge
Anzeige
Das "Eat the Rich" gehört wohl zu den abgefahrendsten Bars Münchens: Freizügige Gartenzwerge, Leoplüsch und ein Name, der an ein makaberes Schauspiel erinnert.
Über der wuchtigen schwarzen Eingangstür des "Eat the Rich" in der Heßstraße steht in weißen Lettern dezent "Finest Bar & Restaurant" geschrieben. Sie erweckt den Eindruck, als warte hinter ihr ein steriles Lokal mit schwarzen Ledersesseln, Tischen aus einer Edelstahl-Glas-Konstruktion und Kellnern in weißen Hemden.
Nicht nur die Gartenzwerge sind ein Hingucker im "Eat the Rich".
(Foto: Cordula Sailer)Doch wer den Leoparden-Plüsch-Vorhang hinter der Tür beiseite schiebt, erkennt, dass das "Eat the Rich" alles andere als spießig ist: Das Einzige, was im Inneren zu dem Stil der schwarzen Eingangstür passt, ist die weiße Stuckdecke, von der ein Kronleuchter über der Theke baumelt. Ansonsten erwartet die Gäste eine quietschbunte Stilmischung mit urigen Details.
Der Leopardenplüsch ist überall wiederzufinden. Die großen Spiegel an den Wänden sind damit gerahmt, die Gardinen sind daraus genäht und auch die breiten Säulen links und rechts der Bar sind im Leo-Look bemalt. Die Wände sind in kräftigem Maisgelb gestrichen und je nachdem, wie viel Fantasie man besitzt, kann man die schwarz-roten Formen darauf als überdimensionale Tausendfüßler, Pantoffeltierchen oder bunten Seetang deuten.
Vor einem der Fenster räkelt sich lasziv eine blonde Retro-Puppe, die auffordernd zu den Männern an der Bar zu lächeln scheint. In ihrem knappen rosa Kleidchen und mit ihrem Sexappeal erinnert sie an eine erblondete "Betty Boop" aus den Cartoons von Max Fleischer. Eine Nische in der Wand wird von exhibitionistisch veranlagten Gartenzwergen bevölkert, die den Mantel öffnen, um ihre hautfarbenen Plastikrundungen zur Schau zu stellen. Und die Damenwelt wird entzückt sein: Wer sich auf einen der Barhocker vor dem Tresen setzt, bemerkt dort kleine Haken, an denen die Handtasche aufgehängt werden kann.
Anzeige
Seinen außergewöhnlichen Namen "Eat the Rich" - zu Deutsch "Iss die Reichen" - hat die Bar von einem gleichnamigen britischen Spielfilm aus dem Jahr 1987 übernommen. Hauptfigur ist der exzentrische, schwule Alex, der im Nobelrestaurant "Bastards" kellnert. Nachdem er mit einem Kollegen vor den Gästen streitet, wird er entlassen. Um sich zu rächen, stürmt Alex mit Freunden das Lokal und tötet die versnobten Gäste und Angestellten. Im Anschluss benennen sie das "Bastards" in "Eat the Rich" um und servieren den Gästen das Fleisch der Toten.
"Swabian Noodels" oder "Bavarian Meatballs"
Aber kein Grund zur Sorge: In der Heßstraße kommt kein Menschenfleisch auf den Teller. Dafür unter anderem "Nachos con Queso", ein riesiger "Doubleburger" mit 360 Gramm Rindfleisch oder "Fried Noodles" mit asiatischem Wokgemüse und Garnelen. Statt "Käsespätzle" oder "Fleischpflanzerl" stehen hin und wieder auch "Swabian Noodels" oder "Bavarian Meatballs" auf der Tageskarte. Und schließlich wird den Gästen mit Apfelkücherl "Old Vienna" oder Schokofondue auch auf den süßen Zahn gefühlt.
Wie schon die Anzahl der Flaschen hinter der Theke vermuten lässt, geht im "Eat the Rich" niemand durstig nach Hause: Die Auswahl an Spirituosen ist groß. Zwar haben die Cocktails ihren Preis, aber da sie in großen Halblitergläsern serviert werden, kann das verschmerzt werden. Hartgesottene können die Cocktails auch extra strak bestellen.
Wer sich dann den einen oder anderen Drink hat schmecken lassen, wird im Laufe des Abends sicher das stille Örtchen besuchen, das hier jeweils mit einem rosa- und einem grünschimmernden Rechteck gekennzeichnet ist. Und er wird es etwas gewöhnungsbedürftig finden, sich im Spiegel auf der Innenseite der WC-Tür selbst zu bewundern, während er auf dem Thron sitzt...
Eat the Rich, Heßstraße 90, 80797 München, Telefon: 089/185982, www.eattherich.de, Dienstag bis Samstag: 19 bis 3 Uhr