Geteilte Meinungen über die monotone Esmod-Modenschau in der Muffathalle. Nur einige Goldfetzen stechen aus den Nichtfarben heraus. Vier Männer - vier Blickwinkel.
Vier Männer, vier verschiedene Blicke auf die gleiche Veranstaltung. Die Modeschule Esmod, gerade 20 Jahre alt geworden, feiert am Donnerstagabend in der Muffathalle die Kollektionen ihrer Diplom-Schüler 2010er Jahrgangs. 23 dürfen nach drei Jahren Lehre ihre Entwürfe über den weißen Laufsteg wackeln lassen.
Weiße Kleider auf weißem Grund - die Esmod-Diplomshow war keine bunte Angelegenheit, aber wer trägt schon Farben? (© Foto: Stephan Rumpf)
Anzeige
Benjamin, 21, erstes Esmod-Jahr, kümmert sich um die Musik, Lukas von der Muffathalle um die Technik. Die zwei warten in einer Hallenecke auf das Startsignal, aber noch sind einige der 500 Sitzplätze nicht besetzt, die Schildchen der reichlich geladenen Vertreter der Modemedien, Kleidermarken und Theaterakademien noch zu sehen.
Ein aufgeregter Vater ruft den Fotografen zu: "Achtung! Die ersten vier sind von meinem Sohn." Die ersten vier Entwürfe - Benjamin hat Hip-Hop aufgelegt und Jakob schaut im Livestream Eishockey - wippen durch die Halle, schwarz und weiß gekleidet.
Die Musiktracks wechseln, aber die Mode bleibt seltsam ähnlich. Keine Farben, nur ein paar Accessoire-Ausreißer: Geweih, Seilkette, Ast oder Regenschirmrock, doch wo bleiben die Farben?
Egal, der aufgeregte Vater sitzt jetzt selig auf seinem Stuhl, Lukas ist glücklich, denn der Sound ist gut und Deutschland führt im dritten Drittel, und Benjamin hat die Songs im Griff. "Am besten sind Lieder mit 125 Schlägen pro Minute, da können die Models entspannt laufen." Er verfolgt den Auftritt konzentriert und ein wenig bewundernd.
Am Ende, nur ein Hauch von Violett und einige Goldfetzen stechen aus den Nichtfarben heraus, laufen alle Models mit ihren Designern noch eine Stegrunde. Die Absolventen genießen erleichtert den langen Applaus, die Show zählt zur Note.
Wie hat es Lukas gefallen? "Mei", sagt er, Deutschland hat gewonnen. Und draußen, wo sich viele anschließend zur Erleichterungskippe treffen, steht ein Münchner Mode-Designer und sagt: "Kaum Farben, es ist schade, dass sie sich so wenig trauen." Er trägt schwarz und grau, wie die meisten der Gäste.
- Thema
- Modenschau RSS
- Szenario Hüften, so ausladend wie Bienenkörbe 24.11.2006
- Jugend und Mode Vielleicht doch besser nackt? 17.06.2007
- Kolumne: After Eight Die Invasion der dicken Brillen 22.01.2009
- Dessous-Show Victoria's Secret Bereit zum Abflug 06.11.2009
- Prêt-à-Porter-Schauen Paris Die Kriegerin trägt Uniform 06.10.2009
- London Fashion Week Alles Quak auf dem Laufsteg 21.09.2009
- Modenschau in München Hauptsache kameratauglich 02.09.2009
(SZ vom 22.05.2010/rs)
Wiesn-Nachrichten
vielleicht sollte man es ja lassen, von Mode zu schreiben, wenn man von Mode so gar überhaupt keine Ahnung hat, vielleicht sollte man bei einer Modenschau auch nicht über die Techniker der MuffatHalle schreiben, sondern über das, was auf dem Laufsteg passiert -- aber dann müsste man ja was von Mode verstehen -- vielleicht sollte man, wenn man so gar keine Ahnung hat, jemanden fragen, der die Unkenntnis ein wenig aufhellt, schließlich hat die ESMOD nicht nur eine Anlaufstelle für die Presse und auch die Jung-Designer geben gerne Auskunft über ihre Kreationen -- aber wer die Mühe scheut, weiß halt nix und schreibt entsprechend ...
... übrigens: die Show zählt nicht zur Abschlussnote ... vielleicht hätte man sich ja informieren sollen ... bevor man etwas schreibt !