Ermittlungen Tatverdächtige in Nordirland wieder auf freiem Fuß

30 Jahre nach der Ermordung von Inga Maria H. gibt es zwei Tatverdächtige.

(Foto: dpa)
  • Inga Maria H. wurde auf ihrer Rucksacktour durch England, Schottland und Nordirland im Frühjahr 1988 vergewaltigt und ermordet.
  • 30 Jahre nach der Tat hat die Polizei in Nordirland zunächst zwei Tatverdächtige festgenommen. Sie sind gegen Kaution wieder auf freiem Fuß.
  • Die Beamten schließen nicht aus, dass die Tat von möglicherweise mehreren Männern begangen wurde.
Von Martin Bernstein

Im seit 30 Jahren ungeklärten Mordfall an der damals 18 Jahre alten Münchner Rucksack-Touristin Inga Maria H. gibt es eine Spur. Die nordirische Polizei hat am Pfingstmontag bei Loughguile in der Grafschaft Antrim zwei 58 und 61 Jahre alte Männer festgenommen. Sie stehen offenbar im Verdacht, mit dem Mord an der jungen Frau etwas zu tun zu haben. Am Dienstag sind beide gegen Kaution wieder freigekommen. Weitere Ermittlungen stünden noch aus, schrieb der Police Service Northern Ireland (PSNI) am Dienstag auf Twitter.

Die junge Haidhausenerin Inga Maria H. reiste im Frühjahr 1988 durch England, Schottland und Nordirland. Ermittler schließen nicht aus, dass sie auf der nur zweistündigen Überfahrt mit der Fähre von Cairnryan nach Larne am 6. April ihren späteren Mörder kennenlernte. Vierzehn Tage später wurde die Leiche der Schülerin in einem Wald bei Ballycastle entdeckt. Die junge Frau war vergewaltigt worden. Anschließend hatten ihr der oder die Täter das Genick gebrochen und den Körper im Unterholz versteckt. Der Fundort der Leiche ist nur 18 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem am Montag die beiden Verdächtigen von Beamten der Serious Crime Branch festgenommen wurden, aber 60 Kilometer weit weg vom Fährhafen. Wie, wann und warum die junge Münchnerin nach Ballycastle reiste, ist bis heute eine der offenen Fragen.

Der Leiter der nordirischen Ermittler, Detective Chief Superintendent Raymond Murray, hatte bereits vor einem Jahr angedeutet, dass die Polizei mehreren neuen Spuren nachgehe. Die Ermittlungen konzentrierten sich demnach vor allem auf Personen, die zusammen mit Inga Maria H. an Bord der Fähre gewesen waren. Allerdings sind die Passagierlisten laut Polizei unvollständig. Einem der bis dahin größten DNA-Massentests in Nordirland unterzogen sich rund 2000 Männer. Auch in Schottland wurden die Ermittler aktiv.

Murray schließt nicht aus, dass die Tat möglicherweise von mehreren Männern gemeinsam verübt wurde. Er zeigt sich überzeugt, dass es Mitwisser gibt, eventuell sogar in der Familie des Täters. Diese sollten ihr Gewissen erleichtern, sagte er am 30. Jahrestag der Tat - die Angehörigen der Toten hätten ein Recht darauf. Daraufhin gingen rund 30 neue Hinweise aus der Bevölkerung ein. Vor drei Wochen veröffentlichte die Schwester des Opfers einen Brief, in dem sie mögliche Mitwisser um Aufklärung bat: "Sonst wird die Seele meiner Schwester niemals Ruhe finden", schrieb Friederike L.

Bereits vor zwei Jahren hatte die nordirische Polizei nach Angaben örtlicher Medien einen Mann im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen und befragt, ihn später aber wieder ohne Anklage auf freien Fuß gesetzt.

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