München Die Koffer finden ein Zuhause

Wolfram Kastners Erinnerungsprojekt geht als Dauerleihgabe an die städtische Anita-Augspurg-Berufsoberschule

Die weiß gestrichenen Koffer mit ihren handgeschriebenen Adressanhängern sind schon vielen aufgefallen. In den vergangenen vier Jahren standen sie vor Häusern in der Innenstadt, in Neuhamusen, in der Maxvorstadt. Cäcilie Veit stand auf einem dieser Anhänger, dazu der Vermerk "ermordet am 25. 11. 1941 in Kaunas". Genauso bei Alice Steudler. Regina Rosa Nußbaum, ebenfalls aus der Volkartstraße 40, gelang die Emigration in die USA. Der Künstler Wolfram Kastner hat das Kofferensemble 2013 ersonnen, aus Anlass des 80. Jahrestags der Machtergreifung durch die Nazis und der 75. Wiederkehr der Reichspogromnacht. Nun hat die Ausstellung "Hier wohnte. . ." eine dauerhafte Heimstatt gefunden: Die städtische Anita-Augspurg-Berufsoberschule bekommt sie als Dauerleihgabe.

Einen Tag vor dem "Tag der Menschenrechte" am kommenden Freitag, 9. Dezember, wird die von Schülern erweiterte Ausstellung in der Schule an der Brienner Straße 37 eröffnet. Während der Öffnungszeiten der Schule ist "Hier wohnte . . ." auch für Schulexterne zugänglich. Bis zum Ende des laufenden Schuljahres bleibt die Schau dort, danach kann sie von anderen Schulen ausgeliehen werden.

Allein am 20. November 1941 wurden 996 Münchner Jüdinnen und Juden nach Kaunas in Litauen deportiert und fünf Tage später ermordet. "Vor der Deportation", so erklärt es die Schau, "wurde ihr Leben auf den Inhalt eines Koffers begrenzt". Von vielen blieb nichts übrig - nicht einmal ein Passfoto, sondern nur ein Eintrag im Melderegister und der behördliche Vermerk "nach unbekannt abgewandert".