Die Nudel ist den ganzen Abend über präsent, all die Lobpreisungen sind für Loriot "nicht auszuhalten" - Vicco von Bülow bekommt den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München.
Zum Schluss taucht sie doch noch auf, die Nudel. Ohnehin ist sie den ganzen Abend präsent, die kleine Teigware. Oberbürgermeister Christian Ude streift sich beim Stehempfang im Alten Rathaus prüfend mit der Hand über das Gesicht.
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"Kann man seit dem Nudelsketch noch eine Rede halten, ohne darüber nachzudenken, ob einem was im Gesicht hängt?", fragt er. Kann man, zumindest an diesem Abend, an dem Loriot den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München verliehen bekommt, wohl nicht.
Laudator Joachim Kaiser redet trotzdem flüssig über die Verdienste Loriots um den deutschen Humor, und lobpreist den 84-Jährigen so ausdauernd und umfassend, dass dieser hinterher klarstellt: "Was ich mir in dieser halben Stunde anhören musste, ist nicht auszuhalten". Röter als er sei im Raum nun nur noch des Oberbürgermeisters Krawatte, fügt er hinzu.
Spätestens jetzt liegt ihm das geladene Publikum zu Füßen, doch Vicco von Bülow wäre nicht Loriot, wenn er nicht nachlegen würde, wenn er nicht harmlos begänne, nur um immer kuriosere Bilder vor des Zuhörers innerem Auge entstehen zu lassen. Gefragt habe er sich, womit er sich diesen Preis verdient habe.
"Ich habe die letzten 50 Jahre im Kreis schaukelnder Euter im Münchner Umland gesessen", sagt der Münsinger mit der ihm eigenen, unerschütterlich ernsten Miene. Und beruflich habe er sich mit zerrütteten Partnerschaften und jodelnden Hunden beschäftigt - nicht eben verdienstvoll, seiner Meinung nach.
Eine Meinung, die keiner der Anwesenden teilt. Dreimal steht das Publikum auf, um dem "maestro" anhaltend zu applaudieren. Christian Ude findet es eher beschämend, dass Loriot den Preis so spät bekommt. "Man wird der Fülle der herausragenden Persönlichkeiten Münchens kaum noch gerecht", sagt er.
Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter schätzt an Loriot seine stets unglaublichen Pointen und mag selbst am liebsten den Sketch vom Spaghettiessen im Sturm. Die Fotografen prügeln sich fast um Aufnahmen Loriots mit seiner Frau - und das Blitzlichtgewitter angesichts des nahezu unbeweglich Sitzenden erinnert selbst schon fast wieder an eine Szene wie aus einem Loriot-Sketch.
Hans-Jochen Vogel sieht in Loriot den Preußen, der sich mit seinem feinen Humor ungeheure Sympathie in München erworben hat. "In München nicht alltäglich!" setzt er hinzu und piekst die Gabel in eine Nudel, eine Ravioli-ähnlich gefüllte Teigtasche. Ganz ungefährlich.
(SZ vom 16.02.2008/ngh)
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Man wird ihm nie genug Ehrungen und Lobpreisungen zukommen lassen können, so groß- und einzigartig wie er ist. Möge er 120 werden (mindestens!) - auch wenn heute gar nicht sein Geburtstag ist.
Danke Loriot!