Mitten in Haidhausen Peinlich korrekt

Längst gibt es Programme, die vervollständigen Wörter, verbessern hastige Tippfehler - und doch ist da Vorsicht geboten

Kolumne von Johannes Korsche

Jeder schreibt täglich ganze Romane. Per SMS, via WhatsApp oder über andere Messenger-Dienste. An unzählige Empfänger. Da muss es schnell gehen. Logisch. Als Hilfestellung haben sich deswegen die Handyhersteller vor Jahren schon ein eigentlich praktisches Programm ausgedacht: Autocorrect oder T 9. Die Programme vervollständigen Wörter, verbessern hastige Tippfehler - soll heißen, sie interpretieren, was unsereins so unbedacht in die Tastatur hackt und machen aus unverständlichen Buchstaben-Ansammlungen deutsche Sprache. Oft genug ist die Interpretation natürlich richtig - oft genug ist sie aber auch falsch und wird trotzdem versendet. Immer ist das dann ein Problem.

Beispiele für falsche Interpretationen gibt es zuhauf. Aus dem harmlosen, leicht reumütigen "Was haben wir denn da produziert?" wird zum Beispiel schnell ein strafrechtlich relevantes: "Was haben wir denn da prostituiert?" Die Antwort ist in diesem Falle aber eindeutig: die deutsche Sprache - an dieses heimtückisch hilfreiche Autocorrect.

Dem Handy ist es auch egal, wie wichtig der Anlass einer Nachricht ist: Eigentlich wollte man nur die frohe Kunde verbreiten, dass der "kleine Maxi" auf die Welt gekommen ist. Unfreiwilligerweise wurde aber der "kleine Nazi" geboren. Peinlich-berührte Verbesserungen der stolzen Eltern können solche Missgeschicke kaum auflösen. Der arme Maxi.

Weil das versehentlich Verschickte langsam zur Regel wird, ist es umso auffälliger, wenn sich noch jemand eingehend mit Sprache beschäftigt. Und nicht nur den Inhalt, sondern auch das äußere Schriftbild eines Wortes bedenkt. So wie die Mitglieder des Haidhauser Bezirksausschusses, die bei ihrer jüngsten Sitzung diskutierten, wie sie das Wörtchen "sofort" in einem Antragstext gestalten wollten. Unterstrichen? Gefettet? Gar beides? Oder doch lieber keins davon? Nicht dass der Empfänger sich vom Schriftbild beleidigt fühlt. Die Stadtteilpolitiker blieben höflich. Wer weiß, was für eine T9-Antwort sie sonst erhalten hätten.