Moosach Wohnung im Elendshaus: 600 Euro, kalt, dunkel

Die Wände sind schimmlig, das Haus ist in miserablem Zustand: Trotzdem leben mehrere Familien dort, darunter Elena M. mit ihrem Baby.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • In der Moosacher Triebstraße wohnt eine Familie mit drei Kindern in einem Elendshaus.
  • Es gibt weder Strom noch Wasser, die Familie zahlt dennoch 600 Euro für die Bleibe.
  • Eigentlich sind die Mietverträge aller Bewohner gekündigt, doch sie haben keine Alternative und bleiben darum in den Wohnungen.
Von Inga Rahmsdorf

Wenn es draußen dunkel wird, dann wird es auch im Haus dunkel. Deswegen hat Elena M. (Name geändert) sich am Abend zuvor mit ihren drei kleinen Kindern in einen Schnellimbiss gesetzt. Dort gibt es wenigstens Licht, und es ist warm. Nun hat ihr Mann einen kleinen Heizofen, der mit Gas betrieben wird, und eine Taschenlampe gekauft. Elena M. wohnt mit ihrer Familie in der Triebstraße in Moosach.

Das Gebäude gleicht einer Bruchbude, die Fußböden sind kaputt, in dem schmalen Badezimmer ist die schimmelige und unverputzte Wand größtenteils mit blauen Plastikplanen abgeklebt, es gibt in dem ganzen Haus keine Heizungen. Bisher haben die Bewohner, die offenbar alle aus Bulgarien stammen, mit Elektrogeräten geheizt. Doch am vergangenen Mittwoch haben die Stadtwerke den Strom abgedreht. Seitdem gibt es kein Licht, kein warmes Wasser mehr, sie können nicht mehr heizen und nicht mehr kochen.

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Babybrei vom Gaskocher

Elena M. hat ihr jüngstes Kind auf dem Arm, es ist erst wenige Monate alt. Den Brei und die Milch macht sie nun auf einem Campingkocher warm. Die Familie wohnt seit drei Jahren in dem Gebäude. Den Kontakt zu dem Vermieter hätten sie schon in Bulgarien erhalten. Eigentlich ist der Mietvertrag Ende 2015 ausgelaufen, doch Elena M. und ihre Familie wissen nicht, wohin sie ziehen sollen. Ihr Mann arbeitet derzeit als Verputzer, doch es sind immer nur Zeitverträge, die er bekommt. Sie erhalten zusätzlich Leistungen vom Jobcenter. Eine Sozialarbeiterin sagt, sie habe versucht, eine Wohnung für die Familie zu finden, doch bisher ohne Erfolg.

Elena M. zeigt ihren Mietvertrag. Für die zwei kleinen Zimmer mit Küche, in der sie bisher auf einer Elektroplatte gekocht haben, zahlen sie mit Nebenkosten knapp 600 Euro. Darin seien Strom und Warmwasser enthalten, steht im Vertrag. Die Abrechnung dafür lief bisher offenbar über den Vermieter. Als die Stadtwerke Strom und Warmwasser abdrehten, hinterließen sie ein Schreiben, das auf den Vermieter ausgestellt ist, der aufgefordert wird, die offenen Forderungen von 18 000 Euro zu zahlen. Das bestätigt auch der Vermieter selbst, der das Haus vor drei Jahren gekauft hat.

Er fühle sich von den Behörden im Stich gelassen, sagt der Vermieter und bestätigt selbst, dass das Haus nicht mehr wohnsicher sei, die Wasserleitungen kaputt und der Strom schon aus Sicherheitsgründen nicht mehr angeschaltet werden dürfe. "Wenn das Haus morgen abbrennt, will ich nicht Schuld sein." Obwohl bei allen Bewohnern die Mietverträge Ende 2015 abgelaufen seien, würden die meisten nicht ausziehen. "Die Behörden haben mir im vergangenen Jahr gesagt, sie würden sich kümmern, aber nun kümmert sich niemand. Mir tun die Leute ja auch leid", sagt der Vermieter.

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Dem Vermieter tun seine Mieter leid

Er habe mittlerweile Schulden von mehr als 30 000 Euro, weil die Mieter die hohen Nachzahlungen für Strom und Warmwasser nicht beglichen hätten. Insgesamt würden etwa sieben Familien noch in dem Haus wohnen. Damit sie ausziehen, laufen nun Räumungsklagen. Er habe mit dem Haus bisher nur Verluste gemacht. Eigentlich wolle er es abreißen oder das Grundstück vermieten, doch das sei nur möglich, wenn das Gebäude leer stehe.

Es sei zunehmend zu beobachten, dass Armutszuwanderer, die sich die hohen Mieten in München nicht leisten können, auf zweifelhafte Miet- und Wohnverhältnisse ausweichen, heißt es im Sozialreferat. Dort ist das Gebäude an der Triebstraße bekannt, es steht auf der Liste als eines von 43 Objekten in prekären Verhältnissen, mit denen sich eine Taskforce beschäftigt. Doch die Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, seien sehr beschränkt.

Neben Elena M. wohnt eine Familie mit Kindern, daneben ein älteres Ehepaar. Bei ihnen ist es noch kälter, sie können sich keine Gasheizer leisten. Im Keller gibt es eine Dusche für die Bewohner aus dem ersten Stock. Sie alleine könnte ja auf der Straße schlafen, sagt Elena M. Aber sie mache sich große Sorgen um ihre Kinder.