Der zweite S-Bahn-Tunnel ist eines der Großprojekte Münchens. Für den Bund hat der teure Bau jedoch nur dritte Priorität, der Beginn wurde auf 2012 verschoben.
Derzeit sind die Ingenieure am Werk. Bei der Bahn sind sie damit beschäftigt, die Planungen für die zweite Stammstrecke voran zu treiben. Und auch die Juristen sind beschäftigt; insgesamt 1421 Einwendungen von Bürgern, Unternehmen und Kommunen sind bei der Regierung von Oberbayern zur Planfeststellung des Ostabschnitts der zweiten S-Bahn-Stammstrecke eingegangen. Nun werden diese gesichtet und in den nächsten Monaten erörtert.
Bild vergrößern
Zugverspätungen werden die Pendler wohl noch längere Zeit in Kauf nehmen müssen. Die geplante Erweiterung der S-Bahn Stammstrecke lässt sich wohl nicht finanzieren. (© Robert Haas)
Anzeige
Aber neben den Ingenieuren und den Juristen sind derzeit auch die Politiker gut beschäftigt; sie müssen das Geld auftreiben für den zweiten Stammstreckentunnel. Doch genau da scheint es zu stocken. Das bayerische Wirtschaftsministerium betont zwar stets, noch in diesem Jahr eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund abschließen zu wollen.
60 Prozent der Kosten soll die Bundesregierung tragen, 40 Prozent soll der Freistaat übernehmen. Doch zumindest beim Bund geht es offenbar nicht so richtig voran. Denn im Entwurf des Bundesverkehrsministeriums für das "GVFG-Bundesprogramm 2010-2014", welcher der Süddeutschen Zeitung vorliegt, hängt der zweite S-Bahn-Tunnel noch immer in der Kategorie C fest. Um endgültig in das Finanzierungsprogramm des Bundes für kommunale Verkehrsprojekte aufgenommen zu werden, müsste die Röhre allerdings in der KategorieA vermerkt sein.
Auch der geplante Baubeginn, den das Ministerium im vergangenen Jahr noch für das Jahr 2011 vorgesehen hatte, wurde nun im neuesten Entwurf auf das Jahr 2012 verschoben. "Es ist daher völlig illusorisch, den zweiten S-Bahn-Tunnel zu möglichen Olympischen Spielen im Februar 2018 unter Verkehr zu haben", kritisiert Anton Hofreiter, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Gegner des zweiten S-Bahn-Tunnels.
Das Kürzel GVFG steht für "Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz". Es wurde aufgelegt, um den Ausbau von kommunalen Verkehrsprojekten zu unterstützen. Allerdings läuft das Programm im Jahr 2019 aus; aus welchen Mitteln solche Projekte von da an finanziert werden, ist unklar. Viele Länder melden daher fleißig Projekte an, die sie bis 2019 gerne realisiert sehen würden.
Insgesamt steht im aktuellen Entwurf des Ministeriums die Summe von 6,07 Milliarden Euro, die allein die alten Bundesländer gerne verbauen würden. Doch die Fördersumme, die bis zum Jahr 2019 für die westlichen Bundesländer zur Verfügung steht, beträgt lediglich 2,52 Milliarden Euro.
Allein für die zweite Stammstrecke in München veranschlagen die Planer derzeit 1,6 Milliarden Euro; Beobachter rechnen mit Kosten von mindestens zwei Milliarden Euro. "Die Hoffnung, dass der Bund aus einem knapp bemessenen Budget so viel Geld für ein einzelnes Münchner Projekt zur Verfügung stellt, ist unrealistisch", sagt Hofreiter.
Zumal Bayern für weitere Münchner Planungen GVFG-Mittel angefragt hat. So wurde laut Entwurf die Verlängerung der U5 nach Pasing neu aufgenommen (geschätzte Kosten: 240 Millionen Euro), ebenso die Verlängerung der U4nach Englschalking (beide in der Kategorie C). Herausgefallen ist dagegen der Ausbau der S4 Pasing-Buchenau - was Hofreiter bedauert: "Gerade in den Außenästen müsste die S-Bahn verstärkt werden."
