Wie seine Mitbewerber spielt Radio Gong viel Musik, sie macht bis zu 70 Prozent der Sendezeit aus. Hinzu kommen Nachrichten, Verkehrsmeldungen und die Wetterlage, teilweise im 30-Minuten-Takt, teilweise auch öfter. "Das sind die Dinge, die der Hörer früh am Morgen kurz und präzise abrufen möchte", sagt Programmberater Rump.
Die Marktführer der Münchner Morningshows: Mike Thiel (links) und sein Ko-Moderator Karsten Wellert von Radio Gong. (© Foto: Radio Gong/oh)
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Weil diese Informationen in beinahe jeder Morningshow gleich sind, kommt es auf die Moderatoren an, die Sendung zu einer Marke zu machen. Mike Thiel macht das mit launigen Sprüchen, die aus dem Bauch heraus kommen. Darauf legt er großen Wert. Das klingt dann so: "Cristiano Ronaldo wollte sich nach dem Ausscheiden von Real Madrid vor Wut die Haare raufen. Aber dann fiel ihm ein, dass seine Nägel frisch lackiert sind."
"Da putzen! Da!"
Auch die Konkurrenz hält den Witz flach. Energy-Moderator Jan Herold ist sich nicht zu schade, im Anschluss an das Lied Die perfekte Welle der Popgruppe Juli zu kalauern: "Juli im März - ein Wahnsinn. Im Juli spielen wir dann ein Lied von einer Band, die März heißt."
Bei Charivari kommentiert Praktikant Schorsch die Alkoholfahrt von Bischöfin Margot Käßmann: "Liebe Lutheraner, Alkohol ist keine Lösung, sondern ein Destillat." In einer anderen Sendung teilt er den Hörern mit, die polnische Putzfrau habe soeben das Studio betreten und ruft ihr zu: "Da putzen! Da! Da!" Beim gemeinsamen Go-Kart-Fahren mit Hörern gibt er sich als ukrainischer Reporter "Kei Ibel" aus, der kleine Jungen in den Arm nimmt und fragt: "Gehst du auf katholische Klosterschule? Nicht? Schade!"
"Was die machen, ist Comedy"
Es ist diese Art von Humor, die manchen Hörern ein morgendliches Lächeln ins Gesicht zaubert - und anderen den Tag verdirbt. "Die Moderatoren müssen bestrebt sein, gute Laune zu erzeugen. Das ist ein wichtiger Faktor", sagt Experte Rump. Das dürfe aber nicht in "Clownerie" ausarten: "Der Hörer erwartet keine Dauerbespaßung. Das ist langfristig nicht von Erfolg gekrönt."
Die Moderatoren sehen das freilich anders. Markus Pürzer von Radio Charivari hält die "authentische Situationskomik" für ein Alleinstellungsmerkmal seiner Sendung. Und Praktikant Schorsch sagt im Hinblick auf die Konkurrenz: "Da gibt es einige, denen scheint richtig die Sonne aus dem Arsch. Aber wenn du ihnen ihr Skript weg nimmst, kommt da nichts mehr."
Zahnpasta im Mundwinkel
Marktführer Mike Thiel sagt, er könne nicht gemeint sein - er wisse gar nicht, was ein Skript ist. Und in Richtung der Mitbewerber: "Wir machen authentisches Radio. Was die machen, ist Comedy."
Das endgültige Urteil gebührt dem Hörer, wenn er morgens mit verkniffenen Augen vor dem Badezimmerspiegel steht. Gefällt ihm das Programm, wird er lächeln, bis ihm die Zahnpasta aus dem Mundwinkel quillt. Gefällt es ihm nicht, wird er sein Radio ausschalten - es sei denn, er ist selbst dafür noch zu müde.
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(sueddeutsche.de/mikö/sonn)
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