Maxvorstadt/Neuhausen Blühende Nachbarschaft

Arnulfpark-Bewohner legen an diesem Freitag zusammen mit Mitarbeitern einer Beraterfirma Wildblumenwiesen an

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt/Neuhausen

Es ist schon viel geschimpft worden über den Arnulfpark. Trist und monoton, klotzig und banal sei dieses Neubauquartier geraten, giften Architekturkritiker auch heute noch. Das Gestänker geht den Bewohnern schon lange auf die Nerven. Denn viele fühlen sich pudelwohl in den Wohnblöcken, die sich hinter den Gewerbebauten nördlich der Bahngleise zwischen Hacker- und Donnersbergerbrücke aufreihen. Längst hat sich unter den "Arnulfparklern", wie sie sich nennen, eine Quartiers-Identität entwickelt. Engagiert gestalten Bewohner ihr Viertel. Ihr neues Projekt: Sie wollen Rasenflächen in Wildblumenwiesen verwandeln. Auch Mitarbeiter einer ansässigen Beraterfirma sind mit von der Partie. "Die verschönern damit ihren Arbeitsplatz", sagt Sabine Ullrich.

Die 48-Jährige ist Leiterin des Nachbarschaftstreffs im Arnulfpark. Sie managt viele bürgerschaftliche Aktionen, so auch jetzt die Wildblumen-Offensive. Auslöser war das Projekt "Mobile Naturwiese" im Mai dieses Jahres, bei der Anwohner gut ein Dutzend Obstkisten mit Korn- und Ringelblumen kultivierten und hinter dem Nachbarschaftstreff an der Marlene-Dietrich-Straße auspflanzten. Jetzt sollen die Blumen großflächig erblühen "Das Ziel ist eine ökologische Aufwertung und eine Verschönerung des Viertels", sagt Ullrich. Der nette Nebenaspekt: Mit Spaten und Gießkanne in der Hand lernen sich die Nachbarn beim Schaufeln und Säen besser kennen. Die Wohnungsbaugesellschaft GBW, Eigentümer der Flächen und Vermieter in den Wohnblöcken, ist nach Ullrichs Angaben begeistert. GBW-Niederlassungsleiter Karl Scheinhardt will nach ihren Worten bei der Auftaktaktion an diesem Freitag, 18. September, mit dabei sein.

20 Bürger werden dabei an zwei Standorten im Arnulfpark zunächst den Wiesenboden ausheben, um die Grundlage für eine Magerwiese zu legen. Sodann werden mehr als 200 Stauden und 1000 Blumenzwiebeln, etwa Frühlingsalpenveilchen und Gelbe Narzisse, eingegraben, dazu Saatgut von allerlei Wildblumen ausgesät. Die GBW hat dafür ein 160 Quadratmeter großes Rasenstück am Durchgang von der Arnulfstraße zur Marlene-Dietrich-Straße sowie ein 60 Quadratmeter großes Stück an der Arnulfstraße zur Verfügung gestellt. Die Kosten übernehmen der Bezirksausschuss und das Sozialnetzwerk Regsam. "Was gibt es Schöneres, als wenn Menschen, die zwar in der Nachbarschaft wohnen, sich aber sonst selten begegnen, zusammen ein Projekt durchführen, um ihr direktes Wohnumfeld zu verschönern", sagt Bernhard Hanus, einer der Initiatoren des Projekts.

Indes wirken nicht nur die Bewohner, sondern auch die Angestellten des Arnulfparks an der Aktion mit. Die Blumenwiesen-Aktivisten baten die Dependance-Leitung der Wirtschaftsprüferfirma Ernst & Young, mitanzupacken. Wie Sabine Ullrich berichtet, werden acht Mitarbeiter am Freitag dabei sein. "Die freuen sich, dass sie dort bald ihre Mittagspause verbringen können." Und die Wildblumen sollen sich im Arnulfpark noch weiter ausbreiten. Im Frühjahr, so hofft die Sozialpädagogin, soll es weitergehen. "Wir müssen sehen, welche Wiesen noch bespielt werden können", sagt Ullrich.