München nach der Olympia-Entscheidung Abwarten und dann noch einmal versuchen?

Nur wenn München die Spiele bekommen hätte, wären auch Strukturgelder vom Bund nach München geflossen, mit denen sich langersehnte Großprojekte hätten realisieren lassen. Und wie die Realisierung großer Projekte sich auf die Entwicklung einer Stadt positiv auswirken kann, das wissen die Münchner seit den Sommerspielen 1972. Die U-Bahn konnte damals ausgebaut, die S-Bahn-Stammstrecke und der Mittlere Ring gebaut werden. Projekte, die die Stadt damals vor dem Verkehrskollaps bewahrt hatten.

Nach der Niederlage fließen bei Katarina Witt erst einmal die Tränen. Doch dann stellt sich gleich die Frage: Wie soll es weitergehen?

(Foto: dapd)

Doch die Kapazitätsgrenze ist mit täglich über 800.000 Fahrgästen erneut erreicht - eine zweite Stammstrecke wird nach Ansicht von Verkehrsplanern dringend benötigt, kostet allerdings etwa zwei Milliarden Euro. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte vor der Entscheidung in Durban den schnellen Bau der S-Bahn-Röhre an den Zuschlag für die Spiele 2018 geknüpft. Nun wächst die Sorge, dass das Projekt erst bis 2025 umgesetzt werden könnte. Mit den Olympischen Winterspielen in der Tasche hätte die Stadt sehr gute Karten für eine zügige Realisierung des Projektes gehabt, sagt Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil.

Und ein weiteres Problem der Stadt hätte mit dem Zuschlag für die Spiele zumindest ein wenig gemildert werden können: der knappe Wohnraum. Im Olympischen Dorf wären 880 neue Wohnungen entstanden, Wohnungen, die die Stadt nun so wohl nicht finanzieren kann. Ganz anders 1972. Der Olympiapark wurde extra für die Spiele gebaut und mit ihm zahlreiche Wohnungen und Bungalows, die noch heute unter Mietern in München sehr begehrt sind.

Doch München hat den Milliardenpoker um die Olympischen Spiele verloren. Wird die Stadt nun aufgeben? Bereits unmittelbar nach der Niederlage wurden die ersten Stimmen laut, die eine erneute Bewerbung Münchens fordern - wie etwa Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): "Ich bin der Meinung, wir sollten diese wunderbare Idee nicht aufgeben."

Ob sich München noch einmal bewirbt, ist derzeit völlig offen. Natürlich gilt auch für München die alte Regel des IOC: Wer sich öfter bewirbt, hat bessere Chancen. Wie Pyeongchang, das nun im dritten Anlauf den Zuschlag bekommen hat. Doch zunächst dürften die Verantwortlichen in der bayerischen Landeshauptstadt abwarten, wie sich die Stimmungslage entwickelt. Dass sie noch einmal eine Bewerbung gegen heftigen Widerstand in der Bevölkerung durchführen, ist eher unwahrscheinlich.

Und dann ist da noch Thomas Bach. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und IOC-Vizepräsident hegt offensichtlich Ambitionen, sich beim IOC-Kongress 2013 zum Nachfolger von Jacques Rogge wählen zu lassen. Deswegen hat er momentan andere Interessen, als eine neue Bewerbung Münchens voranzutreiben. "Das werden wir jetzt nicht entscheiden", sagte Bach nach der Entscheidung. Es bleibe ja noch genügend Zeit. Die Spiele 2022 werden erst 2015 vergeben. Mit einer so deutlichen Abfuhr des IOC hat Bach sicherlich nicht gerechnet und dies dürfte ihm für seine persönlichen Karrierepläne alles andere als gelegen kommen. Doch die Bewerbung Münchens hatte für Bach jedenfalls einen großen Vorteil: Dank seiner zahlreichen Auftritte kennt ihn nun jeder im IOC.

Sicherlich kann sich auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude bereits mit diesem Gedanken anfreunden, ein weiteres Mal um die Spiele zu werben. Offen aussprechen würde er es derzeit indes noch nicht. Er warnt vor übereilten Entschlüssen. Jetzt sollte keiner vorlaute Töne von sich geben, mahnt er. Lieber solle man "mal abwarten, wie die Willensbildung ist, wenn man die Dinge überschlafen hat".

Doch einiges deutet darauf hin, dass sich die Stadt bereits vor der Entscheidung in Durban Gedanken über eine neue, eine weitere Bewerbung gemacht hat. Bereits in der kommenden Woche sollen schon erste Gespräche über eine neue Bewerbung geführt werden. So ist es zumindest von DOSB-Präsident Thomas Bach zu hören. Und auch die Internetadresse "muenchen2022.org" hat sich die Deutsche Sportmarketing GmbH, Vermarkter des DOSB, schon einmal gesichert.

"Das kann nicht sein"

mehr...