Von Michael Tibudd

Jetzt erst recht: Münchens Nachtschwärmer tanzen im M-Park gegen die Insolvenz ihres Tanztempels an. Dabei werden die Schwächen der Großdisco deutlich.

Wer in Area zwei zu Füßen der sich räkelnden blonden Gogo-Tänzerin ist, hat schon einigen Verlockungen widerstanden. "Büromöbel sofort" versprachen mehrere große Schilder auf der Stahltreppe nach oben, und ein Fitnessstudio hätte zu einer Trainingseinheit animieren können. Es gibt ein paar Dinge in diesem Gebäudekomplex an der Landsberger Straße, die ein wenig ablenken von dem, um was es hier eigentlich geht: Nachtleben. Aber es wird. Eintritt zahlen, durch eines der Drehkreuze gehen, die den Zugang abriegeln, und man ist doch drin im M-Park, Münchens größter Diskothek.

Club "M-Park" eröffnet in München, 2007 Bild vergrößern

Die Disco M-Park in München hat Insolvenz angemeldet. Doch der Tanzbetrieb geht vorerst weiter. (© sz.lokales)

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Der Laden ist pleite, die Betreiber haben Insolvenz angemeldet (die SZ berichtete). Am Wochenende, nachdem die misslichen Umstände bekannt wurden, geht der Betrieb aber erst einmal weiter. Von den Schwierigkeiten des Hauses zeugt offen erkennbar nur der dezent am Eingang angebrachte Hinweis auf halbierte Preise. "Jetzt erst recht!", heißt es da, "wir geben Gas bis zum Schluss".

Gegen ein Uhr ist der Laden gut gefüllt. Sehr junge Frauen in sehr kurzen Röcken zwischen Jungs in engen T-Shirts und Hemden. Leute wie Christian etwa, der 21 Jahre alte Speditions- und Logistikkaufmann aus Perlach. "Ich bin ab und zu mal da", sagt Christian, der von der Pleite gehört hat und sich davon weder abschrecken noch besonders zu einem Besuch hat motivieren lassen. Ob es für ihn mit Kultfabrik und Optimolwerken am Ostbahnhof nicht nähere Alternativen gebe? "Nein, da sind die Leute so asi."

Offenbar hat Christian andere Vorstellungen von idealen Feiergenossen als Anna aus Odelzhausen. Die fühlt sich eigentlich zu alt für den M-Park, "ich werde bald 21", sagt Anna, die normalerweise auch anderswo anzutreffen ist. "Was Höherwertiges wie das 8Seasons." Den Vergleich will Annas Freundin Sandra aus Laim nicht gelten lassen. "Das 8Seasons ist ein kleiner Edelladen, das ist eine Großraumdisco", sagt Sandra. "Hier kommen die Leute von wer weiß wo her." Sie rümpft ein wenig die Nase.

"Ich höre eher Indie-Musik"

Das wahre Großraumdisco-Leben spielt sich derweil im Hauptraum ab. Eurodance-Musik aus den Neunzigern folgt auf große Titel von Michael Jackson, die Leute nehmen das eine wie das andere. Viele tanzen vor dem Bereich der Diskjockeys, der an eine Kanzel erinnert. Über ihnen der ganze Stolz der Betreiber: Die Decke mit unzähligen LED-Lichtern. Um die einzubauen, war der M-Park erst zu Beginn des Jahres zwei Monate lang geschlossen. Sie mag nicht die großen Massen angelockt haben - die Gäste der Pleite-Party bekommen ein Leuchtspektrum präsentiert, das von hüftschwingenden Tänzern bis zum Rotor eines Hubschraubers reicht.

Wie schwer sich ein solches Konzept in einer Großstadt wie München mit ihrem vielfältigen Nachtleben-Angebot tut, zeigt vielleicht das Beispiel der 18-Jährigen aus Fürstenfeldbruck. Eine Freundin hat sie mitgeschleppt. Eine Chance auf neue Kundschaft also? "Ich höre eigentlich eher Indie-Musik." Dass die junge Frau bei diesen Vorlieben im M-Park falsch ist, hat sie schnell erkannt: "Nach ungefähr 30 Sekunden."

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(SZ vom 26.07.2010/tob)