Mietwohnungen Wo Sie sich München leisten können

Mieten in München ist teuer, klar. Aber was heißt das konkret für Sie? In unserer interaktiven Karte können Sie sich anzeigen lassen, in welchen Vierteln Sie günstig wohnen können, ausgehend von Ihrem Einkommen.

Von Sabrina Ebitsch und Steffen Kühne

Die Mieten sind das Wetter Münchens, zumindest beim Smalltalk. Ob an der Bushaltestelle oder in der Schlange an der Bierschänke, überall wird über Mietwucher geklagt. Seit Jahren steigen die Mieten kontinuierlich und kräftig an. Doch was heißt das für Sie persönlich?

Auf unserer interaktiven München-Karte können Sie sich anzeigen lassen, wie viel Prozent Ihres Haushalts-Nettoeinkommens Sie für die Warmmiete in einem x-beliebigen Stadtteil aufwenden müssen, wenn Sie heute umziehen würden. Zum Vergleich: Im bundesweiten Schnitt geben die Deutschen ein Viertel bis ein Drittel ihres Einkommens für die Kalt- beziehungsweise Warmmiete aus.

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Mietpreise explodieren, Häuser werden luxussaniert, Wohnraum wird knapp: Durch Gentrifizierung werden ganze Bevölkerungsschichten vertrieben - wie gehen Städte mit der Herausforderung um? Dieser Artikel ist ein Beitrag zu einem 360°-Schwerpunkt über das Phänomen Gentrifizierung und darüber, was sie mit uns macht.

Die Daten basieren auf dem Münchner Wohnungsmarkt-Barometer von 2014. Der vom städtischen Planungsreferat erstellte Index wertet dafür die Internetannoncen der Süddeutschen Zeitung für das gesamte Stadtgebiet aus. In den Feldern links oben können Sie die Wohnungsgröße und das monatlich verfügbare Budget in Ihrem Haushalt festlegen. Je nach Einstellung verändert sich dann die Stadtkarte, die einzelnen Viertel färben sich unterschiedlich ein: Je höher der Anteil der Miete am Haushaltseinkommen ist, desto mehr changiert die Färbung von grün über orange bis hin zu tiefrot.

  • Beispiel 1 - Die Studentin: Bekommt zusätzlich zum Bafög-Höchstsatz von 670 Euro noch 100 Euro monatlich von Oma zugesteckt und verdient sich außerdem mit Kellnern gut 300 Euro dazu. Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlt sie noch nicht. Sie finanziert sich also ihre Ein-Zimmer-Wohnung mit etwa 1100 Euro pro Monat und müsste sich demnach tendenziell eher auf die Randstadtteile wie beispielsweise Riem, Allach, Pasing oder Aubing verlegen, weil sie in der Innenstadt mehr als die Hälfte ihres Budgets für ihre kleine Wohnung aufwenden müsste.
  • Beispiel 2 - Der Krankenpfleger und die Verwaltungsfachangestellte, zwei Kinder: Verdienen gemeinsam etwa 4800 Euro brutto pro Monat inklusive Kindergeld, netto bleiben davon etwa 3100 Euro. Für ihre Drei-Zimmer-Wohnung müssen sie in den meisten Stadtteilen etwa ein Drittel bis die Hälfte ihres Einkommens ausgeben. Weil sie mit den größer werdenden Kindern bald in eine Vier-Zimmer-Wohnung umziehen wollen, müssten sie sich bei der Suche beispielsweise auf Stadtteile wie Allach-Untermenzing, Obermenzing, Aubing-Lochhausen-Langwied, Ramersdorf-Perlach oder Trudering-Riem konzentrieren.
  • Beispiel 3 - Der Gymnasiallehrer und die Zahnärztin, ein erwachsener Sohn: Haben ein gemeinsames Einkommen von etwa 9000 Euro brutto, davon bleiben netto etwa 5200. Selbst dieses gutverdienende Paar müsste für eine Vier-Zimmer-Wohnung in Stadtteilen wie Isarvorstadt, Haidhausen, Giesing, Schwabing oder Neuhausen bis zu knapp der Hälfte seines monatlichen Budgets aufwenden. Beschränken sie sich nach Auszug ihres Sohnes auf eine Drei-Zimmer-Wohnung, wird in diesen Lagen immerhin noch ein Viertel bis ein Drittel des Einkommens fällig.

Was Gentrifizierung wirklich ist

Heute Dönerbude, morgen Bioladen. Verdrängen die Reichen die Armen aus den Städten? "Gentrifizierung" ist der Kampfbegriff der Stunde - aber die eigentlichen Probleme sind komplexer. Von Hannah Beitzer mehr ... 360° Gentrifizierung - Fragen und Antworten

Ein Blick auf das Wohnungsmarkt-Barometer genügt, um zu erkennen, was beim Mieten-Smalltalk nur gefühlte Wahrheit ist. Die Gründe für die steigenden Preise sind bekannt: niedrige Zinsen, Immobilien sind gefragt als sichere Geldanlage, dazu noch der starke Zuzug.

Bei Erstbezug wurde 2014 mit 18,65 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter ein Höchststand erreicht, ebenso bei den Wiedervermietungen mit 15,03 Euro - wobei bei Letzterem immerhin der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr so stark war. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung interpretieren dies so, dass die Mieten eine Höhe erreicht hätten, angesichts derer "viele Mieter nicht mehr bereit oder fähig sind, mehr zu bezahlen und dafür nun lieber Abstriche an der Wohnfläche in Kauf nehmen". Womöglich sei das ein Hinweis darauf, dass der Gipfel bei den Mietspreissteigerungen in München erreicht ist. Gewissheit, freilich, gebe es hier allerdings nicht.

Veranstaltungshinweis: SZ-Forum

Das Thema Gentrifizierung bewegt die Münchner wie kaum ein anderes. Am 24. Juni 2015 lädt die Süddeutsche Zeitung zu einem SZ-Forum unter dem Titel "Unbezahlbar schön. Und wo bleiben die Münchner?" ein. Bei der Podiumsdiskussion soll es um explodierende Mieten, die Macht der Investoren und die Rolle der Politik gehen - um Ängste der Münchner, aber auch um Ideen, die Mut machen.

Wer diskutiert? Matthias Lilienthal, designierter Intendant der Münchner Kammerspiele; Elisabeth Merk, Stadtbaurätin; Josef Schmid (CSU), Bürgermeister Stadt München; Jürgen Schorn, Gesellschafter Bauwerk Capital; Christian Stupka, Vorstand Wogeno und Gima; Moderation: Tom Soyer und Thomas Kronewiter, Süddeutsche Zeitung

Wann und wo? 24. Juni 2015, 19 Uhr im Freiheiz, Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1, München. Der Eintritt ist frei.

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360° - Geschichten und Hintergründe, die im Nachrichtenalltag oft untergehen