Von Michael Moorstedt

Die Tracks des DJs Mr. Scruff leben vom permanenten Wandel. Sie umfassen alle Facetten von Hip-Hop bis House. Vor allem live ist der Engländer ein Phänomen.

Das Londoner Label Ninja Tune ist das Maß an Beständigkeit, was schräge Töne angeht. Seit der Gründung 1991 widersetzt es sich stur jeglichem Innovationsdruck und verlegt weiterhin Triphop, Nu Jazz oder Breakbeats. Kurz, all die Genres, die schon seit Jahren nicht mehr Zeitgeist-kompatibel sind, die zu kompliziert, zu verkopft für die Gegenwart erscheinen.

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Heizt den Massen ein: Der britische DJ Mr. Scruff. (© Foto: www.mrscruff.com / oh)

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Das Credo dieser Genres ist es, andere Stile zu fusionieren, sie solange bis zur Unkenntlichkeit zu durchmischen, bis sie in keine Schublade mehr passen. Auch in der Gedankenwelt von Mr. Scruff, bürgerlich Andy Carthy, einem langjährigen Ninja-Tune-Weggefährten, existiert kein Geräusch, das nicht auch potentielles Sample wäre.

Auf seinen Platten variieren Stimmungen und Motive geschickt und unmerklich. Die Tracks leben vom permanenten Wandel, umfassen alle Facetten von Hip-Hop bis House. Die große Kunst des DJs besteht darin, dass die Arrangements nie beliebig wirken. Auch sonst präsentiert sich Carthy als popkultureller Vielseitigkeitswettkämpfer, dessen vielfältige Talente auf den Hörer geradezu beschämend wirken.

Neben Studioalben und dutzenden Remixarbeiten studierte er Kunst und zeichnet Comics für seine Plattencover. Bereits vor zehn Jahren erfuhr Mr. Scruff mit "Get A Move On", dem Remix einer bedächtigen Jazznummer, den Mainstream-Ritterschlag. Der Track dient als Untermalung für diverse Werbespots.

Die Angst vor Ausverkauf aber lässt Andy Carthy kalt. Auch sonst scheint ihn eine tiefe Ruhe zu umgeben. Mit dem Titel seines im selben Jahr erschienen Debüts "Keep it unreal" führt er mal eben die oberste Hip-Hop-Maxime und deren in Wahrheit biedere Natur ad absurdum. 2002 folgt mit "Trouser Jazz" der zweite Streich, auch hier nimmt er niemanden, vor allem sich selbst nicht ernst. Auch auf dem aktuellen Studioalbum "Ninja Tuna" bleibt er seinem interdisziplinären Ansatz treu und lädt dazu illustre Gäste ein.

So sorgen Danny Breaks oder Roots Manuva für Drum'n'Bass- beziehungsweise Hip-Hop-Glaubwürdigkeit. Live ist Mr. Scruff übrigens für DJ-Sets mit notorischer Überlänge bekannt, vielleicht wegen der Angst, nicht genügend Töne in einen Abend packen zu können.

Mr. Scruff ist am Donnerstag, 23. April 2009, um 23 Uhr in der Registratur, Blumenstraße 28, zu erleben.

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(SZ vom 16.04.2009/wib)