Mitten in München Risiken und Nebenwirkungen

Bayern zuerst, mit diesem Slogan a la Donald Trump wirbt Stephan Pilsinger im Wahlkampf. Doch der Mediziner sollte gewarnt sein: Nicht nur Arzneien haben ein Verfallsdatum

Von Berthold Neff

Seit ich Verantwortung habe, gibt es für mich ein großes Ziel: Bayern zuerst!" Also sprach Horst Seehofer beim diesjährigen Aschermittwoch in Passau und bezog sich damit ziemlich klar auf den US-Präsidenten Donald Trump, der den schon mehr als 100 Jahre alten Begriff zum wichtigsten Slogan seiner Amtszeit gemacht hat. Bei seiner Passauer Rede im März durfte Seehofer durchaus annehmen, dass Trump eine ganze Amtszeit lang durchhält. Heute ist das nicht mehr so sicher, da Trump seine Tour durch die Fettnäpfchen durchzieht und das FBI ihm auf den Fersen ist. Gut möglich also, dass Trump stürzt und dann alle mit dem Finger nach Amerika zeigen: Seht, das passiert mit Politikern, die solche Sprüche von sich geben!

Daher verwundert es schon, dass Stephan Pilsinger, der für die CSU im Münchner Westen im Herbst für den Bundestag kandidiert, seine Wahlkampfveranstaltung mit Peter Gauweiler auf Plakaten und Litfaßsäulen just mit diesem Slogan ankündigt: Bayern zuerst. Gauweiler, als CSU-Urgestein avisiert, hätte den CSU-Jungspund warnen sollen. Gauweiler selbst weiß, wie schnell eine politische Karriere vorerst zu Ende sein kann. 1994, ebenfalls am Aschermittwoch, gab er im Pschorrkeller seinen Rücktritt vom Amt des bayerischen Umweltministers bekannt - nach einer Amtszeit von vier Jahren.

Stephan Pilsinger blieben politische Niederlagen vorerst erspart. 2008 wurde der gebürtige Obermenzinger zum ersten Mal in den Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing gewählt, 2014 zum zweiten Mal. "Kommunalpolitik ist die tragende Säule politischen Handelns und der beste Weg, die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren", sagt er dazu. Richtig groß raus kommt man aber erst in Berlin, das hat er wohl auch bei Gauweiler gesehen, von 2002 bis 2015 gehörte dieser dem Bundestag an.

Mit Warnhinweisen diverser Art sollte Pilsinger aber selbst vertraut sein, schon von Berufs wegen. Er ist Arzt und kennt, wie seine Patienten auch, den Spruch: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen sie Ihren Arzt oder Apotheker. Oder studieren Sie die Wahlplakate.