BBQ mit Breakbeats: LTJ Bukem, der Altmeister des Drum&Bass legt in der Registratur auf. Und im Innenhof wird derweil gegrillt.
Er gehört zu den Pionieren des Jungle, wie Drum&Bass einst hieß. Damals, Anfang der Neunziger, standen verständnislos dreinblickende Tanzwillige noch irritiert am Rand der Tanzflächen und fragten sich heimlich: Wie tanze ich denn eigentlich zu den mörderischen Breaks, die, zusammengelegt mit tiefen dubs, in langsamen Wellen grooven? Hektisch zappeln oder langsam wiegen?
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LTJ Bukem legt am Freitag in der Registratur auf. (© Foto: istock)
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In London wusste man spätestens 1994, wie man es machte. Nämlich so, wie man Lust hatte. Das war und ist das Schöne an dieser Art Musik geblieben - die Offenheit der Musik und ihres Tanzstils. In Deutschland hat man erst viel später gelernt, an Jungle Spaß zu haben, und da hieß Jungle dann schon Drum&Bass.
LTJ Bukem war mit seinem Sound einer der Bekanntesten und Erfolgreichsten seiner Zunft. Nicht zuletzt deswegen, weil er die halsbrecherischen Beats, die aus dem Hardcore-Techno herüberschwappten, in immer weichere und flächigere Sphärenklänge verlagerte. Dem harten Kern der Drum&Bass-Szene wurden er und seine Sessions zu ätherisch, aber die Masse dankte es ihm.
Seine Plattenboxen Logical Progression, Earth und Progression Sessions verkauften sich bestens. Seine Shows wurden immer größer und verlagerten sich von den Clubs in große Hallen. Als Bukem vor fünfzehn Jahren sein eigenes Label Good Looking gründete, galt es als zuverlässige Qualitätsmarke. Nach wie vor ist mit ihm MC Conrad, Stimmungsanheizer und Wortakrobat, der die instrumentalen Passagen mit seinem harten Organ durchbricht wie ein Starfighter die Schallmauer.
Längst ist aus Jungle Drum & Bass und aus Drum&Bass Dub Step geworden. Zwischendrin hatte LTJ Bukem dem Genre noch das Prädikat "intelligent " verpasst. Sollte heißen: Wir haben es hier außer mit breakbeats mit Soul, Jazz, Rare Groove und auch Fusion-Einflüssen zu tun. Der Orientierung in der eskalierenden Subgenrefizierung der späten Neunziger half das nicht allzu viel, verwirrte eher, aber den Tanzbegeisterten waren Bezeichnungen sowieso egal.
Tatsache war: Bukem hatte athmosphärische, luftige Melodien und eine Reduzierung der Geschwindigkeit zurück in die Technoclubs gebracht, die lange von strengen, superschnellen Hardcore-Beats verdrängt gewesen waren. Nebenbei hatte er einige seiner jüngeren DJ-Kollegen wie Peshay und Photek auf seinen Labels auf die Startrampe gesetzt.
Der alte Meister des Drum&Bass ist längst von den jüngeren der Dubstep-Gemeinschaft ins Abseits der Hipness-Schlagzeilen gedrängt worden, aber dass er sein Handwerk nach jahrezehntelangem Üben in den Clubs besser als so manch anderer beherrscht, davon kann man wohl ausgehen. Und während der DJ drinnen seine Platten auf den Teller legt, tut der Gast dasselbe mit seinem Pfeffersteak draußen vor dem Club. BBQ mit Breakbeats, Drum&Bass mit Schnitzel & Bratwurst.
Bukem in Session: ft. MC Conrad, FLowse, Joko & Tobestar, Tomahawk & Martin Peter, am Freitag, 21. August, in der Registratur, Blumenstr.28.
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(SZ vom 20.08.2009/ksp)
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Die neueste Antwort
wenn man schon von (dieser) Musik keine Ahnung hat sollte man nicht auch noch die Republik über einen Kamm scheren Stichwort Mannheim, Bremen und (ich sags nur ungern, aber jede Wahrheit . . .) Berlin.
Labels, Clubs DJs alles da, muß man nur ein wenig recherchieren.
Und nur weil der neuste Breakige Ableger in Techno/House Geschwindigkeit Dubstep heißt, bedeutet das noch lange nicht die Ablösung von D'n'B. (ich sag nur 2Step, Speedgarage)
Gänzlich falsch ist auch die angebliche Offenheit der Musik. Anfang der Neunziger war es so (und niemand blieb an der Tanzfläche stehen), aber heute gibt es ziemlich klare Dresscodes und auch musikalisch Grenzen sich Sub-Generes klar voneinander ab.