Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt Es nervt

Lautes Treiben: Die langen, lauten Nächten im Viehhof entfachen Streit.

(Foto: Wannda Kulturfestival/oh)

Nachbarn des Viehhofes beschweren sich vehement über zunehmende Lämbelastungen vor allem in der Nacht. Beklagt wird auch die in Einzelfällen gewährte Verlängerung der Feier-Stunden

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Der ehemalige Viehhof, eine der wenigen Freiflächen in der Innenstadt, wird gut genutzt. Während des Oktoberfestes wurde das Gelände zum Lkw-Parkplatz, eine Bäckerei, die die Wiesn beliefert, hatte dort ein Zelt aufgebaut und buk Brezn. Manche Anlieger stört das: Im Viertel sei ein unangenehmes Brummen zu hören gewesen, verursacht von Elektromodulen und veralteten Aggregaten, berichtete die Stadtteilpolitikerin Silvia Haas (Grüne); an sie seien viele Beschwerden herangetragen worden.

Anlieger des Viehhofes, die zur Sitzung des Bezirksausschusses gekommen waren, machten deutlich, dass der Lärm, der vom Viehhof ausgeht, sie nicht nur während des Oktoberfestes nervt: "Das hier ist nicht der Kunstpark-Ost." In diesem Jahr hätten deutlich mehr Veranstaltungen im Viehhof stattgefunden als früher, monierte eine Anliegerin, die eine Liste mit Unterschriften von 18 Bewohnern des Viertels mitgebracht hatte; vor allem die Zahl der "akustischen Darbietungen" sei stark gestiegen. "Bahnwärter Thiel", das Wannda-Festival im Winter, habe von der Stadt sogar eine Genehmigung bis zum Morgengrauen gehabt. Im Prinzip habe das Viertel das ganze Jahr über Dauerbeschallung, früher sei abends um zehn Uhr generell Schluss gewesen. Auch sei das Viehhof-Kino, das auf dem Areal jeden Sommer von vielen besucht wird, deutlich lauter als in den Jahren vorher gewesen. Die Anliegerin bat um Rücksicht auf die Mitbewohner: "Für uns, vor allem für die in den oberen Stockwerken, ist das Dröhnen unerträglich. Die Kinowerbung hören wir lauter als unsere eigenen Fernsehgeräte."

Sowohl Daniel Hahn vom Verein Wannda als auch Hartmut Senkel, Betreiber des Viehhof-Kinos und des Biergartens, betonten, dass sie die Vorgaben des Gesundheitsreferates genau einhielten. Ihm sei klar, dass der Schall an den Häusermauern reflektiere, dass die Anlieger stark belastet seien, sagte Senkel: "Wenn da eine Lösung herbeizuführen ist, werde ich das sofort machen." Der Viehhof-Kino-Betreiber bot den Anwohnern eine Zusammenarbeit an. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Alexander Miklosy (Rosa Liste), griff das auf: "Sprechen Sie sich aus."

Im Kommunalreferat, das den Viehhof vermietet, zeigt man Verständnis für die Interessen der Anwohner, spricht aber von "schwieriger Abwägung" und davon, dass man mitten in der Stadt kaum durchgehende Ruhe erwarten könne. Der ehemalige Viehhof, der bald bebaut werden soll, sei ein Paradebeispiel für eine gelungene Zwischennutzung, sagt Pressesprecher Bernd Plank. Die Münchner liebten diesen Freiraum, es liege in ihrem Interesse, dass er belebt und genutzt werde. Tausende Münchner hätten für ein Fortbestehen des Viehhofes und des Biergartens unterschrieben. Auch bei den Anwohnern höre man Stimmen, denen die Brache lieber sei als Wohnungen.

Das Kreisverwaltungsreferat listet vier einmalige Veranstaltungen für 2016 auf - drei davon bekamen eine Konzession bis 5 Uhr morgens. Außerdem wurden auf dem Viehhof über fast viereinhalb Monate Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt, Kulturfestival und Kino zugelassen. Das Referat für Gesundheit und Umwelt habe die Kinoanlage eingepegelt; Beschwerden seien allenfalls zu Beginn der Kinoveranstaltung bekannt geworden, hieß es.