Von Michael Tibudd

Das Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung: das Neugeschäft boomt, dafür tauschen die Kunden wenig um.

War da was? Dieses Fest vielleicht, zu dem sich die Menschen kostbare und weniger kostbare Dinge schenken? Für die sie unterm Strich eine Menge Geld ausgeben - genug jedenfalls, dass eine ganze Branche, der Einzelhandel, prächtig daran verdient? Ein Fest, für das die Menschen sich finanziell ein wenig verausgaben, so dass nach den Feiertagen fürs Erste einmal Schluss ist mit Konsum?

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Die Münchner Innenstadt im nachweihnachtlichen Einkaufsrausch. (© Foto: Stephan Rumpf)

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Nichts da: "Das Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung", freut sich der Einzelhandelsverband, "wir haben Bescherung nach den Festtagen."

Man muss nicht weit gehen in der Münchner Innenstadt an diesem Montag, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass das kein substanzloses Erfolgsgeschwätz ist. Zu Tausenden drängen sich die Leute in der Fußgängerzone und den umliegenden Straßen. Dort haben sie unterdessen einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber motorisierten Besuchern der City: Ganz offensichtlich zu viele waren der Meinung, dass es eine gute Idee sei, sich den Geschäften mit dem Auto zu nähern. Stoßstange an Stoßstange schieben sie sich ihren Zielen entgegen.

"Wir machen vor allem Neugeschäft"

In vielen Geschäften herrscht entsprechender Hochbetrieb. Das trifft auf die großen Häuser zu, bei Kaufhof am Marienplatz etwa. Aber auch kleine Geschäfte bekommen vom nachweihnachtlichen Einkaufsrausch etwas ab. So führen beim Juwelier Fridrich in der Sendlinger Straße mehr als eine handvoll Berater Verkaufsgespräche rund um Uhren, Halsketten oder Ringe.

Um ein klassisches Problem, das den Einzelhandel früher am ersten Geschäftstag nach Weihnachten auf Trab hielt, müssen sie sich dabei kaum kümmern: den Umtausch von missglückten Geschenken. "Das kommt kaum vor, wir machen vor allem Neugeschäft", sagt Willy Lindner, Seniorchef bei Fridrich. Allerdings: "Wenn dem Beschenkten irgendetwas nicht passt, sei es bei der Farbe oder der Größe, dann wollen wir sogar, dass das umgetauscht wird", sagt Lindner, "die Leute sollen an unseren Produkten ja Freude haben."

Eine Menge neuer Umsatz kommt zum Beispiel auch bei Foto Sauter zusammen. "Die Kunden kaufen Kameras sehr gezielt, da muss man dann auch nichts umtauschen", sagt Marketingmann Stefan Wilhelm. Am ehesten passiere das bei Zubehör wie etwa Kamerataschen, die dem Beschenkten nicht gefallen. Oder ein Weihnachtsgeschenk hat enttäuscht, indem es schlicht nicht funktionierte - so wie bei dem digitalen Bilderrahmen der Dame aus Laim, bei dem die Zusatzfunktion - das Gerät sollte auch als Barometer dienen - defekt war.

Eine letzte Bastion scheint es indes noch zu geben für das Umtauschwesen: den Buchhandel. Lothar Mörtlbauer, Leiter der Hugendubel-Filiale am Marienplatz, berichtet jedenfalls von größeren Mengen an Retouren: "Viele Menschen bekommen einfach Bücher geschenkt, die sie schon haben."

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(SZ vom 29.12.2009/hes/jobr)