Meerjungfrau-Schwimmen Neues vom Nixer

Ungewöhnliche Beinbekleidung: "Es reicht ein kurzer Beinschlag", sagt Alexander Sengpiel, "und schon schießt man aus dem Wasser wie Flipper."

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Alexander Sengpiel ist Deutschlands schnellster Meermann: Der Dachauer hat die Meisterschaft im Meerjungfrau-Schwimmen gewonnen. Ein ernstzunehmender Sport? "Ja, unbedingt."

Interview von Gregor Schiegl

Bei der 1. Deutschen Meisterschaft im Meerjungfrau-Schwimmen in Suhl hat sich Alexander Sengpiel aus Dachau gegen fünf männliche Konkurrenten durchgesetzt. Der 47-Jährige Luft- und Raumfahrt-Ingenieur und aktive Schwimmer des SV Dachau 1925 darf sich nun Deutschlands schnellster Meermann nennen. Bei dem Wettbewerb, an dem 112 Personen teilnahmen, ging es darum, mit einem langbeinigen Badekostüm und künstlicher Schwanzflosse möglichst rasch voranzukommen. Sengpiels 13-jährige Tochter Franka trat ebenfalls an und holte die Bronzemedaille in ihrer Altersklasse. Sie ist Bayerns schnellste Nixe unter 30.

SZ: Herr Sengpiel, wie waren die Reaktionen auf Ihren Titelgewinn?

Alexander Sengpiel: Bei der Arbeit habe ich es kurz gemacht, meine Medaille gezeigt und gesagt: "Bevor ihr die Gerüchte hört, dass ich in der 1. Deutschen Meisterschaft für Meerjungfrau-Schwimmen gewonnen habe - alle Gerüchte sind wahr." Da haben schon alle angefangen zu lachen. Die meisten konnten gar nicht glauben, dass es so was gibt.

Meerjungfrauschwimmen? Ist das für Sie überhaupt eine ernst zu nehmende Sportart?

Ja, unbedingt. Monoflossen-Schwimmen ist ja eigentlich ein Männersport. Deshalb finde ich es super, wenn sich diese Sportart auch bei Frauen und Mädchen durchsetzt. Beim Meerjungfrau-Schwimmen sind die Flossen kleiner und schöner - einfach, damit das Ganze etwas weiblicher aussieht. Meine Tochter Franka ist schon seit 2012 dabei. Zum Meerjungfrau-Schwimmen gehört der entsprechende Badeanzug, den haben Männer nicht, deswegen scheint bei uns immer die Badehose durch.

Ein bisschen Nass muss sein

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Haben Sie sich nicht komisch gefühlt, sich in so einen Glitzeranzug zu zwängen?

Bei den Männern ist die Bekleidung ja nicht so bunt und spektakulär. Es ist halt wie ein Anzug mit Mono-Flosse. Bei mir war er blau. Das fällt nicht groß auf.

Ist es schwer, mit Flosse zu schwimmen?

Jeder, der Delfin schwimmen kann, kann auch mit Flosse schwimmen. Wenn man tiefer im Wasser liegt, bringt die Flosse mehr Antrieb. Deswegen sah mein Stil auch etwas merkwürdig aus. Meine Frau meinte, ich sei tiefergelegt. Der Favorit musste nach 75 Metern aufgeben. Ich hatte mit der großen Flosse trainiert, deswegen war es für mich ein Klacks.

Wie schnell sind Sie denn normalerweise auf die 100-Meter-Distanz Delfin?

Bei den Kreismeisterschaften bin ich 1:31 Minuten geschwommen, mit der Flosse waren es 1:23. Wenn ich meinen Stil optimiere, sollte es in 1:15 Minuten zu schaffen sein. Zielvorgabe wäre aber 1:10.

Sie sind ein Schwimmer mit Haut und Flosse.

Ich schwimme, seitdem ich denken kann, und bei Männern ist das ja bekanntlich etwas später (lacht). Glücklicherweise geht es bei dem Wettkampf nicht ums Aussehen, sonst hätte ich höchstens in der Moby-Dick-Klasse gewinnen können.

Die Moby-Dick-Klasse?

Alles mit einem Body-Mass-Index über 26, aber die Klasse gibt es noch nicht (lacht.) Die Meerjungfrauen sehen ja immer schön aus.