Von Jan Bielicki

München startet eine neue Fahrrad-Kampagne. Dafür ist auch der Altstadtring am Samstag für Autos gesperrt. 1,9 Millionen Euro gibt die Stadt für das PR-Projekt.

Der Mann, der auf dem Marienplatz den Radlfahrern hinterherpfeift, kommt nicht vom städtischen Referat für alberne Hüte. Obwohl er so aussieht: Mit drei knallorangefarbenen Zipfeln hat er seinen Fahrradhelm zur Narrenkappe gewandelt und derart unübersehbar gemacht, mit Trillerpfeife, Fahrradglocke und handförmigem Winkelement ausgestattet, soll der "Radl-Joker" genannte Verkehrskasperl in diesem Jahr öfter auftauchen an den Brennpunkten des Münchner Radverkehrs.

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München will noch fahrradfreundlicher werden: Am Wochenende sind zahlreiche Events geplant. (© Foto: Rumpf)

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Der Mann mit dem Narrenhelm gehört zur neuen Fahrradkampagne, mit der die Stadt die Münchner zum Umsteigen auf das Radl bewegen möchte - und zum sicheren Fahren darauf. "Wir fördern keine Radlrambos, Handyradler, Alko-Radler, Geisterradler und Rotlichtraser", erklärte Bürgermeister Hep Monatzeder bei der Vorstellung des städtischen Werbefeldzugs. Der Radl-Joker soll die Radler freundlich zu regelkonformem Verkehrsverhalten anhalten. "Wenn das die Straßen sicherer macht", so Monatzeder, "werden wir auch mehr von ihnen auf die Straßen schicken."

Die in Absprache mit der Polizei in den Verkehr geschickten Narren sind jedoch nur ein kleiner Teil der Kampagne, mit der die rot-grüne Stadtregierung den Anteil des Fahrrades am gesamten Verkehrsaufkommen der Stadt drastisch erhöhen will. "Wir wollen die fahrradfreundlichste Großstadt in Deutschland werden", gibt Monatzeder das Kampagnenmotto "Radlhauptstadt München" vor. Derzeit legen die Münchner durchschnittlich 14 Prozent ihrer Wege durch die Stadt auf dem Radl zurück.

Zum Vergleich: In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, aber auch im westfälischen Münster haben die Radler einen Anteil von rund 40 Prozent am städtischen Gesamtverkehr erreicht. Allerdings will Monatzeder sich mit seinem Radlhauptstadt-Ziel nur an Großstädten messen, wozu er Münster ausdrücklich nicht zählt.

Rund 1,9 Millionen Euro hat der Stadtrat dafür bewilligt, die Werbekampagne über zwei Jahre durchzuziehen. Wirkt die Werbung, hängt der Stadtrat womöglich weitere zwei Jahre dran. Das alles bezahlt die Stadt aus der sogenannten Fahrradpauschale, die der Stadtrat im vergangenen Jahr von 1,5 auf 4,5 Millionen Euro erhöht hat. Bei einer internationalen Ausschreibung hat sich eine Bietergemeinschaft um die Bozener Werbeagentur Helios den Auftrag vor 62 Mitbewerbern geangelt.

Zum Auftakt hat Agenturchef Patrick Kofler das Logo der Kampagne groß auf die Radlfurt des Marienplatzes malen lassen: die zeichenhaften Umrisse eines Fahrrades, dessen Rahmen ein blaues M bildet. Im Übrigen wollen Koflers Leute gemeinsam mit den Umweltaktivisten von Green City und der Agentur Sportkreativwerkstatt aus München den Leuten nahebringen, dass Radlfahren nicht nur "schneller, billiger, gesünder" ist, so der Werber, sondern "wie frisches Wasser trinken aus einem Brunnen".

Der Südtiroler hat Erfahrung mit solchen Werbekampagnen. In Trient und in Bozen hat er ähnliche Imagebildung für das Fahrrad betrieben, in der Südtiroler Hauptstadt übrigens mit einem ganz ähnlichen Logo wie jetzt in München, nur bildet dort das Kürzel BZ den Rahmen des gezeichneten Radls. Dort ist der Anteil des Radverkehrs in fünf Jahren Kampagnenzeit von 17,5 auf 22,5 Prozent gestiegen.

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