LMU-Präsident Bernd Huber Der Sonnenkönig

Mauern, aussitzen und hoffen, dass der Sturm vorüberzieht - das war Bernd Hubers Plan für die Berufung der früheren Bundesbildungsministerin in den Hochschulrat. Bis jetzt geht der Plan auf.

Der Senat erklärt sich für machtlos, die Professoren sind teils empört, aber untätig. Am Fall Schavan zeigt sich: An der Ludwig-Maximilians-Universität kann Präsident Bernd Huber schalten und walten, wie er will.

Von Sebastian Krass

Es muss ein guter Auftritt von Annette Schavan gewesen sein, vergangene Woche, ihr erstes Mal im Hochschulrat. Sie war inhaltlich auf der Höhe und stellte ein paar Fragen, bei denen die Leitung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) passen musste; man versprach nachzuarbeiten. So erzählen es Mitglieder des Rats, dem die ehemalige Bundesbildungsministerin seit einem Monat angehört. Und die öffentliche Debatte darüber, ob Schavan nach dem Entzug ihres Doktortitels tragbar ist für das oberste Gremium der LMU? Nein, die habe keine Rolle gespielt, berichten Mitglieder. Schavan habe nichts dazu gesagt, nachgefragt habe auch keiner.

So ungefähr muss LMU-Präsident Bernd Huber sich das vorgestellt haben. Er wusste, dass die von ihm eingefädelte Berufung Schavans einen Aufschrei auslösen würde, innerhalb wie außerhalb der Uni. Seine Taktik für diese Zeit: mauern und aussitzen. Zu heiklen Fragen, etwa wie die LMU den Vorwurf bewertet, dass Schavan in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, oder was passiert, wenn sie mit ihrer Klage gegen den Entzug des Titels vor Gericht scheitert, sagt er einfach nichts. Und hofft, dass der Sturm ohne größere Folgen vorüberzieht. Bis jetzt geht der Plan auf.

Der Vorgang lehrt viel über die Verfasstheit dieser mit dem Gütesiegel Exzellenz-Uni versehenen LMU. Über einen Senat, der sich für machtlos erklärt, über eine teils empörte, aber untätige Professorenschaft und über einen Präsidenten, der deshalb schalten und walten kann, wie er will.

"Präsidiale Leitung" statt "checks und balances"

Martin Hose ist seit 16 Jahren Professor für griechische Philologie an der LMU und seit sieben Jahren Vorsitzender des Senats, eines gewählten Gremiums, das die Uni in ihrer Breite abbilden soll und das die Hälfte der Hochschulratsmitglieder stellt, die andere Hälfte sind vom Präsidenten ausgesuchte Externe wie Schavan. Hose also ist ein einflussreicher Mann in der LMU, sollte man denken. Er selbst stellt das etwas anders dar. Der Senat habe seit einer Änderung des bayerischen Hochschulgesetzes im Jahr 2006 nur noch eine "symbolische Funktion".

Damals wurde die Rolle der Präsidenten deutlich gestärkt. Ein "System von checks und balances" sei durch eine "präsidiale Leitung" ersetzt worden, die "weitgehend alleine entscheidet". So zitiert der Informatik-Professor François Bry in seinem Blog aus einem Gespräch mit Hose. Hose bestätigt die Äußerung und verweist auf einen kleinen Aufsatz, den er 2009 geschrieben habe. "In meinem Bundesland Bayern etwa sieht das Gesetz ein Leitungsmodell vor, das Elemente des Geschäftsmodells des FC Bayern München mit Prinzipien der katholischen Kirche verbindet", heißt es dort. Und warum ist er überhaupt noch Senatschef, angesichts dieses Machtgefüges in der Uni? Hose antwortet, er habe sich zum 1. Oktober noch einmal wählen lassen, weil seine Fakultät ihn darum gebeten habe.

Hose ist ein freundlicher Mann, und er ist einer, der sich kritischen Fragen stellt, anders als einige seiner Senatskollegen. Aber es wirkt, als sei er auch einer, von dem Präsident Huber nicht allzu viel Gegenwind zu erwarten hat. Zwar betont Hose, der Senat sei "keine Konsensmaschine". Aber Schavans Berufung erweckt den entgegengesetzten Eindruck.