München Flussbad an der Isar: Die Idee findet immer mehr Unterstützer

(Foto: Florian Peljak)
  • Ein Flussbad in der Isar galt zunächst als chancenlose Idee.
  • Nun können sich unter bestimmten Voraussetzungen können sogar Umweltschützer für das Projekt erwärmen.
Von Thomas Anlauf

Es muss ein ziemlicher Rummel gewesen sein, als Prinzregent Luitpold am 11. Juni 1898 die II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung auf der Kohleninsel eröffnete. Tausende Münchner flanierten in jenem Sommer entlang der Isar, besuchten die Restaurants am Fluss, bestaunten die riesige hölzerne Wasserrutsche, die in der aufgestauten Isar aufgebaut war oder lauschten den täglichen Standkonzerten. An der Erhardtstraße landeten die Flößer aus dem Oberland, der Blick ging von dort weit über den geteilten Fluss hinüber in die Au.

Einen derartigen Trubel an der Isar wird es wohl nie mehr geben, das verhindern allein die stark befahrene Verkehrsschneise am Westufer und die renaturierte Kleine Isar, die unter Landschaftsschutz steht. Aber trotzdem tut sich derzeit einiges, um der innerstädtischen Isar wieder mehr Leben zurückzugeben.

Treib gut!

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Eine Bereicherung für die Naherholung"

"München und die Isar gehören zusammen", sagt Stephanie Jacobs. Die Leiterin des Referats für Gesundheit und Umwelt ist federführend verantwortlich, was die künftige Nutzung der Isar angeht. Derzeit erarbeiten ihre Mitarbeiter mit Experten des Baureferats ein Konzept, wo etwa ein öffentliches Flussbad in der Isar entstehen könnte. Jacobs ist von der Idee angetan: "Ein Isarflussbad ist eine großartige Bereicherung für die Naherholung in unserer Stadt."

Die Idee, die vom Verein "Isarlust" aufgebracht wurde, findet mittlerweile in der Politik zahlreiche Anhänger, auch Bürgermeister Josef Schmid (CSU) kann sich ein Flussbad in der Großen Isar vorstellen. In einer internen Dokumentation eines Workshops zum Thema Isarflussbad, die der SZ vorliegt, zeigten sich alle Vertreter der eingeladenen Fraktionen von CSU, SPD, Grünen und die aus FDP, Piraten und Hut bestehende FTB aufgeschlossen gegenüber der Idee.

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Die Fische dürfen nicht unter den Schwimmern leiden

Selbst die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz könnte sich ein Flussbad notfalls vorstellen, vorausgesetzt, es gibt ein umweltverträgliches Konzept und die Fischflora in der Isar würde nicht unter einem Bad leiden. Der Verein "Isarlust" steht mittlerweile in engem Kontakt mit Initiatoren beziehungsweise Betreibern von Flussbadprojekten in Zürich, New York, Kopenhagen und Berlin, um Erfahrungen auszutauschen. Parallel zur Untersuchung für ein Flussbad hat ein Gutachter im Auftrag des Baureferats gerade die Uferbefestigungen im innerstädtischen Isarraum untersucht. Die bis zu 150 Jahre alten Mauern und Böschungen zwischen Reichenbachbrücke und nördlicher Stadtgrenze müssen zum Teil schon sehr bald saniert, um- oder sogar abgebaut werden.

Die Zeit der Sanierung will die Stadt nutzen, um den Isarrahmenplan nun zumindest in Teilen möglichst zügig umzusetzen. So könnten im Zuge der Mauersanierung an der Erhardtstraße eine breite Panoramatreppe zum Fluss gebaut werden und an der Steinsdorfstraße ein Balkon über der Isar entstehen, sagte kürzlich Susanne Hutter von Knorring vom Planungsreferat. Völlig neu geregelt wird übrigens auch der Verkehr auf der Ludwigsbrücke. Das könnte nicht nur Auswirkungen auf das Leben an der Isar haben, sondern auf die Verkehrsströme in ganz München.