Von Dominik Hutter

Das Auge fährt mit: Die Münchner S-, U- und Trambahnen werden voraussichtlich noch in diesem Jahr mit Überwachungskameras nachgerüstet. Die Aufzeichnungen aus dem Waggon-Inneren sollen als Vandalismus-Schreck oder, falls dies nicht klappt, zur Ermittlung der Täter dienen. Alltags-Randale verursacht im MVV-Netz jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe.

Besonders teuer kommt die Verkehrsunternehmen der Hass auf intakte Fensterscheiben. Seit Einführung der neuen S-Bahn-Züge im Jahr 2001 musste schon mehr als ein Drittel sämtlicher Gläser ausgewechselt werden. 12124zerkratzte oder sonst wie beschädigte S-Bahn-Fenster stehen in der Statistik von S-Bahn-Chef Norbert Klimt - was nicht nur 4,8Millionen Euro gekostet hat, sondern stets auch ungeplante und unerwünschte Werkstattaufenthalte nach sich zieht.

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Dazu kommen "dumme Lausbubenstreiche", wie es Klimt nennt. Die reichen vom kompletten Ausbau einer Sitzgruppe über die voll geschmierte Abteilwand bis hin zum Feuerchen mitten im Abteil. 260.000 Euro haben derartige Aktionen die S-Bahn im vergangenen Jahr gekostet - zusätzlich zu den 190.000 für die Reinigung von 20.000 Quadratmetern graffitiverschmierter Lack-und Fensterflächen. Während Letzteres seit einigen Jahren mit Außenkameras und verstärkter Bewachung der Abstellgleise angegangen wird, soll das jetzige 4,5Millionen-Projekt die Unversehrtheit der Abteile fördern. Die Hälfte der Investition übernimmt der Freistaat.

105 von insgesamt 238(Kurz-)Zügen sollen noch in diesem Jahr mit jeweils acht Digitalaugen, zwei je Wagen also, ausgestattet werden. Der Fahrgast wird lediglich am eigens geklebten Piktogramm erkennen, dass "sein" Wagen videoüberwacht ist. Um nicht ein zusätzliches Randale-Objekt zu schaffen, werden die Geräte versteckt montiert. "Dabei fahren wir eine absolut ehrliche Strategie", versichert Klimts Geschäftsführer-Kollege Michael Wuth. Soll heißen: Wo Piktogramme sind, gibt es tatsächlich Kameras - und wo nichts klebt, wird auch nicht gefilmt.

Die Geräte verfügen über zwei Aufzeichnungsstufen: die permanente den ganzen Tag über und eine mit verbesserter Auflösung, die erst dann aktiviert wird, wenn jemand Notbremse oder Notsprechstelle benutzt. Ausgewertet werden die Aufnahmen laut einer bundesweiten Datenschutzvereinbarung nur von bestimmten, speziell geschulten S-Bahn-Mitarbeitern. Und auch nur, wenn tatsächlich irgendetwas vorgefallen ist. Ansonsten werden die Daten nach 72 Stunden automatisch gelöscht. Der Lokführer hat übrigens keinen Zugriff auf die Bilder aus dem eigenen Zug. Er muss weiter per Notruf alarmiert werden.

Ähnliche Pläne wie die S-Bahn verfolgt auch die MVG, in deren Bilanz pro Jahr rund zwei Millionen Euro Vandalismusschaden auftauchen. Zwar steht der entsprechende Beschluss des Aufsichtsrats noch aus. MVG-Chef Herbert König will aber am liebsten sofort loslegen und sämtliche Fahrzeuge peu à peu mit Innenkameras nachrüsten. Einzige Ausnahmen: ältere Busse und einige U-Bahn-Züge, die nach der WM zur Ausmusterung vorgesehen sind.

Der Einbau soll während der normalen Wartungsintervalle im Betriebshof erfolgen. "Das wird also schon einige Jahre dauern", berichtet König. Beim Kauf neuer Fahrzeuge wird die Kamera-Ausstattung allerdings sofort obligatorisch - und bei Bussen ist sie es bereits: Aktuell sind bei der MVG 41 Busse neueren Typs videoüberwacht. 29 bereits bestellte Neufahrzeuge kommen in den nächsten Wochen hinzu. Weil, wie König bedauert, ein altes Hausmittel immer schlechter funktioniert: die soziale Kontrolle.

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