Französisches Restaurant "M-Belleville Bistrot Parisien" Die Provence in Schwabing

Das M-Belleville hat sich die Bezeichnung "Bistrot" verdient: Dort gibt es gehobene Küche zu fairen Preisen.

Von Paula Morandell

Dem Wort Bistrot ist hierzulande übel mitgespielt worden. Mittelmäßige Gasthäuser, triste Vorstadtkneipen, Pilsbars, jedem Wirt kam die Bezeichnung gelegen, um meistens völlig zu unrecht eine wie auch immer geartete Beziehung zur französischen Lebensart zu suggerieren.

Deutschen Einbauküchen soll der Schriftzug - auf Kaffeepötten oder Geschirrtüchern, allerdings ohne das französische T am Ende - eine Brise romanischer Leichtigkeit verpassen. Auch das gelingt nicht immer. Insofern ist es fast waghalsig, ein neues Restaurant Bistrot zu nennen, zumal in München, wo Küche und Gepflogenheiten des westlichen Nachbarn bei weitem nicht so geläufig sind wie das in den rheinnahen Gegenden der Fall ist.

Es sei denn, man ist Franzose und kann partout nichts Schlechtes an dem Begriff finden. Das trifft zwar im engeren Sinn nicht zu für die Betreiber des M-Belleville Bistrot Parisien. Aber sie haben lange genug an der Seine - und, nebenbei gesagt, auch in Rom - gelebt, um mit der Pariser Bezeichnung für ein solides, einfaches und relativ preisgünstiges Lokal ausschließlich Positives zu verbinden.

Ganz so wie der berühmteste literarische Stammgast, Georges Simenons sympathischer Kommissar Maigret, der es Band um Band nicht lassen kann, an den polierten Zinktresen ein kühles Bier oder ein Glas Weißwein zu trinken und dem Volk aufs Maul zu schauen.

Im M-Belleville - das M ist die gebräuchliche Abkürzung für eine Metrostation in Paris - haben sich die frankophilen Gastgeber nicht ganz entscheiden können, welche Richtung sie der Innengestaltung geben wollen. Gewürfelte Tischdeckchen, Haushaltskerzen in leeren Weinflaschen sind Zutaten für bodenständige Kleine-Leute-Gemütlichkeit, den Bistrotfaktor also.

Andererseits ist mit gestärkten Stoffservietten gedeckt, man sitzt auf loungeartigen Ledersofas, das markiert den ambitionierten Anspruch. Die Mischung funktioniert aber, es ist behaglich in dem von außen gesichtslosen Neubauquartier, auch dank der vielen Kinoplakate und Filmfotos mit Gabin & Co an den Wänden.

Außerdem spiegelt die Mixtur aus einfach und raffiniert ziemlich exakt das wider, was im Belleville auf die Teller kommt: Gehobene Bistrotküche aus erstklassigen Zutaten gekonnt und einfallsreich zubereitet zu fairen Preisen - und zur allergrößten Freude des Gastes.