"Miteinander für Europa" Kirche als Vorbild für die EU

Internationaler Christen-Kongress tagt in München

Europa wieder zusammenzuführen - das ist nach Ansicht von Heinrich Bedford-Strohm auch Pflicht der Kirchen. Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sagte, die EU sei nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern eine Union, in deren Zentrum die Menschenwürde stehe. Die Flüchtlingskrise oder die Brexit-Entscheidung zeigten, dass Europa polarisiere und viele Menschen nicht erreiche. Die EU müsse sich daher entsprechend verändern, es brauche eine neue geistliche Kraft. Die Kirchen müssten bei diesem Prozess helfen, forderte Bedford-Strohm zum Auftakt des europäischen Christen-Kongresses "Miteinander für Europa".

Seit Donnerstag tagen 1700 Mitarbeiter von 300 geistlichen Gemeinschaften, Kommunitäten und christlichen Bewegungen aus ganz Europa in München. Sie sind vereinigt in der vor etwa 15 Jahren ins Leben gerufenen Initiative "Miteinander für Europa". Das Treffen ist prominent besetzt: Zu den Teilnehmern zählen der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July als Vertreter des Lutherischen Weltbundes und der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit. Papst Franziskus ist per Videobotschaft vertreten, sie wird am Samstag zum Abschluss des Treffens auf dem Stachus gezeigt. Der Sprecher des deutschen Koordinationsteams, Gerhard Proß, sagte, die Initiative "Miteinander für Europa" sei ein Modell für die kriselnde EU. Es gehe um Einheit, nicht um Gleichmacherei. Die Unterschiede, also die verschiedenen Kulturen, Nationen und Sprachen, seien keine Gegensätze, sondern eine Bereicherung - für die Kirche wie für die EU. Mit Blick auf den 500. Jahrestag der Reformation sagte Bedford-Strohm, er sei froh, dass die katholische und evangelische Kirche das Gedenkjahr 2017 gemeinsam begehen. Denn es gehe nicht wie früher um eine "Selbstbespiegelung der Konfessionen" oder um eine Verehrung eines "Helden Martin Luther", sondern darum, gemeinsam Christus wieder ins Zentrum zu rücken.