Fast wie bei der Kuba-Krise: Google-Earth führt findige Internet-Spione aus Garching zum Versteck des Dietersheimer Maibaums.
Im Oktober 1962 entdeckten US-amerikanische Spionageflugzeuge vom Typ Lockheed U-2 auf Kuba sonderbare, längliche Gebilde, die bald als sowjetische Raketenstellungen identifiziert wurden. Damit begann die "Kuba-Krise", die die Welt an den Rand eines Atomkriegs brachte.
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So sehen sie aus: Die Garchinger Maibaumdiebe samt Beute aus Dietersheim. (© Foto: Ulla Baumgart)
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An einem anderen Brennpunkt des Weltgeschehens, in Garching, hat sich soeben Ähnliches zugetragen. Zwar verfügen die Burschen des örtlichen Heimatvereins und der Freiwilligen Feuerwehr nicht über Spionageflugzeuge, aber inzwischen gibt es ja Google Earth, die Software, die noch viel bessere Bilder von der Erde liefert als seinerzeit die Kameras der U-2.
Garchinger Internet-Spione stoßen auf verdächtiges Objekt
Und was entdeckten die Garchinger Internet-Spione, als sie mit Google Earth ein Waldgebiet namens Mallertshofer Holz anvisierten? Ein sonderbares, längliches Gebilde. Obwohl es sich bei dem inspizierten Areal um ein ehemaliges Militärgelände handelt, schlossen die Burschen sofort aus, dass das verdächtige Objekt eine Raketenstellung sein könnte. Nein, der Fall war sonnenklar: Hier lag ein Maibaum. Der Dietersheimer Maibaum.
Einige Tage zuvor hatte ein aufmerksamer Garchinger beobachtet, wie die Dietersheimer ihren Baum in das Mallertshofer Holz transportierten. "Wo genau das Versteck war, wussten wir aber nicht", sagt Johannes Kick, der zweite Vorstand der Garchinger Feuerwehr. "Aber Google Earth machts möglich. Dann haben wir eben hingezoomt, und da lag tatsächlich der Maibaum."
Geleitschutz mit Blaulicht
Genaugenommen war es gar nicht das aktuelle Exemplar, sondern der Baum, den die Dietersheimer vor sechs Jahren im Wald versteckten. Damals, im Frühjahr 2002, war offenbar ein Satellit hoch oben im All über das Mallertshofer Holz geflogen, und die Fotos, die damals entstanden, sieht man noch heute auf Google Earth. Nicht ahnend, dass ihr Versteck für alle Welt einsehbar war, deponierten die Dietersheimer ihren Maibaum auch heuer auf dem fraglichen Gelände. Ein fataler Fehler - so hatten die Garchinger Maibaumdiebe leichtes Spiel.
So leicht nun auch wieder nicht, beteuert Johannes Kick. Erstmal musste das abgezäunte Areal auch mit Bodenpersonal ausspioniert werden, dann bahnten sich 31 Männer und eine Frau bei Nacht und Nebel einen Weg auf das Gelände. "Wie, verrat' ich nicht", sagt Kick. Und da lag er dann, der Maibaum: 30 Meter lang und fast zwei Tonnen schwer. Bärenstark, wie die Garchinger von Natur aus sind, schulterten sie das Monstrum und machten sich davon. Vor dem Zaun wartete ein Bulldog mit Anhänger. Wenig später, eine Schrecksekunde: Ein Polizeiauto näherte sich. Erneut hatten die Garchinger Glück. Die Polizisten waren Spezl und gewährten den Maibaumdieben mit Blaulicht Geleitschutz.
Die Dietersheimer haben mittlerweile ihr Lehrgeld bezahlt: Bier bis zum Abwinken und eine Brotzeit für die 32 Helden. Kübelweise Spott gab's dazu noch gratis.
(SZ vom 24.04.2008/af)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
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