Mode des Diktators Wie sich Hitler durch seine Kleidung inszenierte

Adolf Hitler wollte auch bei seiner Kleidung die Kontrolle behalten.

(Foto: dpa)
  • Erstmals beschäftigt sich eine Wissenschaftlerin mit Hitlers Kleidungsstil.
  • Das Ergebnis: Hitler wählte seine Gaderobe mit Bedacht, um Aussage und Wirkung zu unterstreichen.
Von Susanne Hermanski

Eine der unsinnigsten Forderungen des mitteleuropäischen Moralkodex lautet: "Man soll einen Menschen nicht nach seinem Äußeren beurteilen." Denn der mag zwar nichts für seine Kartoffelnase können, über den Rest aber hat er doch erstaunlich viel Verfügungsgewalt. Adolf Hitler, wie so viele andere Diktatoren der Weltgeschichte, wusste das natürlich. Und er nützte es weidlich für seine Zwecke.

Um so erstaunlicher ist es, dass bis heute kaum eine wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema existiert, während Hitlers Diät, Hitlers Wagner-Wahnsinn, Hitlers Krankheitsgeschichte und so weiter bereits aufs Penibelste untersucht worden sind. Esther Sophia Sünderhauf, Leiterin der Münchner Von-Parish-Kostümbibliothek, ändert dies nun. Sie schreibt an einem Buch über Hitlers Kleidungsstil und gibt am Mittwoch bei einem Vortrag erste Einblicke in ihre Forschungsergebnisse.

Analysiert hat sie dafür Fotos von Heinrich Hoffmann, Zeitzeugen-Beobachtungen und zum Vergleich die damals übliche Herrenmode in Kleidung und Habitus. Und sie fand schnell bestätigt, was auf der Hand zu liegen scheint: "Hitlers gezielte Rollenspiele sind ein wesentlicher Teil der politischen Ikonografie des NS-Staates." Wie bewusst er, der vor dem Spiegel Redeposen übte, auch mit seiner Kleidung umging, machen zwei Tatsachen überdeutlich: Er verbot Hoffmann 1933 den Handel mit den Fotografien, die ihn in Lederhose zeigten.

Hitler wollte als Führer eines gesamten deutschen Reiches gesehen werden

Er bat ihn sogar, möglichst alle Bilder zurückzuziehen, die ihn zum Beispiel mit nackten Knien abbildeten. Der Grund dafür mag ein wenig auch darin gelegen haben, dass er fortan nicht mehr als Bayer oder Österreicher eingeordnet werden wollte, sondern als Führer eines gesamten deutschen Reiches "Er wollte vielmehr die totale Kontrolle auch über sein Bild, und sich keinesfalls mehr eine Blöße geben und lächerlich machen", sagt Esther Sünderhauf. "Seine Kleidung trug er fortan als eine Art Rüstung, die ihn unantastbar mache sollte."

Das durfte nie geschehen: Ein Bild von sich, auf dem er nackte Beinhaut preisgab, wollte Adolf Hitler nach 1933 nicht im öffentlichen Umlauf wissen.

(Foto: Archiv Scherl)

Am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, ordnete er dann seinen Kammerdiener an, ihm "bis zum Ende des Krieges nur noch die feldgraue Uniform" zurecht zu legen. Egal, ob er fortan zum Empfang mit Diplomaten ging oder in die Oper, ob er auf dem Obersalzberg mit Eva und den Hunden Gassi ging oder die Front besuchte: Er tauchte stets in einer grauen Uniform-Jacke auf.

Dabei hatte er bis dahin durchaus eine wechselvolle, ganz persönliche "Kostümgeschichte" durchlaufen. Sünderhauf verweist auf auf Hitlers Jahre im Männerwohnheim. In denen war er so arm, dass er zeitweise das Haus kaum verlassen mochte, weil er sich kein neues Schuhwerk leisten konnte und ein jüdischer Zimmergenosse ihm über einen befreundeten Händler einen schäbigen schwarzen Mantel besorgen musste. Ein neuer Mantel war denn auch das Erste, was Hitler sich kaufte, als er 1913, mit 24 Jahren, endlich über das Erbe seiner Eltern verfügen durfte. Mäntel besaß Hitler fortan besonders viele.

Eines der ersten offiziellen Bilder, das Hoffmann von Hitler aufnahm und das bis heute in vielen Büchern gedruckt zu sehen ist, zeigt Hitler im Trench Coat. In jenem Staubmantel also, den Burberry für die Britischen Offiziere des Ersten Weltkriegs erfunden hatte. Verrat? - Nein. Im Vergleich zu den Würdenträgern der Weimarer Republik hob sich Hitler in dem Anfang der Zwanzigerjahre topmodischen, hellen Mantel von all den dunkel gekleideten, älteren Herren im schwarzen Anzug und mit Vatermörderkragen deutlich ab. Als licht, lässig, sportlich. Zudem sind alle zweireihigen Jacken auch noch beliebte Figurschmeichler bei Herrn. Und der schmalschultrige Adolf hatte so manches zu verbergen, auch um die Hüften.

2 weiße Westen

und ein paar andere Kleidungsstücke aus dem "besten Material" hat sich Adolf Hitler im Dezember 1932 maßanfertigen lassen. Die Schneiderrechnung dafür betrug 1340 Mark, das entspricht heute umgerechnet etwa 5600 Euro. Gefunden hat sie der Hitler-Biograf Volker Ulrich, der in den Archiven auf viele vergleichbare Ausgaben stieß und schrieb: "Hitler, das belegen solche Quellen, lebte entgegen dem von der Propaganda verbreiteten Bild des bescheidenen Mannes aus dem Volk schon vor 1933 auf großem Fuße. Auch teure Mode musste es sein."