Morde in München Drei Frauenleichen: zwei Morde und ein Suizid

Drei Frauen sind in den 90er Jahren in München auf mysteriöse Weise verschwunden, zumindest eine ist ermordet worden. Geklärt werden konnte bislang keiner der Fälle. Die Arbeitsgruppe "Frauenmorde" meldet jetzt Ergebnisse: Die Ermittler glauben zu wissen, wer der Mörder von Kristin Harder ist und was es mit dem Verschwinden von Sonja Engelbrecht und Bettina Trabhardt auf sich hat.

Von Von Christian Rost

Noch im März schloss die Polizei bei ihren Ermittlungen nichts aus - der Mord an Kristin Harder 1991, das spurlose Verschwinden von Sonja Engelbrecht 1995 und Bettina Trabhardt 1997 könnten in Verbindung stehen, hieß es damals. Jetzt ist man sich sicher: "Es handelt sich nicht um einen Serienmörder, der in München umgeht", sagte der Chef der Mordkommission, Josef Wilfling, der SZ. Die Ermittlungen hätten keine Zusammenhänge zwischen den Fällen ergeben.

Wilfling glaubt vielmehr, dass der letzte Begleiter von Kristin Harder die 28-Jährige auf dem Gewissen hat - und dieser Mann kommt für die anderen Taten nicht in Frage. "Wir führen ihn als Beschuldigten im Fall Harder."

Es handelt sich um einen heute 38 Jahre alten Akademiker. Momentan könne man ihm den Mord nicht zweifellos nachweisen.

Eine zwölfstündige Vernehmung des Mannes im Frühjahr - gegen die er später auch in den Medien protestierte - hatte die Polizisten noch nicht weiter gebracht. Offenbar verfügen sie jetzt über neue Erkenntnisse, die sich möglicherweise aus einer Zeugenaussage ergaben. Eine Frau deutete in einem Anruf an, das "Mordhaus" zu kennen. Von dem Verdächtigen wurde eine DNA-Probe genommen.

Die 28 Jahre alte Kristin Harder war am 12. Dezember 1991 spurlos verschwunden. Sie hatte ihren mutmaßlichen Mörder in der Gaststätte Frundsberg kennen gelernt. Zusammen gingen sie ins Nachtcafé.

Der Beschuldigte sagte aus, dort hätte er sich verabschiedet, Kristin habe noch ins Schumann's gewollt. Seither fehlte von ihr jede Spur. Bis ein Jahr später ein abgetrenntes Bein im Wald von Neubiberg und ein abgesägter Arm in der Wasserkraftanlage Altheim gefunden wurden. Bein und Arm waren vor dem Abtrennen tiefgekühlt worden.

Keinen Hinweis bekam die Polizei lange Zeit zum Schicksal der 1995 verschwundenen Sonja Engelbrecht, obwohl 130 Spuren ausgewertet und 150 Zeugen vernommen worden waren. Die 19-jährige Fachoberschülerin war am 11. April 1995 mit ihrem Begleiter, dem damals 17 Jahre alten Schüler Robert S., gegen 2.30 Uhr von einer Party zum Stiglmaierplatz gegangen.

Sonja wollte von einer Telefonzelle aus ihre Schwester anrufen. Robert S. lief unterdessen zur einfahrenden Trambahn. Weder ihre Schwester noch ihre Eltern hörten je wieder von hier. Die Polizei geht, anders als Sonjas Eltern, "aufgrund der sachlich betrachteten Fakten davon aus, dass Sonja tot ist".

Ermordet von einem bislang unbekannten Mann: Nach mehreren Fernsehsendungen, die zuletzt über den Fall Engelbrecht berichteten, gingen einige Hinweise bei der Mordkommission ein. Es hätten sich mehrere Frauen gemeldet, die in der Tatnacht von einem Mann angesprochen worden seien. Nach diesem Unbekannten wird derzeit gefahndet. Details dazu gibt die Polizei nicht bekannt. Nur so viel: Chef-Ermittler Wilfling hofft, "den Fall Engelbrecht in ein oder zwei Monaten abschließen" zu können.

Neue Erkenntnisse gibt es offenbar auch im Fall der am 17. August 1997 verschwundenen Krankenschwester Bettina Trabhardt. Die 45-Jährige verließ ihre Wohnung in der Gufidauner Straße in Harlaching gegen 19 Uhr. Eine Nachbarin, die sie getroffen hatte, beschrieb sie als "elegant gekleidet und bestens gelaunt".

Angeblich wollte Bettina Trabhardt in einen Biergarten. Entweder wurde sie abgeholt oder sie benutzte ein öffentliches Verkehrsmittel. Auch Bekannte beschrieben sie als "offen und kontaktfreudig", weshalb die Polizei auch lange Zeit von einem Verbrechen ausging.

Vielleicht war das Fassade, wie Kriminalrat Wilfling es andeutet. Er sieht den Fall heute völlig anders: Es handele sich vermutlich um einen Suizid. Die Leiche aber wurde nie gefunden.