Von Michael Tibudd und Isabel Arango

"Das ist ein alarmierender Trend": Immer mehr Mädchen ziehen sich Alkoholvergiftungen zu.

Mädchen betrinken sich mittlerweile fast genauso oft exzessiv wie das auch junge Männer tun - das ist das Ergebnis einer Auswertung, die die Suchtberatungsstelle Condrobs in München vorgenommen hat. Unter 344 Jugendlichen, die in den vergangenen anderthalb Jahren wegen zu viel Alkoholkonsums in Münchner Kliniken gebracht wurden, waren 157 weiblich. Das sind 47 Prozent in einer Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren. "Es gibt einen alarmierenden Trend", fasst Condrobs zusammen. "Es gibt mehr und mehr Mädchen mit Alkoholvergiftungen."

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Mädchen und Alkohol: "Wenn konsumiert wird, dann ist es meistens einzelnes starkes Rauschtrinken." (© Foto: ddp)

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Seit Dezember 2007 betreut Condrobs alkoholisierte Jugendliche im Rahmen des Programms "Hart am Limit" (Halt). Bei diesem Modellprojekt, das in vielen deutschen Städten läuft, kümmern sich Fachleute um solche Heranwachsende, die nach exzessivem Alkoholkonsum in ein Krankenhaus gebracht worden sind. Das besondere an München und bundesweit einmalig: Drei Kliniken in der Stadt kooperieren dazu mit Condrobs - kommt ein alkoholisierter Jugendlicher in das Krankenhaus, verständigt das Personal sofort einen Mitarbeiter des Suchthilfevereins. Dieser versucht, spätestens dann zur Klinik zu kommen, wenn die Eltern des Jugendlichen ihren Nachwuchs abholen. Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, beginnt dann ein mehrstufiger Betreuungsprozess.

Keine tägliche Gewöhnung an Alkohol

Die ganz große Zunahme an Exzessen ist insgesamt allerdings nicht zu beobachten. Condrobs verweist auf bundesweite Zahlen, wonach im Jahr 2008 20,4 Prozent der Jugendlichen im Lauf des letzten Monats einmal stark getrunken hatten - 2004 waren das noch 22,6 Prozent. "Die meisten unserer Fälle kommen im Monat außerdem auf weniger als zehn Trinktage", sagt die therapeutische Leiterin bei Condrobs, Birgit Treml.

Und sie bezieht sich dabei auf jene Jugendlichen, die an einer Umfrage zu ihrem Trinkverhalten teilgenommen haben - nachdem sie zuvor alkoholisiert in eine Münchner Klinik gebracht worden waren. Aus ihren Zahlen entnimmt Treml auch: "Es gibt keine tägliche Gewöhnung an den Alkohol. Wenn konsumiert wird, dann ist es meistens einzelnes starkes Rauschtrinken."

Ein Großteil der Jugendlichen, die in die teilnehmenden Kliniken Harlaching, Schwabing und Rechts der Isar kommen, hat dabei einen Wert von etwa zwei Promille Alkohol im Blut. Vereinzelt seien auch mehr als drei Promille zu beobachten. "Aber es kommen auch welche, die nur 0,2 Promille haben und trotzdem steuerungsunfähig sind", sagt Birgit Treml. Das zeige auch, wie wenig manche Jugendliche an Alkohol gewöhnt seien.

In welcher Form Jugendliche Alkohol zu sich nehmen, hat sich dabei in den vergangenen Jahren erneut geändert. Die sogenannten Alcopop-Mischgetränke spielen kaum mehr eine Rolle. "Heute mischen die Jugendlichen ihre Getränke viel öfter selbst", sagt Tommy Beer von Condrobs. "Zum Beispiel Wodka mit Fruchtsäften." Gut 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer haben sich vor allem mit solchen Mischungen betrunken. Allerdings will auch Beer nicht überdramatisieren: "Viele von denen, die in die Klinik eingeliefert wurden, haben daraus ihre Lektion gelernt."

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(SZ vom 31.03.2009/pfau)