München Welche Sorgen Anwohner vor dem ersten Sechziger-Spiel plagen

Etwa 120 besorgte Bürger kamen vor dem ersten Heimspiel der Sechziger zur Informationsveranstaltung an die Säbener Straße.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • An diesem Freitag bestreitet Regionalligist 1860 München sein erstes Heimspiel im Stadion an der Grünwalder Straße.
  • Anwohner sorgen sich schon Tage vor der Partie um Ruhestörung, Sicherheit und Verkehr.
  • Eine Info-Veranstaltung an der Säbener Straße soll für Aufklärung sorgen.
Von Philipp Schneider

Um kurz nach acht Uhr hat Beatrix Zurek genug gehört, um ein Argument vorzutragen, dass die Skeptiker verstummen lassen soll. "Der TSV 1860 hat ja das große Glück", sagt die Stadtschulrätin, "dass er einen Vizepräsidenten hat, der zamkehrt!"

Also steht der Vizepräsident Hans Sitzberger auf, schreitet hinüber zum Mikrofon. "Grüß Gott, wegen Reinigung", sagt Sitzberger. "Gott sei Dank" sei es ja so: Er besitze in der Tat "mehrere Kehrmaschinen". Und wenn "am Freitag die Mannschaft spielt, dann schicke ich schon vor dem Anpfiff zwei von ihnen los." Sitzberger nickt zufrieden. "Wenn das Spiel vorbei ist, dann fahren wir noch mal los! Und dann übernimmt die städtische Reinigung. Und wenn zwei Maschinen nicht reichen, dann schicke ich noch eine dritte!"

Eine Anwohnerin ist nicht ganz überzeugt. Sie will wissen: "Auch bis zum Parkplatz der Gästebusse an der Tegernseer Landstraße?"

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Aber sicher, sagt Sitzberger. "Wenn es da dreckig ist, dann reinigen wir das!"

Montagabend, eine Turnhalle an der Säbener Straße. Allein schon der Ort der Informationsveranstaltung ist nicht ohne tieferen Witz. Die Säbener Straße ist bekanntlich die Heimat des FC Bayern. Aber diskutiert werden sollen heute die Begleitumstände der fortwährende Existenz von dessen städtischem Juniorpartner TSV 1860 München, bekanntlich beheimatet an der Grünwalder Straße. Nur geht es am Montagabend ausnahmsweise nicht um Finanzen, sondern um die Heimat des in die Regionalliga Bayern zwangsgeschrumpften Klubs (was natürlich trotzdem an den Finanzen lag). Geladen sind besorgte Anwohner des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße, die von diesem Freitag, 19 Uhr, an mit dem ersten Heimspiel gegen Burghausen auch Augen- und Ohrenzeugen von Sechzigs Regionalliga-Partien sein werden. Die Sorgen der Anwohner sind mannigfaltig, wie sich herausstellen wird. "Selbstverständlich ist das kein Business as usual", sagt Zurek. "Wir müssen sicherstellen, dass keine Belästigung der Anwohner stattfindet."

Zunächst spricht Markus Fauser. Der Geschäftsführer, der die Insolvenz in der letzten Sekunde abgewendet hatte, indem er Investor Hasan Ismaik mit viel Mühe davon überzeugen konnte, eines seiner Darlehen zu stunden. "Sie können sich vorstellen: Das waren bewegende Wochen", sagt Fauser. Zum Glück seien "viele Menschen inzwischen am Boden der Tatsachen angekommen". Das Wort "Demut" sei "in aller Munde" bei 1860. "Ob mit oder ohne Insolvenz habe sich die Frage gestellt: In welchem Stadion spielen wir? Es muss wirtschaftlich angemessen sein. Das war in den vergangenen Jahren nie der Fall. Sonst wäre es nie so weit gekommen mit 1860."

Nun also hat Sechzig ein Stadion, das es sich leisten kann. Und die 120 Anwohner, die am Montag in der Halle sitzen, fragen sich: Müssen wir den Preis dafür bezahlen?

Es habe "runde Tische" gegeben, sagt Fauser: "Kritische Punkte waren der Belegungsplan. Das Sicherheitskonzept. Das Verkehrskonzept. Und: Wie kann die Infrastruktur aussehen?" Außerdem, sagt Zurek: Welche Auswirkungen gibt es für die Parklizenzgebiete? Wie geht die Polizei mit Falschparkern um? "Ich denke mal: bewährt", sagt Zurek. Bewährt bedeutet wohl: erst Knöllchen, dann abschleppen.

Auf dem Podium sitzt auch Carmen Dullinger-Oßwald, Vorsitzende des Bezirksausschuss Obergiesing. Sie kündigt an, dass das Parklizenzgebiet Obergiesing bald in Richtung Stadion ausgeweitet werden wird. "Aber Freitag ist doch schon das erste Spiel", wirft einer ein. "Es liegt nicht an uns. Wir wussten doch ganz lange nicht, dass Sechzig wieder bei uns spielen würde", verteidigt sich Dullinger-Oßwald.

Auftritt von Peter Kuhn aus dem Polizeipräsidium, der für Freitag das Aufgebot von "250 bis 300" Einsatzkräften ankündigt. "Zum Verkehr", sagt Kuhn. Ja, es werde schon anders werden als in der Vorsaison. "Sechzig kommt ja jetzt nicht länger mit der zweiten Mannschaft, sondern mit der ersten. Das wird mehr Verkehrsaufkommen bewirken", sagt Kuhn. Alle Zuschauer sollen doch bitte die öffentlichen Verkehrsmitteln benutzen. Und auch andere Probleme spricht Kuhn prophylaktisch an: "Wenn jemand seine Notdurft in ihrem Vorgarten verrichtet, wählen sie die 110. Wir werden dann versuchen, das abzustellen." Das habe er damals gemacht, sagt ein Anwohner, der sich eines Ereignisses von vor zwölf Jahren erinnert: "Mir hat damals jemand mit Festnahme gedroht!" Dabei könne es sich ja wohl nur "um ein Missverständnis" handeln, kontert Kuhn.

Ob die Stadt auf die Regionalliga-Löwen vorbereitet ist? Die Auflösung bringt dann wohl der Freitag.

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