20.000 Menschen sind am Wochenende in die Zenithhalle geströmt, um sich von der Inderin Amma in die Arme nehmen zu lassen. In Indien ist sie ein Superstar.
In der Zenithhalle riecht es nach Räucherstäbchen und ein bisschen nach Füßen, die gerade aus Schuhen befreit wurden. Menschen sitzen auf schwarzen Klappstühlen oder auf dem Boden, auf mitgebrachten Decken oder Yogamatten. Und warten.
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Schon über 29 Millionen Menschen hat die Inderin Amma in 42 Jahren umarmt. Zu Gast in München, nahm sie in der Zenithhalle in drei Tagen 20 000 Menschen in die Arme. (© Foto: Jan Virtanen)
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Darauf, dass Amma, eine kleingewachsene Inderin, sie in die Arme nimmt. Denn Amma umarmt. Umarmt, umarmt, umarmt. Ohne Pause, im Akkord, viele Stunden am Stück, fast jeden Tag, seit 42 Jahren. 29 Millionen Menschen hat sie schon an sich gedrückt. In München sind es nach drei Tagen in der Zenithhalle 20.000 mehr.
Amma heißt eigentlich Mata Amritanadamayi, das bedeutet Mutter der unsterblichen Glückseligkeit. Sie ist 56 Jahre alt, kommt aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Mit 14 Jahren begann sie, Menschen zu umarmen, aus Mitgefühl, wie sie sagt - ein Skandal in Indien, wo Frauen nicht einfach so andere Männer berühren und schon gar nicht jemanden aus einer höheren Kaste.
Amma ist in Indien ein Superstar
Amma tat's trotzdem und fand bald Anhänger, die sie als Mahatma, als "große Seele" verehrten. Sie gilt als Erleuchtete und ist in Indien ein Superstar - nicht nur wegen ihrer berühmten Umarmungen, sondern auch, weil sie zahlreiche Hilfsorganisationen gegründet hat, sich um Frauen, Kinder, Familien, Kranke und die Umwelt kümmert. Auch die Uno hat Amma schon zu Vorträgen eingeladen. Sie reist mit 180 Crew-Mitgliedern, zwei Sattelschleppern, diversen Bussen und einer mobilen Großküche durch die Welt.
In der Zenithhalle erinnern die vielen Spendenboxen in der Halle ständig an den karitativen Hintergrund der Veranstaltung. Die Menschen, die hergekommen sind, wollen aber erst einmal eins: in Ammas Arme. Doch der Weg dahin ist lang. Wie auf dem Amt muss eine Wartemarke gezogen werden, darauf steht eine Buchstaben-Zahlen-Kombination. Wird die in der Halle ausgehängt, rückt eine neue Gruppe vor, darf Platz nehmen auf den Klappstühlen, die in Zweierreihen in einer langen Schlange stehen.
Im Minutentakt rücken die Menschen einen Stuhl weiter. Kurz vor dem Ziel gleiten sie zu Boden, gehen auf die Knie. Das Ziel ist Amma, sie thront in weißem Gewand auf einem großen Holzsessel, umgeben von zahlreichen Helfern, die die Menschen in Position bringen. "Welche Sprache", fragen die Helfer auf englisch, denn Amma sagt gerne persönlich etwas zu ihren Besuchern.
"Das geht durch und durch"
Viele halten Blumen in den Händen, die sie ihr schenken möchten. Gerade sind noch eine Mutter und ihr Kind an Ammas Brust, doch schon wird der Platz frei, die Arme sind ausgebreitet, greifen den Besucher, ziehen den Kopf an die Schulter. Man riecht Seife und Rosen, Amma streicht über den Rücken, wiegt sanft, murmelt "meine Liebe, meine Liebe, meine Liebe, ma, ma, ma", wie ein Mantra, immer wieder. Doch dann löst sie die Arme wieder, strahlt dem Besucher ins Gesicht, lacht, überreicht einen Bonbon, ein Rosenblatt und einen Apfel. Bevor man sich bedanken kann, ziehen die Helfer schon den nächsten zu ihr.
Die meisten strahlen entrückt nach der Umarmung, einige weinen. "Das geht durch und durch", stammelt eine junge Frau. Viele waren schon mehrmals bei Amma - die Münchnerinnen Viola und Alegra Bronny, 56 und 28 Jahre alt und Mutter und Tochter, schon 13 Mal. Es ist Ammas 22. Besuch in München, so gut wie jedes Jahr im Herbst macht sie hier Station. "Es fühlt sich an, als wäre man angekommen", sagt Viola Bronny.
Das Publikum in der Halle besteht zum großen Teil aus Menschen, denen man ansieht, dass sie sich auch sonst für Spiritualität und Indien interessieren: viel Orange, wallende Stoffe und Glitzersteine auf Taschen und Röcken. Wer es richtig ernst meint, trägt weiß, wie Amma und ihre Helfer.
Aber es gibt auch die Ausnahmen: den 15-Jährigen im Kapuzenpulli mit "Rammstein"-Aufdruck. Die Frau im Business-Kostüm, den Mann mit gegelten Haaren, Markenjeans und Hemd. Cornelius ist 38 und Unternehmensberater. Er sagt, nach einer Umarmung habe er kreative Gedanken, fühle sich gut. Seinen Nachnamen will er lieber nicht verraten - offenbar ist ihm klar, dass es Menschen gibt, die das etwas seltsam finden können.
(SZ vom 02.11.2009/hs/sonn)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
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