Von Von Christian Minaty

Wie ist das Leben so als Schwimmbadkachel? Ein Fernsehpolizist weiß mehr. Michel Guillaume, bekannt aus "Soko 5113", liest in feuchtwarmer Atmosphäre aus dem Buch "Bade-Sachen". Dessen Verkaufserlöse kommen benachteiligten Kindern zugute.

Die Fliese könnte klagen. Dauernd wird auf ihr herumgetrampelt. Doch ihr Leben hat auch schöne Seiten. Schauspieler Guilleaume verlas ihre intimen Gedanken im Michaelibad. "Ich fühle mich wirklich wohl hier", erfahren wir. Kein Wunder, kann sie doch seelenruhig "Stenzen zuschauen, die angesichts schöner Mädels Ausatmen und Baucheinziehen zu koordinieren versuchen - vergeblich, natürlich." Oder Badekappen beobachten, "die im Vorüberschwimmen gemeine Gerüchte über Bürokollegen erfinden".

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Die Kurzgeschichten und Gedichte in "Bade-Sachen" (Medien & Musen-Verlag) nehmen einen nicht-alltäglichen Blickwinkel ein im Alltag der ewig-dampfigen Münchner Badeanstalten. Ein kleiner Krimi ist auch dabei, die Liebesgeschichte darf auch nicht fehlen. Der Verlag setzt damit seine Reihe "Kurzes für Zwischendurch" fort. Zuvor waren bereits "Edition U-Band, S-Band, Tram-Band" erschienen.

Für den guten Zweck ging Guillaume sogar ins Wasser. Denn "Artists for Kids", der Initiative Bernd Eichingers, fließt ein Drittel des Verkaufserlöses des Buches zu, und Guillaume spendete seine Gage.

"Artists for Kids" leistet Hilfe für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Kostenlose Veranstaltungen wie Malen, Bergtouren oder Fußballturniere sollen strauchelnden Heranwachsenden eine Perspektive bieten und die eigene Kreativität wecken. Prominente wie Doris Dörrie, Erkan & Stefan oder Barbara Rudnik haben sich zur Verfügung gestellt und bereits das ein oder andere Projekt übernommen.

"Sozialarbeit aus der dunklen Nische holen"

Im Auftrag des Stadtjugendamtes in den Stadtteilen Westend und Laim bieten sieben hauptamtliche Sozialpädagogen und zusätzliche Ehrenamtliche Angebote für 50 Jugendliche. "Das sind keine Gangster, sondern die haben echte Probleme", sagt der Geschäftsführer der Initiative, Thomas Beck. Und derer gibt es viele: Konflikte im Elternhaus, in der Schule, in der Ausbildung.

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Er habe früher beim Jugendamt gearbeitet, sagt Beck. "Dort bin ich schnell an meine Grenzen gestoßen." Er ist überzeugt: Mit "Artists for Kids" könne man spürbar mehr bewirken. "Wir wollen Sozialarbeit aus der dunklen Nische holen."

Die Autoren von "Bade-Sachen" haben übrigens schon länger mit Wasserbecken zu tun: Neben Jule Sommer sind auch "Münchlin" und Wolfram Frank mit von der Partie: Sie haben "Eintauchen ins Filmemeer" im Müller'schen Volksbad organisiert. "Leider ist das Buch nicht wasserfest", räumt Autorin Sommer ein. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr Werk dann auch nicht baden geht.

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