Von Alexander Krug

Der mutmaßliche Mörder der Münchner Patentanwältin Susanne T. lässt nichts aus, um sich bloßzustellen.

Es gibt Angeklagte, die zu ihren Taten stehen und sie ohne Umschweife einräumen. Rick T. gehört nicht zu dieser Spezies. Zum Prozessauftakt um den Mord an der Münchner Patentanwältin Susanne T. ließ er am Montag im Schwurgericht verlauten, "derzeit" nicht zur Sache aussagen zu wollen.

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Im übrigen verwies er auf sein "Schreiben" an das Gericht. In dem (noch nicht im Prozess eingeführten Brief) liefert er eine weitere obskure Tatversion, wonach er von einem ominösen Drogendealer zur Tat verleitet worden sein will. Die Ermittler halten diese Darstellung für ebenso unglaubwürdig wie seine vorige.

Rick T. wird in Handschellen in den Sitzungssaal geführt. Er trägt ein graues T-Shirt und eine blaue Häftlingshose. Schmal und jugendlich wirkt er auf den Beobachter, seine 35 Jahre jedenfalls sieht man ihm nicht an. Konzentriert folgt er jedem Wort des Staatsanwaltes und macht sich Notizen. Sein emotionsloses Auftreten steht im krassen Gegensatz zu dem Entsetzen, das sich im vollbesetzten Gerichtssaal angesichts der Anklagevorwürfe breit macht.

Erdrückende Beweislast

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der arbeitslose und von Sozialhilfe lebende Rick T. die Patentanwältin gezielt als Opfer aussuchte, um sich in den Besitz eines von ihr benutzten roten Maseratis zu bringen. Am 19. Dezember 2005 überfiel er die 39-Jährige und fesselte sie im Keller ihrer Wohnung in Trudering. Irgendwann muss Rick T. dann seinen Plan geändert haben. Der Anklage zufolge vergewaltigte er sein wehrloses Opfer mehrfach, drosselte es und erstach es schließlich mit einem Küchenmesser.

Die Beweislast gegen Rick T. ist erdrückend. Doch bei den ersten Vernehmungen zog er sein Opfer in den Schmutz. Danach will er ein längeres Verhältnis mit Susanne T. gehabt haben. Sie habe von ihm perverse Sexspiele verlangt, dabei sei die Sache "aus dem Ruder gelaufen". Auch dem psychiatrischen Gutachter Bela Serly gegenüber hatte sich Rick T. ähnlich geäußert.

Von diesen Versionen immerhin rückte der Angeklagte am Montag endgültig ab. Seine damaligen Schilderungen seien nur auf "Anweisung" erfolgt, erklärte er auf Nachfrage. Was es mit dieser "Anweisung" auf sich hat, soll sich aus dem Brief ergeben, der dem Gericht vorliegt.

Danach will Rick T. von zwei Drogendealern namens "Boris" und "Stefan" zu der Tat erpresst worden sein. Die beiden hätten ihn als Mitwisser ihrer Drogengeschäfte zunächst umbringen wollen, dann aber entschieden, ihn am Leben zu lassen und ihn als willfährigen Handlanger einzusetzen. Ein Motiv für den Mord bleibt der Brief aber offensichtlich schuldig.

"Hort der Tyrannei"

Was Rick T. mit diesen Angaben erreichen will, ist unklar. Fest steht hingegen, dass er sich als Opfer seiner Umwelt sieht. Seine Eltern beziehungsweise späteren Bezugspersonen seien "asozial" und "hochkriminell" gewesen, erzählt er dem Gericht. Sie hätten ein "unproduktives" Leben geführt, und "dies habe ich als Kind so gelernt".

Er sei von einem Heim zum nächsten gezogen, die meisten seien ein "Hort der Tyrannei" gewesen, wo man ihn geschlagen und teilweise auch sexuell missbraucht habe. Mit 17 Jahren sei er erstmals in Strafhaft gekommen, insgesamt habe er rund zehn Jahre hinter Gittern verbracht. Einen Beruf habe er nie erlernt, für Geld will er sich angeblich "nie interessiert" haben.

Dafür will der zweifache Vater (die Kinder leben bei Pflegeeltern) Drogen und Alkohol im Übermaß konsumiert haben. Wenn Rick T. seine Angaben so fortsetzt, dann scheint das Urteil nur noch eine Formsache.

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(SZ vom 13.2.2007)