Maximilian Brückner als Regisseur Ein Mann namens Magdalena

Der ehemalige "Tatort"-Kommissar Maximilian Brückner hat eine neue Rolle: Am Münchner Volkstheater hat der Schauspieler erstmals Regie geführt. Bei der Premiere von Ludwig Thomas "Magdalena" werden Frauen zu Männern, fliegende Bierbänke treiben die Zuschauer in die Flucht. Doch insgesamt gerät das Regie-Debüt zu harmlos-heimelig.

Von Lisa Sonnabend

Magdalena heißt die Hauptfigur, sie trägt jedoch Jackett und enganliegende Boxershorts. Ist Maximilian Brückner, 33, von Beruf eigentlich Schauspieler, bei seinem Regiedebüt etwa ein grober Fehler passiert, hat er die weibliche Hauptrolle versehentlich mit einem Mann besetzt?

Eine neue Rolle: Brückner führt erstmals Regie.

(Foto: dpa)

Fernsehzuschauern ist der blonde Bayer Brückner bekannt als saarländischer Tatort-Kommissar, den er fünf Jahre lang bis Januar 2012 mimte. Münchnern als Boandlkramer in dem Stück Der Brandner Kasper, das seit sechs Jahren am Volkstheater gezeigt wird. An dem Theater, an dem Brückner am Donnerstagabend Premiere als Regisseur feierte.

Der Schauspieler hat dafür Ludwig Thomas ernstes Volksstück Magdalena aus dem Jahr 1912 ausgewählt, das im Münchner Umland spielt und die Doppelmoral der Gesellschaft thematisiert. Die Handlung: Die Polizei bringt Magdalena zu ihren Eltern ins Dorf zurück. Sie ist in der Stadt auf die schiefe Bahn geraten, hat als Prostituierte gearbeitet und wurde verurteilt. Ihre Ankunft versetzt den ganzen Ort in Aufruhr, die Bewohner stellen ihr nach, tuscheln. Nachdem ihre Mutter gestorben ist, spitzt sich die Situation immer mehr zu.

Viel Freiraum bleibt einem Regisseur bei diesem Stück nicht, es spielt in nur einem Raum. Brückner hat es aus dem Bauernhaus in eine bayerische Wirtschaft verlegt - und aus der weiblichen Hauptperson einen Mann gemacht.

Warum? "Ich hatte die Idee zu der Verschärfung, aus einer Vater-Tochter-Beziehung eine Vater-Sohn-Beziehung zu machen", hat Brückner vor der Premiere in einem Interview mit der SZ erklärt. "Das ist, so habe ich mir das wenigstens gedacht, ein Konflikt, den man noch stärker nachvollziehen kann. So wie es dasteht, ist es ein bisserl zu wenig heutzutage, wenn die Tochter vom Dorf in die Stadt geht und mit einer Schande zurückkehrt."

Doch Brückner hat das Stück nicht ins Heute verlegt, er hält sich auch textlich stark an die Vorlage, nur das Pronomen "sie" wird in "er" umgewandelt. Er provoziert kaum. Die Kulisse ist harmlos-heimelig: An den Wänden hängen Geweihe, auf den Biertischen liegen karierte Decken, die Bedienung serviert das Bier aus Maßkrügen, aus dem Radio erklingt Volksmusik. Der Regisseur hat offenbar in den sechs Brandner-Kasper-Jahren gelernt, was das Publikum im Volkstheater erwartet: eine große Portion Volkstümlichkeit. Auch an diesem Abend sind zahlreiche Zuschauer in Dirndl oder mit Trachtenhut und Janker erschienen. Den starken bairischen Dialekt der Schauspieler verstehen viele Zuschauer ohne Probleme.

Das Äußerste, was Brückner seinem Publikum während der zweistündigen Vorstellung zumutet, sind ein paar Schwulenwitze, die eine Stimme aus dem Dunkeln nach Ende des ersten Aktes erzählt. Diesen zum Beispiel: "Steht ein Schwuler an einer Tankstelle und steckt sich die Zapfsäule in den Arsch. Kommt eine Oma vorbei und fragt: 'Ist das normal?' Der Schwule: 'Nein, Super!'"

Einmal allerdings, als der Vater aus Wut Bierbänke umwirft und wild eine Axt schwingt, wird es einem Zuschauer in der ersten Reihe zu viel. Er ergreift die Flucht, stellt sich an den Rand des Saales und kommt erst wieder, als Ruhe auf der Bühne eingekehrt ist.