Uni Was die letzten Magister-Absolventen über den Bachelor denken

Der Bachlor: Vor- und Nachteile dicht beieinander.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bulimie-Lernen und Wikipedia-Referate: Einer der letzten Münchner Magister-Absolventen meint, echtes Denken hat keinen Platz mehr.

Von Jakob Wetzel

Manchmal, sagt Thomas Götz, sei es schon eine einsame Angelegenheit gewesen. Zum Beispiel wenn er in Kursen saß mit anderen Studenten, die er kaum mehr kannte. Wenn er sich mit ihnen über Prüfungen unterhielt, die er selber gar nicht schreiben musste. Und auch, wenn er in den Seminaren Referate hörte, die ihm weniger gründlich vorkamen als die, an die er sich zu erinnern glaubte.

Thomas Götz ist einer der Letzten seiner Art. Im Frühjahr hat er sein Studium an der Münchner Hochschule für Philosophie beendet, und dafür hat er einen akademischen Grad erhalten, der kurz vor dem Aussterben steht, den Magister Artium. Der Abschluss liegt in den letzten Zügen, auch an der Hochschule, die vom Jesuitenorden getragen wird. Götz war zwar nicht allein, aber fast: Mit ihm hat nur ein weiterer Student die Magister-Prüfungen abgelegt.

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Alles begann in Bologna

Vor 17 Jahren haben die Bildungsminister 29 europäischer Länder in Bologna vereinbart, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum mit vergleichbaren Studiengängen zu schaffen. Seitdem haben Universitäten und Hochschulen ihre Seminare und Vorlesungen in Module verpackt, denen sie einen Punktwert zugewiesen haben. Die Studenten haben begonnen, Punkte zu sammeln; für 180 bis 240 erhalten sie nun den Bachelor, für weitere 60 bis 120 den Master. Ihre Abschlussnote ergibt sich aus den Noten für die einzelnen Module.

Der altehrwürdige Magister dagegen ist fast verschwunden. An der größten deutschen Universität nach der Fernuni Hagen, der Ludwig-Maximilians-Universität, sind mehr als 52 000 Studenten immatrikuliert. Nur 330, weniger als ein Prozent, studieren noch auf Magister. An der Hochschule für Philosophie sind insgesamt nur 380 Studenten eingeschrieben. Im Magister-Studiengang sind es nach dem Abgang von Götz und seinem Kommilitonen noch drei. Die anderen studieren auf Bachelor oder Master, oder sie promovieren.

Einer der letzten Magisterstudenten: Thomas Götz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dina Brandt ist Kanzlerin der Hochschule, und wenn sie erklärt, was sich geändert hat, beginnt sie zu schwärmen. Das Lehrangebot sei jetzt größer. Früher hätten viele Studenten bei den Jesuiten nur das Grundstudium absolviert, um einen Überblick über die Philosophie zu erhalten, nach vier Semestern gab es dafür das "Bakkalaureat", einen staatlich nicht anerkannten Abschluss. Jetzt habe man dieses Studium aufgewertet: Der Bachelor sei kein komprimierter Magister wie anderswo, sondern ein vertieftes Bakkalaureat. Und der neue Master-Studiengang sei im Vergleich zum Magister auch erweitert worden.