- Thema
- S-Bahn Stammstrecke RSS
(SZ vom 03.11.2010/sonn)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Wiesn-Nachrichten
Seit mindestens 20 Jahren wird der viergleisige Ausbau der S4 West bis Buchenau versprochen. Dieses Bauprojekt ist mehr als berechtigt. Schliesslich war die S4 West schon vor mehr als 30 Jahren die am stärksten ausgelastete S-Bahn-Strecke. Sie hatte auch den am stärksten ausgelasteten Langzug, welcher in Pasing um ca. 7:30 ankam. Dennoch wurde die S4 bei der Einführung des 10-Minuten-Taktes in den Hauptverkehrszeiten nicht berücksichtigt, mit dem Argument, dass die nötigen vier Gleise auf dem Aussenast nicht vorhanden sei. Nun ist die 2. Stammstrecke in der Priorität vor den Ausbau der S4 West gerutscht. Da platzt mir wirklich der Kragen. Was bringt die 2. Stammstrecke, wenn die Linie, die sie wirklich am meisten bräuchte, nicht davon profitieren kann. Also, liebe Politiker, macht Druck, dass die S4 West nicht aus den prioritären Projekten gestrichen wird. Der Ausbau der S4 West und der Stammstrecke müssen gleichzeitig realisiert werden. Sollten die Mittel nicht ausreichen, macht es mehr Sinn, den Ausbau der S-4 West prioritär zu realisieren und die 2. Stammstrecke zu verschieben. Anstatt des 10-/20-/40-Minutentaktes könnte man dann auf den 15-/30-/60 Minutentakt umstellen. Dann hätten alle sieben S-Bahn-Linien im 15 Minuten-Takt Platz. Jene Linien, auf denen dieses Angebot am Morgen nicht ausreicht, erhalten Verstärkungszüge zum Starnberger Flügelbahnhof bzw. über Pasing Heimeranplatz, Siemenswerke. Übrigens würde dieser Takt auch besser mit dem Takt im Regional- und Fernverkehr harmonieren. Verstehen Sie mich nicht falsch. Langfristig braucht es neben der bestehenden Stammstrecke eine zweite Stammstrecke. Aber sicher nicht auf Kosten einer weiteren Verschiebung des Ausbaus der S4 West. Die Geduld dieser Pendler ist am Ende.
Scheinbar handeln Politiker grundsätzlich unvernünftig. Anstatt mal ganz transparent ALLE Möglichkeiten, mit ALLEN Fakten (also beispielsweise repräsentative Befragungen, die die Fahrgastströme, Startpunkte und Ziele zeigen) auf den Tisch zu legen und dann eine offene Ausschreibung zu machen, rennt man wieder einem Hirngespinst (oder Geldkoffer?) hinterher und meint einen Tunnel bohren zu müssen, wo bereits einer ist. Ich hoffe München schafft auch dieses mal eine Kehrtwende und baut keinen Tunnel (so wie damals bei M21).
@LaafAmok:
Du sprichst von Münchnern und das ist meiner Ansicht nach falsch.
Wenn es nach den Münchnern ginge (und damit meine ich die Stadtbewohner), dann würde für das Geld z.B. der unsägliche mittlere Ring weiter untertunnelt oder die innenstädtische Infrastruktur verbessert (d.h. Tram, U-Bahn, Radwege).
Da sollten mal Milliarden reingesteckt werden, um die Lebensqualität aller Stadtbewohner zu erhöhen, statt dem Umland ein Geschenk nach dem anderen zu machen oder von einem Transrapid zu träumen, wovon jeweils nur ganz wenige Bürger wirklich profitieren würden!
Jede Woche irgendeine Stellwerks- oder Weichenstörung und was macht der Freistaat? Die planen seit Jahrzehnten an einem Prestigeprojekt herum, das angeblich alles besser machen soll. Erstens stimmt das nicht, da ein 2. Tunnel entlang der bestehenden Stammstrecke mit nur drei Haltestellen die denkbar schlechteste und gleichzeitig teuerste Lösung wäre. Zweitens sollte man langsam mal anfangen sich zu überlegen, wie man das bestehende System ertüchtigt. Sagen wir mal bis 2015. Länger können wir Pendler einfach nicht mehr warten.
Es zeigt sich aber jetzt schon, dass dafür kein Geld da ist und falls der Tunnelalbtraum weiter geht auch nie da sein wird.
Die Münchner haben die zugesagt Gelder für den Transrapid aus Hochnäsigkeit weggeschmissen.
Es ist völlig richtig, wenn sie sich jetzt wieder hinten anstellen müssen und erstmal andere Städte drankommen.
Und es gibt wieder : "1421 Einwendungen von Bürgern, Unternehmen und Kommunen" - Also was solls, die Münchner brauchen und wollen die Almosen der Anderen nicht - denn zahlen müssten sie ja nix:
"60 Prozent der Kosten soll die Bundesregierung tragen, 40 Prozent soll der Freistaat übernehmen".
Also lasst es bleíben und München in seinem Saft schmoren - sie wollen es genau so.