München und die Brezenkrise Akuter Blechreiz

Bayerisches Nationalsymbol in Misskredit: die Breze.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Grüne und SPD fordern "lückenlose Aufklärung" und Sanktionen seitens der Staatsregierung, damit künftig keine Brezen mit hoher Aluminiumbelastung verkauft werden.
  • CSU-Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf (CSU) kündigte schärfere Kontrollen und Bußgelder für Bäcker an. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen hat angekündigt, die Kontrollen zu verstärken.
  • Viele Verbraucher sind verunsichert und rufen bei den hiesigen Bäckereien an, um sich über das Ausmaß der Brezen-Krise zu informieren.
Von Simon Schramm und Andreas Schubert

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde die Breze schon einmal fast zum Politikum: Von Brezenpanik und Brezenkrise war in den Medien die Rede, als die Bäcker dieses Jahr kurz vor dem Oktoberfest mit Streik drohten. Zum Glück für die Wiesnbesucher ist dann nichts aus dem Arbeitskampf geworden. Das kurze aber heftige mediale Strohfeuer zeigte, wie wichtig die Breze für die hiesige Esskultur ist. In Kombination mit Weißwurst und Weißbier ist sie gar so etwas wie ein Nationalsymbol Bayerns.

Da verwundert es nicht, dass jetzt wieder Unruhe herrscht im Freistaat, nach der Meldung, jede fünfte Breze sei zu stark mit Aluminium kontaminiert. Um das bis zu Fünfzehnfache ist der zulässige Aluminium-Grenzwert von zehn Milligramm je Kilo überschritten worden, hat die Verbraucherzentrale Bayern festgestellt. Diese Kontamination, so die Erkenntnis der Lebensmittelkontrolleure, ist den aus Aluminium gefertigten Backblechen geschuldet, zu denen die Bäcker noch keine Alternative sehen.

Die Breze wird zum Thema im bayerischen Landtag

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. So forderten etwa die Grünen und die SPD im Landtag am Freitag "lückenlose Aufklärung" respektive Sanktionen seitens der Staatsregierung. Unter anderem sieht Florian von Brunn, der Verbraucherschutzpolitische Sprecher der SPD, das Image des "traditionellen bayerischen Gebäcks" in Gefahr. CSU-Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf (CSU) kündigte schärfere Kontrollen und Bußgelder für Bäcker an, die Verbraucherzentrale Bayern fordert ebenso häufigere Proben. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen hat angekündigt, die Kontrollen zu verstärken.

Alles wird gut also? Vorerst zumindest sind viele Verbraucher verunsichert und rufen bei den hiesigen Bäckereien an, um sich über das Ausmaß der neuen Brezen-Krise zu informieren - zum Beispiel bei der Münchner Hofpfisterei, wie dort zu hören ist. Auf Facebook beruhigt das Unternehmen jedoch, bei der Produktion werde darauf geachtet, dass die Brezen nicht mit Aluminium in Kontakt kommen.

Alle relevanten Bauteile der Maschinen und des Laugetauchbades seien aus Edelstahl gefertigt. Zudem sei das Problem schon länger bekannt. "Wir wurden regelmäßig darauf hingewiesen", sagt ein Sprecher. "Im Rahmen dessen haben wir im vergangenen Jahr begonnen, kontinuierlich die Werte zu messen. Die letzte Messung zum Beispiel ergab einen Wert von 1,3 Milligramm je Kilo."

Untersuchungen zur Aluminiumaufnahme der Breze

Alles im grünen Bereich also - das liege nicht zuletzt daran, dass die Alu-Backbleche der Bäckerei beschichtet sind. Auch der Landesverband der Bayerischen Bäckerinnungen und die zugehörigen Akademie des Bäckerhandwerks beschäftigen sich seit Längerem mit der Problematik. Laut Wolfgang Filter, Hauptgeschäftsführer des Innungsverbandes, wird an der Akademie in Laboren untersucht, durch welche Verfahren der Effekt der Aluminiumaufnahme vermieden werden kann.

Als Lösung kommen dabei natürlich alternative Bleche infrage, die nicht aus Aluminium bestehen. "Zum Beispiel aus Edelstahl, durch eine spezielle Folie oder durch eine Teflonschicht", sagt Filter. Man könne auch die Bleche möglichst rasch belegen, sodass die Lauge die Alu-Bleche nicht angreift. Viele Bäcker würden sich an der Akademie über diese Lösungen informieren, sagt Filter. Aber das reicht anscheinend noch nicht aus: "Wir müssen intensiver aufklären", sagt Filter.