Menschen und Plüschtiere Wenn Erwachsene mit Teddys kuscheln

"Manchmal ist es sogar Liebe": Auch Erwachsene hängen an ihren Kuscheltieren. Der Münchner Fotograf Ralf Weiss hat sie abgelichtet. Da sprechen Männer mit Nashörnern - und besonders Singles sind ihren Teddys verfallen.

Interview: Niklas Nau

Ralf Weiss, geboren 1959, hat ein ungewöhnliches Projekt begonnen: Er lichtet Menschen mit ihren Kuscheltieren ab. Demnächst soll daraus ein Buch entstehen. Ein Zwischenstand ist schon jetzt in der kleinen Ausstellung "Zotty, Paloma und das rosarote Schweinchen" in München zu sehen. Weiss lebt seit 1990 als Fotograf und Kameramann in München.

Kuscheln ohne Ende

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Süddeutsche.de: Sie haben mehr als 50 Menschen mit ihren Plüschtieren fotografiert. Dann hängen Sie vermutlich selbst auch noch an Ihrem Kuscheltier?

Ralf Weiss: Ich hatte früher viele Plüschtiere, vielleicht auch deshalb, weil ich Einzelkind war. Natürlich ist man da nicht völlig einsam, aber ohne Geschwister sind die Tiere doch Freund und Ansprechpartner. Auch heute besitze ich noch viele meiner alten Tiere. Im Gespräch mit meiner Freundin kam mir dann die Idee zu der Fotoserie. Ich wusste damals nicht, ob das zu privat ist und ob ich überhaupt jemanden dafür finde. Dann war ich überrascht, wie offen die Leute doch sind.

Süddeutsche.de: Wie haben Sie Ihre Modelle gefunden?

Weiss: Zuerst habe ich im Bekanntenkreis gefragt. Die kannten wiederum andere Leute, und so hat sich eine Art Schneeballsystem entwickelt. Schwierig war es, Männer zu finden. Die haben bei dem Thema anscheinend mehr Hemmungen. Aber ich habe auch viele interessante Männer fotografiert. Mir war es sehr wichtig, Protagonisten zu nehmen, die wirklich eine enge Beziehung - ich würde es sogar Liebe nennen - zu ihren Tieren entwickelt haben. Ich wollte niemanden ablichten, der sich nur mal eben den Teddy von seiner kleinen Tochter ausgeborgt hat, um ein witziges Foto zu machen.

Süddeutsche.de: Warum hängen selbst erwachsene Menschen so sehr an ihren Teddys?

Weiss: Ich denke, einerseits sind es Erinnerungen an die Kindheit, die eine große Rolle spielen. Andererseits hängt es davon ab, ob Leute allein leben. Die engsten Beziehungen habe ich bei Menschen erlebt, die keine Partner haben. Da spielt das Tier tatsächlich noch eine größere Rolle. Bei den wenigsten war es nur ein oberflächlicher, dekorativer Zweck.

Süddeutsche.de: Wie haben Sie das bei den Aufnahmen erlebt?

Weiss: Ein Regisseur, über 70 Jahre alt, hat sich von mir mit seinem Nashorn fotografieren lassen, das ihn an ein Stück von Michael Ende erinnert, das er mal inszeniert hatte. Während der Aufnahmen hat er mit dem Nashorn einen Dialog geführt. Ich habe mir von allen Leuten die Geschichte ihrer Tiere erzählen lassen.

Süddeutsche.de: Was für Geschichten waren das?

Weiss: Vor allem waren sie total unterschiedlich. Manchmal liegen die Tiere seit Geburt des Kindes mit im Bett und sind auch heute noch da. Oft sind sie arg mitgenommen, oder schon repariert. Eine Frau hat ihren Bären extra in einer Puppenklinik in Zürich wiederherstellen lassen. Die Mutter einer anderen hat das Lieblingsplüschtier vor wenigen Jahren noch mal für sie nachgebaut, weil es kaputtgegangen war. Wieder andere haben sich durch die Aktion erst an ihr Kuscheltier erinnert und es auf dem Speicher ihrer Eltern aufgespürt.

Süddeutsche.de: Und all das sieht man in der Ausstellung?

Weiss: Die Fotos schon. Die Geschichten und Kindheitsbilder, die ich gesammelt habe, sollen mit den Porträts zusammen in einen Bildband kommen. In dem möchte ich dann noch mehr auf die Geschichten und das Verhältnis zu den Plüschtieren eingehen. Momentan suche ich dafür noch Sponsoren.

Süddeutsche.de: Hundehaltern und ihren Tieren sagt man Ähnlichkeit nach. Ist das bei Kuscheltierbesitzern auch so?

Weiss: Es harmoniert manchmal sehr. Da könnte man dann tatsächlich eine Ähnlichkeit sehen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob man das nur hineininterpretiert. Ich habe das fotografisch schon herausgestellt, aber mir war vor allem die Beziehung wichtig. Ich habe meine Modelle öfter gefragt, wie sie ihr Plüschtier früher getragen haben. Da gibt es ein Bild, auf dem ein junger Mann eine Kuh im Würgegriff hat. Das sieht auf den ersten Blick etwas brutal aus. Aber genau so, sagt er, hat er sie früher immer im Arm gehabt.

Die Bilder sind zu sehen von Freitag, 13. Juli 2012, 19:00h bis Montag, 16. Juli 2012 bei Frommel fotodesign, Schießstättstraße 24, 80339 München. Mehr Informationen auch unter www.ralfweiss.com.

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