München Polizei und Feuerwehr ziehen eher düstere Silvesterbilanz

Die Polizei hat die Zahl der Einsatzkräfte für die Silvesternacht aufgestockt - auf dem Marienplatz war das auch dringend nötig.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr mussten in der Silvesternacht viel häufiger ausrücken, als im Vorjahr.
  • Die Polizei hatte ihr Personal verstärkt und angekündigt, hart durchzugreifen, sollte jemand mit Raketen auf Menschen schießen oder sollten Frauen belästigt werden.
  • Rund um Mitternacht kam es besonders auf dem Marienplatz zu heiklen Situationen.
Von Jakob Wetzel

Kein Terroralarm, aber erheblich mehr Brände und Polizeieinsätze als im Vorjahr, außerdem mehr Verletzte und mehrere Festnahmen wegen aggressiven Böllerns auf dem Marienplatz: Das ist die erste Bilanz von Polizei und Feuerwehr zur Silvesternacht. Bis fünf Uhr morgens fuhren Polizisten in der Stadt demnach zu mehr als 320 "silvestertypischen" Einsätzen, meist zu Schlägereien oder zu außer Kontrolle geratenen Feuerwerkskörpern; im Vorjahr waren es nur etwas mehr als 200 gewesen.

Der Rettungsdienst wurde am Silvestertag 1029 Mal gerufen, 2015 waren es nur 914 Einsätze gewesen. Die Feuerwehr rückte 190 Mal aus; 2015 musste sie nur 144 Mal helfen. Und die Einsätze hatten es in sich: In Perlach und Obergiesing kam es in der Nacht zu verheerenden Balkon- und Wohnungsbränden. Grund waren nach dem Stand der Ermittlungen zumindest zum Teil Silvesterraketen.

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Die Polizei hatte ihr Personal für die Silvesternacht verstärkt und angekündigt, hart durchzugreifen, sollte jemand mit Raketen auf Menschen schießen oder sollten Frauen belästigt werden. Übergriffe wie in Köln im vergangenen Jahr sollte es nicht geben. Allein in der Fußgängerzone waren daher mehrere Hundert Polizisten im Einsatz. Diese Vorsichtsmaßnahme war offenbar auch notwendig: So kam es zwischen 23 Uhr und 0.30 Uhr besonders auf dem Marienplatz zu heiklen Situationen.

Laut Beobachtern hatten sich größere Gruppen junger Männer versammelt, es flogen Raketen und Böller in Richtung Passanten. Die Stimmung sei teilweise aggressiv und sehr unangenehm gewesen. Die Polizei schritt ein, sie spricht von bis zu fünf Festnahmen. Die Böllerwerfer müssen mit Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung rechnen. Sexuelle Übergriffe registrierte die Polizei aber keine. "Wenn etwas Schlimmeres passiert ist, dann wurde es noch nicht angezeigt", sagt ein Sprecher. Aber bei der hohen Polizeipräsenz seien Übergriffe nur schwer vorstellbar. Insgesamt waren laut Polizei mehr als 5000 Menschen in der Fußgängerzone unterwegs.

Für die Feuerwehr begann das Jahr mit mehreren großen Bränden. Nur 32 Sekunden nach Mitternacht wurden die Einsatzkräfte zu einem Haus an der Chiemgaustraße in Obergiesing gerufen. Dort hatten drei junge Männer im Alter von 15, 17 und 20 Jahren eine Rakete versehentlich auf einen Balkon im fünften Stock geschossen. Das Feuer erfasste die Wohnung einer 37-Jährigen, die nicht zu Hause war, außerdem den Dachstuhl sowie einen Nachbarbalkon. Die Feuerwehr musste beide Häuser evakuieren; verletzt wurde niemand, die Wohnung ist aber unbewohnbar. Die Feuerwehr taxiert den Schaden auf 200 000 Euro. Die Männer wurden wegen fahrlässiger Brandstiftung angezeigt.

Kompliziert waren die Löscharbeiten auch an einem Mehrfamilienhaus an der Unterbiberger Straße in Altperlach. Dort hatte aus bislang ungeklärter Ursache ein Balkon im zweiten Stock Feuer gefangen. Das Feuer erfasste mehrere Wohnungen und den Dachstuhl. Eine 61-jährige Frau und ein 68-jähriger Mann wurden dabei schwer verletzt und kamen unter anderem mit Verbrennungen in ein Krankenhaus. Zwei weitere Hausbewohner mussten mit Rauchvergiftungen in einer Klinik versorgt werden. 120 Feuerwehrleute mussten bis in den Morgen löschen. Das gesamte Anwesen ist nicht mehr zu bewohnen. Die Polizei klärt derzeit, ob Feuerwerk oder ein Fehlverhalten der Bewohner den Brand ausgelöst hat.

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Nur 18 Minuten nach Mitternacht wurde die Feuerwehr erneut in Perlach zu einem weiteren Brand gerufen: An der Kurt-Eisner-Straße war ein Balkon in Brand geraten und hatte die Wohnung in Flammen gesetzt. 50 Feuerwehrleute aus München und Umgebung konnten das Feuer jedoch zügig löschen. Verletzt wurde niemand.

Bei einem Brand auf der Einsteinstraße in Haidhausen geht die Polizei von Brandstiftung aus: Hier stand kurz nach Mitternacht ein geparktes Auto in Flammen. Weil einer Anwohnerin das Feuer auffiel, konnte die Feuerwehr schnell löschen, das Fahrzeug wurde dennoch stark beschädigt.

Vergleichsweise ruhig verlief der Abend am Friedensengel. Hier feierten etwa 3000 Menschen mit viel Alkohol und Pyrotechnik, aber friedlich. Nur eine Person sei durch Feuerwerk am Kopf verletzt worden und mit einer Platzwunde in eine Klinik gebracht worden, ansonsten habe es keine großen Störungen gegeben, sagt die Polizei. Die Polizei hatte die Zufahrtsstraßen von 23 Uhr bis 2.30 Uhr mit Kleinbussen blockiert, um Verkehrsunfällen vorzubeugen. Und der Friedensengel zog ohnehin weniger Feiernde an als in vergangenen Jahren. Vor drei Jahren hatte die Polizei etwa 5000 Menschen gezählt, vor zwei Jahren etwa 4500. Nur in der Silvesternacht vor einem Jahr waren es wegen des Terroralarms lediglich 1000.

Am Nachmittag des Neujahrstags mussten Notarzt und Rettungsdienst noch einmal wegen der Silvesterkracher ausrücken. Zwei elf beziehungsweise zwölf Jahre alten Buben hatten in der Plettstraße gemeinsam einen Böller gezündet. Der explodierte in den Händen des Elfjährigen, dessen rechte Hand dabei schwer verletzt wurde. Der Ältere erlitt Verletzungen ebenfalls an der rechten Hand sowie am Auge.

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