Bei der Vereidigung zeigte er den Hitlergruß: Seit 2008 sitzt der Rechtsextremist Karl Richter im Münchner Rathaus. Jetzt will sich der Stadtrat dafür einsetzen, Richters rechtsextreme Bürgerinitiative Ausländerstopp zu verbieten.
Der Münchner Stadtrat will sich beim bayerischen Innenministerium für ein Verbot der rechtsextremen Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) einsetzen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schlägt dem Stadtrat bei seiner Plenumssitzung an diesem Mittwoch vor, einen entsprechenden Antrag der CSU zu unterstützen - eine breite Zustimmung gilt als sicher.
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Begleitet von der Polizei zogen Neonazis am vergangenen Samstag durch die Innenstadt. (© Robert Haas)
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Aus der Beschlussvorlage lässt sich aber auch Kritik am Verhalten der CSU herauslesen, die Debatte in aller Öffentlichkeit zu führen. Bislang hat der Stadtrat über die BIA stets diskret im Ältestenrat gesprochen, um nach außen hin geschlossen auftreten zu können.
Ein Verbot der BIA, die mit Karl Richter seit 2008 im Münchner Rathaus vertreten ist, könnte auf zwei Wegen erfolgen: als Vereinsverbot durch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) oder aber nach einem vom Bundesverfassungsgericht verfügten Verbot der NPD, das dann sämtliche Tarn-und Nachfolgeorganisationen mitumfasst. Oberbürgermeister Ude appelliert an die Staatsregierung, möglichst beide Wege gleichzeitig zu gehen. Denn bis zu einem NPD-Verbot vergingen wohl mehrere Monate, wenn nicht Jahre.
Ude sieht "zunehmend Anlässe", ein Verbot der BIA zu prüfen: Beginnend mit der rechtskräftigen Verurteilung Richters, der bei seiner Vereidigung 2008 den Hitlergruß gezeigt hatte - bis hin zur Nazi-Demo am vergangenen Samstag, bei der die Opfer der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle durch das Abspielen der "Paulchen-Panther"-Melodie verhöhnt wurden. Bei dieser Veranstaltung war Richter, wie schon bei zahlreichen anderen Nazi-Kundgebungen, als Redner aufgetreten.
Dass die BIA rechtsextrem und verfassungsfeindlich ist, ist bei den demokratischen Rathaus-Parteien ebenso unstrittig wie ihre Rolle als Tarnorganisation der NPD. Für Letzteres hat Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker inzwischen zahlreiche Belege gesammelt, die er dem Stadtrat am Mittwoch präsentieren möchte. "Nur als Redebeitrag", erklärte er. "Ich gehe davon aus, dass der Verfassungsschutz diese Informationen auch selbst hat".
So habe es 2009 gemeinsame Kreisverbandssitzungen von NPD und BIA gegeben. Zudem habe die NPD 2008 ganz bewusst im Interesse der BIA auf eine Kandidatur fürs Münchner Rathaus verzichtet. "Und dann gibt es noch die personellen Verflechtungen", berichtet Benker. Vor allem Richter selbst, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD ist.
Innenminister Herrmann begrüßt es, "wenn alle relevanten Institutionen die Staatsregierung in der Bekämpfung des Rechtsextremismus unterstützen" und so auch ein Signal an alle Bürger senden. Die Staatsregierung schöpfe aber ohnehin alle rechtlichen Möglichkeiten aus: Herrmann erinnert an sein Engagement für ein Verbot der NPD.
Auch ein Vereinsverbot, dessen Hürden etwas niedriger als bei einem Parteienverbot sind, schließt das Ministerium nicht aus. Darüber erfolgten aber "prinzipiell im Vorhinein keine Verlautbarungen".
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(SZ vom 25.01.2012)
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also ich kann über ewig-gestrige menschen wie herrn richter nur lachen, der macht sich doch mit seinem hitler-gruss nur selbst lächerlich. gegen alle nazis, die zu straftätern werden, gibt es meiner meinung nach genug handhabe ... man müsste sie nur mal ordentlich durchsetzen. so lange aber nazis von der justiz geschont werden, nutzt ein verbot der organisationen auch nicht wirklich viel. ich nehme deshalb an, dass es primär darum geht die nazis aus der öffentlichkeit zu verbannen anstatt den straffälligen nazis wirklich das handwerk legen zu wollen. und das ist ein echtes armutszeugnis für einen staat wie unseren.
