Mehr Unfälle durch Fahrradfahrer Risiko auf zwei Reifen

''Geister-Radler'' und Fahrradrowdies: Die Münchner Polizei registriert in den ersten drei Monaten des Jahres 40 Prozent mehr Unfälle - bei jedem zweiten sind die Radfahrer Schuld. Jetzt sollen die Verkehrssünder stärker geahndet werden.

Von Katja Riedel

Es ist noch nicht so lange her, da hatte Polizeidirektor Johann Gschoßmann gute Nachrichten zu verkünden. Der Leiter der Münchner Verkehrspolizei konnte für das Jahr 2010 gesunkene Unfallzahlen melden, und bei den Verkehrstoten war es sogar ein historischer Tiefststand von 24 Opfern. Doch an diesem Montag war von Gschoßmanns Freude nicht mehr viel übrig.

Rollendes Risiko: Die Zahl der Fahrradunfälle ist in München in den vergangenen Monaten stark angestiegen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Denn die Zahlen, die nun auf seinem Schreibtisch liegen, sind alles andere als erfreulich. Um mehr als zehn Prozent liegen die Unfallzahlen des ersten Quartals 2011 über denen der ersten drei Monate des Vorjahres - und vor allem die Anzahl der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, ist geradezu sprunghaft angestiegen: um 40,6 Prozent. Von Januar bis März gab es 305 Radl-Unfälle - und gut an der Hälfte der Kollisionen (49,5 Prozent) mit anderen Verkehrsteilnehmern trugen die Radler laut Statistik die Schuld.

Sicher seien aufgrund des relativ schönen Wetters auch mehr Radfahrer unterwegs gewesen als im schneereichen Vorjahr. Trotzdem macht Gschoßmann für den starken Anstieg auch das sorglose Verhalten vieler Radfahrer verantwortlich. "Viele denken, dass sie bei Rot noch schnell rüberhuschen können", sagt der Verkehrspolizist, dabei würden Radler Autofahrern die Vorfahrt nehmen und gefährliche Situationen herbeiführen. Unfälle dieser Art stehen inzwischen auf Platz zwei der Fahrradunfälle. Wer mit seinem Rad die Ampel bei Rot überquert und erwischt wird, muss nicht nur mit 80 bis 100 Euro Bußgeld, sondern auch mit Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg rechnen.

In der Hälfte der Fälle tragen zwar weiterhin Autofahrer die Schuld an schweren Verletzungen von Radlern, wenn sie beim Abbiegen an Ampeln geradeaus fahrende Radler übersehen. Eine Gefahrenquelle ergibt sich aber auch aus dem Verhalten auf Radwegen - wenn sie denn überhaupt benutzt werden. Immer mehr Radler, berichtet Verkehrspolizeileiter Gschoßmann, würden lieber auf der Straße als auf den Wegen fahren.

Verwaltungsgericht: Radwege müssen in jedem Fall genutzt werden

Am Montag hat das Bayerische Verwaltungsgericht indes in einem Münchner Fall entschieden, dass Radfahrer sogar dann verpflichtet werden können, einen Radweg zu benutzen, wenn diese Wege nicht einmal den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprechen und sehr schmal sind - wie etwa an der Rosenheimer Straße. Damit hatte das Gericht dem Kreisverwaltungsreferat in dessen Rechtsauffassung den Rücken gestärkt.

Große Sorgen bereiten der Münchner Polizei weiterhin viele "Geister-Radler", die den Weg gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung benutzen. Immer wieder würden einander entgegenkommende Radler sich verhaken, dabei kommt es zu schweren Stürzen mit schweren Kopfverletzungen. Viele Unfälle ereigneten sich zudem unter Alkoholeinfluss, so Gschoßmann: "Die Promillegrenze liegt bei Radlern leider relativ hoch, nämlich bei 1,6 - da verlagert sich das Problem vom Auto aufs Fahrrad."

2010 wurden insgesamt fast 1200 Münchner Radler verletzt. Gschoßmann fürchtet, dass es dabei 2011 nicht bleibt: "Der Radverkehr wird in München weiter zunehmen." Die Polizei wird sich darum in den kommenden Monaten verstärkt auf Radfahrer konzentrieren. Bereits am morgigen Dienstag würden Radler besonders an Ampeln und auf Radwegen kontrolliert, kündigte Gschoßmann an.