Von Jan Bielicki und Monika Maier-Albang

Der Streit um den Neubau des Islamischen Zentrums flammt wieder auf: In Sendling rüsten die Moscheegegner für neue Kampagnen, bei den Muslimen greift Resignation um sich.

Wenn Wolfgang Fischbacher aus dem Fenster seines Büros schaut, blickt er auf die Doppeltürme der Kirche Sankt Korbinian - und damit fast bis zu dem Ort, dem sein Amtshandeln gilt. Nur etwa 300 Meter steht der Schreibtisch des städtischen Verwaltungsoberamtsrats entfernt von Münchens umstrittenster Baulücke gleich gegenüber der Pfarrkirche, und die Kopie des Bebauungsplans für das Grundstück am Gotzinger Platz liegt in seiner Schublade.

Moschee in Sendling

Noch stehen täglich bis zu 134 Autos in der Baulücke am Gotzinger Platz. Für sie soll auf dem Gelände der benachbarten Großmarkthalle ein Parkhaus entstehen - und vor die Brandmauer mit den gemalten Werbe-Pinguinen dann die neue Sendlinger Moschee. (© Foto: ahed)

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Seit dem frühen Freitagmorgen kann jeder Bürger zu ihm in den dritten Stock der Bezirksinspektion Süd an der Implerstraße kommen, um in den Plänen nachzusehen, in welcher Größe und Form die Stadt die neue Sendlinger Moschee genehmigen will.

Bis zum späten Vormittag haben, so Fischbacher, "nur ein paar Presseleute" bei ihm angeklopft. Ein interessierter Bürger war noch nicht da. Auch zu Werner Lohmann, der im achten Stock des Planungsreferats an der Blumenstraße über das Projekt Auskunft geben kann, ist bis Freitagmittag noch niemand vorgestoßen, vor den Vitrinen im Erdgeschoss des Referats, in dem die rund 65 Seiten der Moschee-Pläne ausgehängt sind, herrscht Leere. Und auch auf der städtischen Internetseite hält sich das Bürgerinteresse in Grenzen: 30-mal nur riefen Nutzer den ins Netz gestellten Bebauungsplan ab.

Hässliche Flugblätter

Helga Schandl hat unterdessen ein mit weiß-blau-kariertem Tuch gedecktes Klapptischchen an den Aufgang der U-Bahn-Station Implerstraße gestellt und sammelt Unterschriften - nicht gegen die Moschee, sondern gegen die angekündigte Schließung der örtlichen Postfiliale. Die neuen Moscheepläne hat sie sich noch nicht angeschaut: "Ich kann also gar nichts dazu sagen."

Dass sie den Bebauungsplan für "wahrscheinlich reine Augenwischerei" hält, sagt sie dann doch. Und weil sie Sprecherin des Vereins "Bürger für Sendling" ist, in dem sich die Moschee-Gegner zusammengetan haben, drückt sie den Passanten noch ein Flugblatt in die Hand. "Achtung, Sendlinger Mitbürger!", warnt es vor "neuen städtischen Ränken" und fordert: "Keine Ghettobildung, keine Zentralmoschee, keine Minarette!" Im Internet reagiert Schandls Initiative auf die städtische Beschreibung der Pläne: Die sei "tendenziös und geschönt".

"Es geht also wieder los", sagt Andrea Borger, Pfarrerin an der evangelischen Himmelfahrtskirche in Sendling. Die ersten Flugblätter hat sie jüngst aus ihrem Briefkasten gefischt, "Hetzblätter" nennt Borger sie. Eines stammt vor einer Frau, die seit Jahren mit zum Teil wirren Beschimpfungen gegen Muslime wettert.

Heftiger Gegenwind

Das andere ist jenes, welches die "Bürger für Sendling" verteilen. Deren Äußerungen hält Borger für "grenzwertig". Der Kirchenvorstand hat wegen der Flugblätter einen Aufruf verfasst: "Keine Fremdenfeindlichkeit in Sendling!" ist er überschrieben. Der Kirchenvorstand, heißt es darin, "schämt sich für solche verletzenden Töne". Nur wenn die Muslime sich ohne Anfeindungen öffentlich darstellen können, so glauben die Unterstützer aus der Himmelfahrtskirche, werden sie sich mit der neuen Heimat auch identifizieren.

Die Muslime sollen also spüren: Ihr seid nicht allein. Solche Unterstützung scheint auch bitter nötig, denn an der Schanzenbachstraße hat sich längst Ernüchterung breitgemacht. An diesem Freitagmittag kommen die Männer wie üblich zum Gebet, man trinkt noch schnell einen Tee auf der Bank im Innenhof des Plattenbaus, von dem sich überall Putz löst, redet über dies und jenes - wie es der Familie geht, wohin man in Urlaub fährt -, nur die Moschee ist kaum ein Thema.

Die türkischen Zeitungen haben im Vorfeld nicht berichtet, die Pläne hat noch nicht einmal der Vorstand angesehen. Was daran liegt, dass alle hier ehrenamtlich tätig sind und die Jüngeren freitags arbeiten müssen. Es zeigt aber auch, wie müde man des Kampfes um den Neubau mittlerweile ist.

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