Die "Millionaire Fair" lockt nicht nur Reiche an, sie ruft auch Demonstranten auf den Plan. Außerdem sind 30 Privatjets aus Moskau angekündigt.
Die gefesselten Sklaven stehen frierend auf dem Willy-Brandt-Platz. Der erste wird von einem Marktschreier angepriesen: "Nur 2500 Euro!" So viel brauche man in Äthiopien, um einen Menschen großzuziehen, ruft der Mann mit der Lederpeitsche in der Hand. Der gespielte Sklavenhandel ist eine Protestaktion.
Es glitzert schon am Hals der Dame: In der Vitrine liegt aber noch allerhand, was sich bei künftigen Gelegenheiten schenken ließe. (© Foto: Thorsten Jochim)
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Eine Gruppe von etwa 70 Leuten demonstriert mit Plakaten und Aktionen gegen Lohndumping und das Phänomen des "Working Poor", Menschen, die trotz Arbeit arm sind, wie Walter Listl vom Sozialforum München sagt. Vor allem aber protestieren sie am Donnerstagabend gegen die ein paar hundert Meter weiter startende Millionärsmesse "Millionaire Fair".
Das Motto der Gegner: "Euer Reich-Tun kotzt uns an" Listl sagt: "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass der Reichtum, der dort gezeigt wird, die Ursache für Armut ist." Passanten nehmen Flugblätter mit in die U-Bahn Messestadt. Einer meint: "Die Leute können ja machen was sie wollen mit ihrem Geld, aber die Verteilung stimmt bei uns einfach nicht."
Lederbezogene Strandkörbe
Man hatte ja keine Ahnung, was man sich alles kaufen könnte, wenn eine Million auf dem Konto läge. Gut, dass mit dem Rolls Royce und der Yacht und dem teuren Schmuck, das war abzusehen. Aber nicht die lederbezogenen Strandkörbe mit integriertem Ventilator. Oder die Steinway-Flügel, die von selbst spielen und dabei ihre Tasten bewegen.
Die Menschen, die an diesem Donnerstagabend in schwarzer Designergarderobe durch die Messehalle schlendern, scheinen sich trotzdem nicht weiter über diese erstaunlichen Ausstellungsstücke zu wundern. Schließlich ist das hier die VIP-Night der Millionaire Fair, also der erste Abend der ersten deutschen Millionärsmesse.
Während an den beiden Folgetagen Menschen mit jeder Portemonnaiestärke kommen dürfen, sind an diesem Abend nur Kunden der Aussteller eingeladen - also Menschen, die sich im wahren Leben Dinge anschaffen wie lederbezogene Strandkörbe mit Ventilator. Etwa 1500 Gäste sind da, schätzt Veranstalter Yves Gijrath, "aber nicht alle von ihnen sind Millionäre".
Klotzen, nicht kleckern
Dennoch, ob nun Millionär oder bloß einfacher Reicher: Die Finanzkrise scheint an diesem Abend mindestens so fern wie der Gedanke an einen Hartz-IV- Antrag. Alles funkelt: Die Dekolletés der Damen, die Uhren der Herren, die Champagnerkelche. Auf der Bühne bei der Eröffnungsgala zaubert der Magier Hans Klok, der extra aus Las Vegas eingeflogen wurde. Die Millionäre, die echten und die, die so tun, amüsieren sich blendend. Yves Gijrath hatte das vorausgesehen: "In Deutschland kann es keinen besseren Ort für eine Millionärsmesse geben als München", hatte er gesagt. Weil die Stadt wie keine andere mindestens so sehr für Geld wie für Klasse stehe.
Klotzen, nicht kleckern ist das Motto der Messe, die bis Sonntag läuft. Auf 16.000 Quadratmetern zeigen rund 100 Aussteller, was Millionäre wirklich glücklich macht: Zigarren aus Blattgold, mit 550 Diamanten übersäte Tagesdecken, teure Sportwagen und Luxusyachten. Für die Veranstalter sind aber nicht die Superreichen die Hauptzielgruppe der Luxusmesse. Man peile eher den "klassischen Gutverdiener zwischen 30 und 60 Jahren" an. Zu dieser Klientel gehört man mit einem Jahreseinkommen ab 60.000 Euro.
Zumindest für einen Kurzbesuch werden aber auch die Superreichen vorbeischauen: 30 Privatjets aus Moskau sind angekündigt. Bei einer Millionärsmesse dort wurden übrigens rund 500 Millionen Euro umgesetzt. In München sollen 20.000 Besucher kommen.
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(SZ vom 17.10.2008/af/reb)
Frauen in Saudi-Arabien
Die neueste Antwort
"die ABSCHAFFUNG des Kapitalismus, von Privateigentum und eine Einführung von gleichen Eigentumsverhältnissen. "
Hat ja auch wirklich super geklappt in den sozialistischen/kommunistischen Ländern...
Es beunruhigt mich, wie schnell die Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht.
Doch dabei bewunder ich eher die Armen, die es schaffen jeden Tag ihr Leben zu meistern, die hart - richtig hart - arbeiten müssen um mit dem Mindesten (Nahrung, Wohnung und Kleidung) auszukommen, während die Reichen Tag ein Tag aus entscheiden müssen wo sie ihr Geld verpulvern können. Es geht doch schon so weit, dass sich ein Normalverdiener keine BIO-Produkte, keine tägliche warme Mahlzeit leisten kann, da ihn sonst das Geld ausgeht. Ist das das Ziel unserer Gesellschaft? Sollen selbst die Grundbedürfnisse jetzt nur noch für die Reichen verfügbar sein?
Genau jetzt wünsche ich mir in abgewandelter Form die Umsetzung von Marx' Kommunistischen Manifest und dem Buch "Das Kapital". Nicht die Diktatur aber die ABSCHAFFUNG des Kapitalismus, von Privateigentum und eine Einführung von gleichen Eigentumsverhältnissen.
Der Mensch kann sein Leben nicht mehr ohne Geld und Wohlstand genießen, wir sollten wieder anfangen uns über kleine Dinge zu freuen, dass die Sonne aufgeht, das wir leben und nicht leiden.
Ich verabscheue das Schautragen dieser Besservergüteten und dennoch bemitleide ich sie, denn diese Individuen haben nicht die geringste Ahnung wie das richtige Leben funktioniert, woran man sicher sein kann gelebt zu haben.
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