Atomstreit: Eon gegen Stadtwerke Die Schlacht am Buffet

Eon, RWE und Co bejubeln das Atom-Geschenk, die Stadtwerke fürchten Einbußen. Sie fordern einen Ausgleich. In München treffen die Streithähne beim Energie-Kongress aufeinander.

Von Moritz Baumstieger

Die Front läuft beim 5. Deutschen Energie-Kongress im Münchener Hilton Hotel quer über das Buffet. Auf der einen Seite, nahe an den Desserts, hat der Energiekonzern Eon seinen Stand aufgebaut. Hier ist man mit dem Atomkompromiss, der am Sonntagabend von den Spitzen der schwarz-gelben Koalition im Kanzleramt ausgehandelt wurde, zufrieden.

Die Stadtwerke München fürchten durch die längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke finanzielle Nachteile.

(Foto: lok)

Auf der anderen Seite, neben Suppe und Vorspeisen, herrscht eher ungläubiges Entsetzen. Die Münchener Stadtwerke haben hier ihre Infotafeln, auf denen sie für regenerative Energien werben. "Das war kein Kompromiss, der da ausgehandelt wurde", sagt Stadtwerkechef Kurt Mühlhäuser, "das war ein schwerer Fehler."

Die Stadtwerke München sehen sich - ebenso wie ihre Kollegen in anderen deutschen Städten - als Verlierer der Entscheidung zur Verlängerung der Laufzeiten. Die Auslastung der städtischen Kraftwerke werde somit sinken, ihre Investitionen - etwa in Kleinkraftwerke - sich nicht rechnen.

Deshalb fordern sie einen finanziellen Ausgleich - und der Vorsitzende der Stadtwerke-Vereinigung, Andreas Filbert, will den zur Not auch vor Gericht einklagen. Nach seinen Berechnungen werden die städtischen Versorger bis zu 4,5 Millarden Euro verlieren. Die Vorsitzende des Deutschen Städtetages, Petra Roth (CDU) pflichtet Filbert bei. Die Stadtwerke bräuchten eine Kompensation, und auch den Kommunen drohe ein Steuerausfall in Höhe von jährlich 300 Millionen Euro, weil die Kraftwerksbetreiber die im Kompromiss vereinbarte Brennelementesteuer mit der an die Kommunen zu zahlende Gewerbesteuer aufrechnen werden.

In München sorgt sich Kurt Mühlhäuser vor allem auch darum, ob man den Weg hin zu den regenerativen Energien weitergehen kann, den die Stadtwerke 2008 eingeschlagen haben. "Innerhalb von drei Jahren haben wir den Anteil der regenerativen Energiequellen in München von vier auf 30 Prozent ausgebaut", berichtet Mühlhäuser, und in seinem Gesicht lässt sich jetzt echte Begeisterung anstelle dem sonst eher ungläubigen Grinsen lesen. "Das wollen wir eigentlich nicht verändern. Aber wenn die Bedingungen immer schlechter werden - und die bestimmen wir leider nicht -, müssen wir sehen, wie es weitergeht."

Schon jetzt gebe es zeitweise Überkapazitäten bei der Stromerzeugung, sagt Mühlhäuser, "und was dann im Zweifel abgeschaltet wird, ist klar: Die Windkraftanlage und nicht das Atomkraftwerk". Treffen wird der Atomkompromiss laut Mühlhäuser vor allem die Stadtwerke, die in Gaskraftwerke investiert haben - der Umweltorganisation Greenpeace zufolge die ideale Brückentechnologie auf dem Weg ins regenerative Zeitalter. Mit der Verlängerung der Laufzeiten werden die Gaskraftwerke unrentabel.