Maps-Eintrag Google nennt Volkstheater Stripclub

Könnte sich das Programm auf der Großen Bühne tatsächlich einem Stripclub anpassen?

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Theater finden immer seltsamere Methoden, um junges Publikum anzulocken. Dass Google das Volkstheater nun als Stripclub betitelt, ist aber vermutlich nicht gewollt.

Glosse von Christiane Lutz

Sobald die Wiesn rum ist, ist es auch vorbei mit inhaltsleerem Rumgelungere: Der Kulturherbst beginnt! Wo gestern noch ein spätsommerliches Loch war, drängeln sich heute die Theaterpremieren, Literaturfeste und Vernissagen, buhlen spannende Diskursveranstaltungen und noch viel informativere Debattenforen um Aufmerksamkeit.

Die Theater machen sich sogar hausintern Konkurrenz, so die Kammerspiele, die sechs Premieren an sechs Tagen wuppten, die Mehrheit der Zuschauer aber schon nach dem Eröffnungswochenende zu erschöpft war für den Rest. Irgendwelche fleißigen PR-Berater halten es wohl für eine gute Idee, das komplette kreative Potenzial dieser Stadt zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember rauszuballern. Von allen Plakatwänden schreit es: Hier! Hier! Besuch mich! Ich bin kulturell wertvoll! nie dagewesen! politisch und obendrein inklusiv!

Die seltsamen Lockmethoden der Kulturstätten

Im Kampf um den Zuschauer greifen vor allem die Theater zu immer drastischeren Mitteln. Die Kammerspiele eröffneten jüngst eine Bar und wollen die Jugend mit Hip-Hop-Konzerten locken. Ist ja noch halbwegs vertretbar, Publikum von morgen und so. Doch das Volkstheater ist seit Neustem ein "Stripklub". Ehrlich wahr! Sagt zumindest Google, wenn man "Volkstheater München" sucht. "Einerseits durch das Münchner Kulturreferat und andererseits durch private Spenden getragen", steht im Beisatz.

Geht also alles mit rechten Dingen zu, wenn sogar das Kulturreferat mitmacht. An den Öffnungszeiten - 11 bis 18 Uhr - sieht man zwar, dass es sich noch um Szene-Neulinge handelt - wer hat schon zwischen 11 und 18 Uhr Zeit, in einen Stripclub zu gehen? - aber die Prioritäten im Konkurrenzkampf sind eindeutig. Und wer wird ernsthaft zögern, wenn er vor der Wahl steht, am Wochenende im Resi einem sich grämenden Ödipus zuzuschauen, oder im "Stripklub" Volkstheater mal ordentlich die Sau raus zu lassen? Eben.

Die Pressesprecherin des Volkstheaters versucht zwar, es nicht ganz so offensichtlich aussehen zu lassen - "Wir wissen nicht, warum das da steht und haben schon bei Google angerufen, damit die das ändern"- aber natürlich ist die Sache klar. Sex sells halt. Disco statt Diskurs. Dass sich bei der Sache einfach ein Kulturpessimist einen Scherz mit dem Volkstheater erlaubt haben soll, wie die Pressesprecherin vermutet, klingt schließlich ziemlich unglaubwürdig.

Google hat einen Stripklub aus uns gemacht. Was sagen wir denn dazu?

Posted by Münchner Volkstheater on Donnerstag, 15. Oktober 2015