München Frau lebt jahrelang neben toter Mutter

Das Haus, in dem die Frau jahrelang neben ihrer toten Mutter wohnte.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • In München-Blumenau hat eine 55-jährige Frau fünfeinhalb Jahre lang neben ihrer toten Mutter gelebt.
  • Ein Sozialarbeiter wollte zu der älteren Frau Kontakt aufnehmen - als er niemanden erreichte, rief er die Polizei.
  • Die Tochter der Toten ist psychisch krank und wurde inzwischen in einer Klinik untergebracht.
Von Marco Völklein

Frau lebte mit mumifizierter Leiche zusammen

Eine psychisch kranke Frau hat fünfeinhalb Jahre lang neben ihrer toten Mutter in der Blumenau gelebt. Nach Angaben der Polizei vom Sonntag hatte ein Sozialarbeiter der Stadt bereits am Donnerstag die 55-jährige Frau in ihrer Wohnung in der Terofalstraße aufgesucht - dort wurde ihm allerdings nicht geöffnet. Daraufhin informierte er Polizeibeamte, die mithilfe der Berufsfeuerwehr die Wohnungstür öffneten. Die Beamten entdeckten die bereits komplett mumifizierte Leiche in ihrem Ehebett liegend.

Nach Angaben eines Polizeisprechers hatten Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus in der Vergangenheit mehrfach einen "seltsamen Geruch" bemerkt und die Hausverwaltung informiert; zudem hatten die Anwohner laut Polizei den Verwalter darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie die alte Dame schon längere Zeit nicht mehr gesehen hätten.

Ein Bezirkssozialarbeiter hatte nach den Erkenntnissen der Ermittler seit längerer Zeit versucht, Termine mit der 55-jährigen Tochter zu vereinbaren. Diese habe den Sozialarbeiter aber immer wieder mit diversen Ausreden vertröstet. Erst am Donnerstag gegen 11.55 Uhr fuhr der Betreuer zu dem Haus, geöffnet wurde ihm aber nicht. Daraufhin rief er Polizei und Feuerwehr, um sich Zugang zu der Wohnung zu verschaffen.

Frau starb offenbar mit 77 Jahren - im März 2009

Eine Befragung der Tochter durch die Beamten ergab schließlich, dass die 55-Jährige seit Jahren mit der Mutter in der Wohnung zusammenlebt. Die Frau gab an, dass die Mutter im Alter von 77 Jahren gestorben sei - und zwar bereits Anfang März 2009. Die Ermittlungen sowie eine Obduktion hätten keine Hinweise auf ein Fremdverschulden oder einen Suizid erbracht, sagte der Polizeisprecher. Die Frau ist eines natürlichen Todes gestorben.

Die Tochter, die laut Polizei Rentnerin ist, ist den Behörden seit längerem als psychisch krank bekannt - auch im Münchner Polizeipräsidium gibt es eine Akte über die Frau. Nach Angaben des Behördensprechers hatte die 55-Jährige in den vergangenen Jahren neben der Leiche gelebt und auch direkt neben ihr im Ehebett geschlafen. Mittlerweile ist die Rentnerin in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Erinnerung an einen ähnlichen Fall

Der Fall erinnert an den einer 39-Jährigen aus Moosach. Die ebenfalls psychisch kranke Frau hatte bis zum Frühjahr 2013 fast acht Monate lang neben ihrer 70 Jahre alten, toten Mutter gelebt, die ebenfalls eines natürlichen Todes gestorben war. Aufmerksam geworden auf den Fall war die Polizei nur, weil Rechnungen der 70-Jährigen nicht beglichen wurden. Das Amtsgericht hatte daraufhin einen Sachverständigen beauftragt, den Besitz der Frau zu sichten und mit ihr Kontakt aufzunehmen. Die Tochter erzählte dem Gutachter sofort, dass die Mutter gestorben sei, sie sich aber die Beerdigung nicht leisten könne.

Im Februar 2014 verhaftete die Polizei eine 40 Jahre alte Unterhachingerin, die ihre 70-jährige Mutter erdrosselt hatte. Die Tochter hatte nach der Tat noch zwei Wochen lang neben der Leiche in der selben Wohnung gelebt. Als ein mögliches Motiv wurden damals finanzielle Probleme der 40-Jährigen genannt.