Meiner Meinung nach ist dieses Verbotsersuchen ein Armutszeugnis sondergleichen, das der Sache nicht annähernd gerecht wird.
So stärkt man nur den Mythos um Karl Richter, durch die Ungerechtigkeit und mangelnde Demokratie, die man den Rechtsextremen entgegenstellt.
Viel besser wäre es doch aufzuzeigen, dass der Weg der BIA ein Irrweg ist. Aber das scheint wohl nicht zu gelingen, da man selbst zu verbohrt und unflexibel in seinen politischen Ansichten ist.
Von OB Ude erwarte ich mittlerweile eh nichts anderes mehr, er ist ja nicht gerade bekannt für wegweisende Entscheidungen, sondern vielmehr für die konsequente Nutzung der Wege des geringsten Widerstandes.
Und ich gehe stark davon aus, dass irgendein Gericht das Vereinsverbot schnell kassieren würde, wenn man es nichtmal schafft die eindeutig verfassungsfeindliche Deutsche Kommunistische Partei (DKP) oder diverse radikale Islamistenvereine aus dem Münchner Stadtbild zu entfernen.
Verbot ???? Mein Gott, was für ein Armutszeugnis ! Sind denn 79 StadträtInnen und ein OB nicht fähig einen einzelnen Mann argumentativ zusammen mit den Medien entgegenzutreten oder will man dies aufgrund der "heissen" Thematik unbedingt vermeiden ????
@ kgunther
Dass Menschen teilweise (!) völlig zu unrecht als "rechts" oder als "Nazis" bezeichnet werden, ist hinlänglich bekannt.
Ich verweise da auf das traurigste Beispiel dieser Art, wo in Israel israelische Polizisten durch ultraorthodoxe Juden als "Nazis" beschimpft wurden. Absolut unglaublich sowas.
http://www.sueddeutsche.de/politik/kulturkampf-in-israel-peres-fordert-protest-gegen-religioese-fanatiker-1.1244772
und
http://www.sueddeutsche.de/politik/gesetz-gegen-nazi-vergleiche-israel-will-holocaust-symbole-bei-protesten-verbieten-1.1255030
Mir ist völlig klar, daß man Deutschland nicht mit Israel vergleichen kann; es soll aber illustrieren, wie ungerechtfertigt diese "Nazi"-Beschuldigung auch mal fallen kann.
In Deutschland werden Leute mit konservativen Positionen von gewissen Linken schon mal so bezeichnet, einfach um sie mundtot zu machen.
Ja, es gibt leider Nazis in Deutschland. Auch der Antisemitismus ist ja laut jüngster Studie in unserem Land bei etwa 20 % (!) anzusetzen. absolut furchtbar.
Man kann aber doch nicht einfach Konservative als "Nazi" beschimpfen. Ja, so etwas passiert.
Was mir auch auffällt:
Wie kommt es eigentlich, daß "rechts" und "rechtsextrem" oftmals synonym gebraucht werden, "links" und "linksextrem" aber nicht ?
Ich habe den Eindruck, daß da oft ganz bewusst nicht differenziert wird, nach dem Motto: es ist alles irgendwie auf dem Weg in Richtung Nazi, was nicht links ist.
Ich habe lange überlegt, wieso das eigentlich so ist. Das hängt einfach davon ab, wie einer politisch sozialisiert worden ist.
Danach hat man ein Glaubensystem an ein bestimmtes politisches Weltbild (das habe ich auch, wohlgemerkt).
Das ist aber eine rein emotionale Sache. Etwas rein Subjektives. Das einzig Objektive ist die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Die ist für alle verbindlich.
Übrgens: Ich empfehle auch mal in diesem Kontext bei wikipedia die Begriffe "Godwin’s law", "Reductio ad Hitlerum" und "Nazi-Vergleich" zu lesen.
Gegen politische Radikale egal welcher Richtung muß man entschlossen vorgehen. Wenn diese BIA eine Tarnorganisation der NPD ist: sofort verbieten, ganz klarer Fall !!
Grüße von einem bekennenden Konservativen (ja, ich weiß, alleine das wird vermutlich gleich schon wüste Beschimpfungen auslösen).
Antrag der CSU ! Das ist doch die Partei, die sonst im Stadtrat kaum in Erscheinung tritt und durch ihre Untätigkeit bei auftretenden Problemen mit unseren ausländischen Mitbürger/innen manche Leute in die Arme von Richters Bürgerinitiative Ausländerstopp treibt.
Paging