Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt Die City ist nicht genug

Routenbesprechung, bevor es losgeht: Die Paketboten von UPS treffen sich zum Einsatzbeginn am mobilen Paket-Depot an der Zenettistraße.

(Foto: Privat)

Die Logistikfirma UPS sieht den bisherigen Testlauf mit radelnden Paketboten als Erfolg - und würde gerne expandieren

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Radelnde Paketboten bestimmen zwar noch nicht das Münchner Stadtbild, doch man sieht sie immer häufiger. Der Logistiker UPS, der seit Juli vergangenen Jahres im Modellprojekt "City2Share" die radelnde Zustellung von Paketen in innenstadtnahen Bereichen testet, hat bereits kräftig aufgestockt und nach und nach das Gebiet erweitert. Inzwischen werden nicht nur Isarvorstädter und seit zwei Monaten auch Sendlinger wie geplant per Fahrrad beliefert, sondern darüber hinaus auch Anwohner um den Viktualienmarkt und nach und nach die Straßen jenseits der Lindwurmstraße. "Das Projekt ist ein voller Erfolg. Wir wollen es auf jeden Fall auch nach dem Testlauf weiterführen", sagt Projektleiter Peter Blösl.

Begrenzt werden die Zulieferer derzeit nur von der Entfernung zum "Micro-Depot". So bezeichnet UPS die Container-Parkplätze, an denen die radelnden Boten die Päckchen abholen. Drei Standorte stehen im Zuge des Forschungsprojekts zur Verfügung: am Glockenbach, an der Zenettistraße vor dem Schlachthof und am Kidlerplatz unterhalb des Harras. 60 bis 75 Stopps legt jeder der zehn Zusteller am Tag ein. UPS-intern ist man sehr an dem Forschungsprojekt interessiert; am Mittwoch hatte Peter Blösl Besuch von den Abteilungsleitern für Nachhaltigkeit und Umweltschutz aus der Zentrale in Atlanta und der europäischen UPS-Vertretung in London. "160 grüne Kilometer am Tag" ersetzten Zustellungs-Fahrten von sechs Dieseltransportern, rechnete die amerikanische UPS-Umweltchefin Crystal Lassiter vor und bezeichnete dies als "schönen Erfolg". Sie möchte ein emissionsfreies Zulieferer-Projekt in Seattle und Washington D. C. umsetzen. Man könne das Konzept allerdings nicht einfach eins zu eins übernehmen, sagte Lassiter. Jede Stadt und jeder Bezirk hätten Eigenheiten und spezielle Bedürfnisse. In den USA setze man auf Elektrofahrzeuge, lediglich in Portland, Pittsburgh und Fort Lauderdale gebe es radelnde UPS-Paketzusteller - jeweils nur einen. Einen Nachahmer hat das Münchner Konzept offenbar bereits gefunden: Der Leiter für Nachhaltigkeit bei UPS Europe, Peter Harris, berichtete, dass dies in Dublin erfolge. "Sogar das City-Design auf der Seite der Transporter wurde übernommen, nur mit der Dubliner Stadtsilhouette."

UPS in München würde das Projekt gerne ausweiten. "So viel und so schnell wie möglich. Es macht in jeder Hinsicht Sinn", sagt der stellvertretende Niederlassungsleiter Christian Schwarzer. "Wir kommen schneller durch die Stadt, wir haben weniger Hindernisse, können direkt vor die Haustür fahren. Und der Zusteller braucht nicht einmal einen Führerschein." Gerade in bewohnten Gebieten in Innenstadtnähe arbeiteten radelnde Zusteller sehr effektiv, auch besser als Zusteller in E-Fahrzeugen. Und schließlich nähmen E-Transporter ja auch wieder Platz auf den Straßen weg.

Bis Ende 2020 soll das Forschungsprojekt City2Share noch in Sendling und in der Ludwigs- und Isarvorstadt neue Wege der Mobilität in der Praxis erkunden. Das Vorhaben wird vom Bundesumweltministerium unterstützt. Die Stadt München hat die Projektleitung übernommen und UPS die Stellplätze für die drei "Micro-Depots" zur Verfügung gestellt.

Bei City2Share geht es nicht nur um neue Lieferkonzepte, sondern auch um Carsharing und andere Möglichkeiten, die den Bürgern den Umstieg vom Auto erleichtern könnten - bis hin zur Rückeroberung von Parkraum.